# taz.de -- Sparpläne beim Elterngeld: Nicht jede Kürzung ist ein Skandal
       
       > Die Bundesregierung will beim Elterngeld sparen. Sie sollte die Kürzungen
       > nutzen, um das Elterngeld gerechter und feministischer zu gestalten.
       
 (IMG) Bild: Weniger Elterngeld? Eine Chance die ganze Kiste feministischer zu gestalten
       
       Familienministerin Karin Prien wird wohl am Elterngeld sparen – und der
       Aufschrei ließ nicht auf sich warten: [1][Familienfeindlich] sei das,
       [2][so] [3][die] [4][Kritik]. Doch eine Reform des Elterngelds wäre
       ausnahmsweise keine weitere Zumutung, sondern sogar geboten. Hier kann die
       Regierung sparen – und die Förderung von Familien gleichzeitig gerechter
       und feministischer machen.
       
       Tatsächlich wird in Priens Ministerium an einer Reform des Elterngelds
       gearbeitet. 13 Milliarden Euro kostete es jetzt, das ist mit Abstand der
       größte Posten im Haushalt des Ministeriums. 500 Millionen Euro muss Prien
       sparen. Es geht also nicht um Kahlschlag, sondern um Korrekturen. Ein Teil
       der Einsparungen dürfte schon dadurch erreicht werden, dass in Deutschland
       immer weniger Kinder geboren werden – daran hat das Elterngeld wenig
       geändert.
       
       Für eine Reform gibt es nun verschiedene Stellschrauben: die Höhe des
       Elterngelds, die Zahl der Monate, in denen es gezahlt wird, und die
       Gehaltsgrenze, bis zu der Familien es bekommen.
       
       Aktuell liegt diese Obergrenze bei 175.000 Euro. Sie leicht zu senken,
       taugt nicht zum Skandal. Familien mit monatlich mehr als 10.000 Euro
       Einkommen müssen vom Staat nicht volle 14 Monate lang Geld bekommen, um zu
       Hause zu bleiben oder eine ausgedehnte Reise zu machen.
       
       ## Akademiker fördern mit mäßigem Erfolg
       
       Vom Elterngeld profitierten aber bisher nicht nur Spitzenverdiener, sondern
       auch Gutverdienende übermäßig. Sie bekommen bis zu sechsmal so viel Geld
       wie Eltern mit niedrigem Einkommen, die nur 300 Euro monatlich erhalten.
       Diese Ungerechtigkeit war kein Versehen. Man wollte Akademiker dazu
       bringen, Kinder zu bekommen; mit mäßigem Erfolg.
       
       Doch das Elterngeld ist aktuell nicht nur ungerecht, es ist auch nicht
       feministisch. Nur jeder zweite Vater nimmt überhaupt Elternzeit, oft sind
       es nur zwei Monate. Eine Reform könnte das ändern: Nur dann, wenn beide
       Elternteile gleich viel Elternzeit nähmen, würde noch die volle Summe
       ausgezahlt werden. Wer das nicht will, müsste auf ein paar Monate
       Elterngeld verzichten.
       
       Jede Familie kann tun und lassen, was sie möchte, aber nicht jedes
       Familienmodell muss vom Staat subventioniert werden. Die Bundesregierung
       will mehr Frauen aus der Teilzeit holen. Oft beginnt die ungleiche
       Aufteilung der Care-Arbeit aber nach der Geburt des Kindes. Wenn es die
       Regierung ernst meint, muss sie aufhören, Hausfrauenehen schon beim
       Elterngeld zu fördern. Bei einem feministischen Sparplan bliebe zudem genug
       Geld übrig, um das Elterngeld für Menschen mit niedrigem Einkommen sogar zu
       erhöhen.
       
       Eine Reform des Elterngelds wird nicht einfach. Und die Empörung, die
       einsetzt, bevor ein Vorschlag auf dem Tisch liegt, zeigt: Die, die etwas zu
       verlieren haben, sind laut. Im Streit über „Demokratie leben!“ hat Karin
       Prien gezeigt, dass sie Konflikte nicht scheut. Für eine mutige Reform, die
       mehr ist als die Exekution des Sparzwangs, muss sie sich nun mit
       Gutverdienenden und Konservativen anlegen.
       
       17 May 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.spiegel.de/politik/deutschland/elterngeld-warum-die-geplante-kuerzung-eine-frechheit-ist-a-94055c74-e15b-436e-bbf8-a74c637f4405
 (DIR) [2] https://www.fr.de/wirtschaft/prien-ueberall-den-rotstift-ansetzen-koennte-kahlschlag-beim-elterngeld-droht-wo-zr-94298429.html
 (DIR) [3] https://www.zeit.de/arbeit/2026-05/familienpolitik-elterngeld-kuerzungen-gleichstellung-paare-gxe
 (DIR) [4] https://www.campact.de/blog/2026/05/elterngeld-soziale-gerechtigkeit-generalstreik-jetzt/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Kersten Augustin
       
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