# taz.de -- Berliner Linken-Abgeordnete Emde: Auf Crashkurs
> Das Berliner Linksbündnis könnte an der Abgeordneten Vanessa Emde
> scheitern. Die SPD dringt auf ihren Ausschluss aus der Fraktion.
(IMG) Bild: Vanessa Emde auf Crashkurs mit der eigenen Fraktion
Das Berliner Abgeordnetenhaus hat 153 Mitglieder, es ist das größte
Landesparlament in Ostdeutschland. 91 davon sind den Parteien zuzuordnen,
die seit Montag über eine rot-grün-rote Koalition unter Führung der
Linkspartei verhandeln. Und doch kann es an einer einzigen Abgeordneten
hängen, dass eben dieses Bündnis nicht zustande kommt.
Dabei geht es nicht etwa darum, dass die Mehrheit eines solchen
Linksbündnisses an genau dieser einen Stimme hängen würde. Rot-Grün-Rot
hätte eine komfortable 15-Stimmen-Mehrheit. Ganz anders als in Hessen 2008,
wo eine solche Koalition nur eine knappe Mehrheit gehabt hätte und
letztlich an ein paar widerstrebenden SPD-Abgeordneten scheiterte.
Nein, in Berlin kann [1][die 45-jährige Linkspartei-Abgeordnete Vanessa
Emde] ein Linksbündnis einfach dadurch verhindern, dass sie Mitglied der
Linksfraktion bleibt. Denn Emde symbolisiert für Kritiker genau jenen
Antisemitismus und Israelhass in den Reihen ihres Landesverbands, der schon
vor der Parlamentswahl am 20. September für viele Debatten über dessen
Regierungs- und Bündnisfähigkeit sorgte.
Bis zu den jetzigen Koalitionsgesprächen kam die Linkspartei, die bei der
Wahl so gut abschnitt wie noch nie in Berlin und mit 25,7 Prozent der
Stimmen stärkste Kraft wurde, nur durch eine schriftlich fixierte
Distanzierung von Antisemitismus (und Organisierter Kriminalität, eine
weitere offene Flanke). Grüne und SPD als mögliche Partner hatten darauf
gedrängt und wollten sonst noch nicht mal in Sondierungsgespräche
einsteigen.
## SPD drängt auf Ausschluss
Die Abgeordnete Emde aber bestreitet weiterhin das Existenzrecht Israels.
Weil sie das nicht nur denkt, sondern auch nach Unterzeichnung des
erwähnten Papiers [2][weiter öffentlich macht], drängt vor allem die SPD
darauf, sie aus der Fraktion auszuschließen. „Dann werden wir keine
Koalition haben“, legte sich Berlins SPD-Chef [3][vorige Woche in der
Talksendung „Markus Lanz]“ für den Fall fest, dass Emde Teil der
Linksfraktion bleibt.
Die Abgeordnete auszuschließen, ist allerdings nicht ganz einfach – eine
einfache Mehrheit genügt dafür nicht, es braucht in der Fraktion schon eine
Zweidrittelmehrheit unter den 44 Mitgliedern.
Die Fraktionsführung um Elif Eralp, die Berlins erste Regierungschefin mit
Migrationshintergrund und Linken-Parteibuch werden könnte, beeilt sich bis
jetzt allerdings nicht, dafür einen Antrag auf den Weg zu bringen. Das galt
bislang als Zeichen dafür, dass sie sich einer ausreichenden Mehrheit nicht
sicher war. Zu Wochenbeginn hieß es nun, dass sich zuerst die Partei und
nicht die Fraktion damit befassen solle.
SPD-Chef Krach hat bei „Markus Lanz“ zwar keine Frist gesetzt, bis wann
Emde raus sein muss. Doch gilt er ohnehin nicht als großer Fan eines
Linksbündnisses. Er steht zudem unter großem Druck aus der eigenen
Bundespartei und früherer Berliner SPD-Größen, nicht mit der Linkspartei zu
koalieren.
## CDU streckt Hand aus
Nun hat auch noch die CDU ganz offiziell die Hand ausgestreckt und zu
parallelen Gesprächen eingeladen – mit den Grünen zusammen gäbe es auch
dafür eine Mehrheit im Parlament, wenn auch nur eine knappe.
Dieses Angebot haben Grüne und SPD zwar [4][mit Verweis auf die gerade erst
begonnenen Koalitionsgespräche abgelehnt]. Doch kommt die Linksfraktion mit
ihrem Ausschlussverfahren nicht bald in die Gänge oder verlässt Emde nicht
von selbst die Fraktion, wird ihr Verbleib dort der entscheidende Hebel für
die Gegner eines rot-grün-roten Bündnisses, dieses noch zu stoppen.
Emde [5][provoziert derweil weiter]: Sie kam Dienstag in Begleitung einer
Parteifreundin in die Fraktionssitzung, die als noch extremer gilt.
6 Nov 2026
## LINKS
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## AUTOREN
(DIR) Stefan Alberti
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