# taz.de -- Ansage der Berliner Linkspartei: Mit Emde soll Ende sein
> Die Linkspartei in Berlin beschließt, die umstrittene Abgeordnete Emde
> zum Verzicht ihres Mandats aufzufordern. Zusätzlich droht ihr der
> Fraktionsausschluss.
(IMG) Bild: Geht Vanessa Emde nun aus freien Stücken?
High Noon war es nicht, als die beiden Landesvorsitzenden der Berliner
Linkspartei den Beschluss bekannt gaben, aber die Verkündung kam noch
rechtzeitig für die „Tagesschau“ zur Prime Time. „Wir vertrauen ihr nicht
mehr“, erklärten Kerstin Wolter und Maximilian Schirmer am Freitagabend
nach einer Sitzung des Landesvorstands der Hauptstadt-Linken.
Die, der die Spitze der Landespartei nicht mehr vertraut, ist die
umstrittene Abgeordnete Vanessa Emde. Mehrfach hatte sie das Existenzrecht
Israels geleugnet, hat sich mit Ibrahim Ibrahim fotografieren lassen, einem
Sympathisanten des Hamas-Terrors. Emde soll, das hat der Vorstand nun
beschlossen, ihr Mandat als Abgeordnete der Linksfraktion im Berliner
Abgeordnetenhaus abgeben.
„Sie hat sich wiederholt und bewusst über unsere gemeinsamen Beschlüsse
hinweggesetzt“, sagten Wolter und Schirmer am Freitag zur Begründung. Ein
Mandat sei keine Ich-AG. „Mandate werden kollektiv errungen: durch die
Arbeit und die Stimmen von Kandidierenden, Mitgliedern und der gesamten
Partei. Daraus erwächst Verantwortung für das eigene Handeln.“ Am Ende
stand die unmissverständliche Ansage der beiden Landeschefs: „Es reicht,
genug ist genug.“
Der Druck auf die Linkspartei, endlich das Ende vom Emde einzuleiten, war
in den vergangenen Tagen noch einmal größer geworden. [1][In der taz hatte
die Linken-Bundestagsabgeordnete Katalin Gennburg bereits am Mittwoch Emde
zum Rücktritt aufgefordert]. „Für mich ist ein Punkt erreicht, an dem ich
denke, jetzt reicht’s“, hatte Gennburg gesagt.
Emde, die in Neukölln ein Direktmandat geholt hatte, hatte zuvor nicht nur
ihre Aussage wiederholt, Staaten hätten kein Existenzrecht. Während des
Parteitags am vergangenen Samstag, auf dem die Linke beschloss,
Koalitionsverhandlungen mit Grünen und SPD aufzunehmen, hatte sie vor dem
Tagungsort auch gegen die eigene Partei demonstriert. „Gewählt für
Palästina. Verraten für den Senat“, lautete das Motto der Kritiker eines
rot-grün-roten Bündnisses aus den Reihen von palästinasolidarischen
Gruppen.
## Eine kleine Tür bleibt offen
Zuletzt hatte sich auch noch Parteiikone Gregor Gysi zu Wort gemeldet. „Ich
hoffe, dass wir sie ausschließen“, hatte Gysi im Podcast von Paul
Ronzheimer gesagt. Emdes Äußerungen nannte er „antisemitisch und vor allen
Dingen indiskutabel für meine Partei“.
Ob Vanessa Emde ihr Mandat tatsächlich zurückgibt, ist offen. Tut sie es
nicht, könnte sie aus der Linken-Fraktion im Abgeordnetenhaus
ausgeschlossen werden. Diese tagt am Dienstag. Sollte der Fraktionsvorstand
beantragen, Emde aus der 44-köpfigen Fraktion rauszuwerfen, könnte am
Dienstag darauf darüber abgestimmt werden. Nötig für einen Ausschluss ist
eine Zweidrittelmehrheit.
Dass diese zusammenkommt, gilt inzwischen als immer wahrscheinlicher. Wie
aus Kreisen der Fraktion zu hören ist, hätten einige der Abgeordneten, die
neu in der Fraktion sind, sich zunächst ein eigenes Bild machen wollen.
Emdes Auftritte, nicht zuletzt ihr Auftritt während des Parteitags, hätten
aber viele Abgeordnete davon überzeugt, dass es keine Vertrauensgrundlage
für eine Zusammenarbeit mehr gebe.
Mit der Aufforderung, ihr Mandat niederzulegen, und einem möglichen Antrag
auf Ausschluss aus der Fraktion kommt die Linke auch einer Forderung der
Berliner SPD entgegen. Deren Fraktions- und Landeschef Steffen Krach hatte
erklärt, dass es mit Vanessa Emde als Teil der Linksfraktion kein
Linksbündnis geben werde.
Allerdings haben die beiden Linken-Vorsitzenden Emde noch eine kleine Tür
offengelassen. „Vanessa Emde hat eine Woche Zeit, zu uns zurückzukehren“,
fügten Wolter und Schirmer hinzu. „Dazu soll sie ihren Instagram-Beitrag
löschen, sich für ihren Auftritt am Rande des Parteitags entschuldigen und
eine konstruktive Zusammenarbeit auf Grundlage unserer Beschlüsse zusagen.“
Ob Emde durch die Tür geht? Unwahrscheinlich.
6 Nov 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Linke-fordert-Ruecktrit-von-Vanessa-Emde/!6227454
## AUTOREN
(DIR) Uwe Rada
## TAGS
(DIR) Schwerpunkt Rot-Grün-Rot in Berlin
(DIR) Die Linke in Berlin
(DIR) Abgeordnetenhaus
(DIR) Antisemitismus
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Berliner Linken-Abgeordnete Emde: Auf Crashkurs
Das Berliner Linksbündnis könnte an der Abgeordneten Vanessa Emde
scheitern. Die SPD dringt auf ihren Ausschluss aus der Fraktion.
(DIR) Diskussion um Vanessa Emde: Neukölln nimmt es gelassen
Der Streit um die Linken-Abgeordnete beschäftigt die Menschen in Neukölln
kaum. Viele wollen einen Politikwechsel, zeigt ein Gang durch den Berliner
Wahlkreis.
(DIR) Parteitag der Linken in Berlin: Elif Eralp strahlt vor Freude
Eine überwältigende Mehrheit stimmt auf dem Parteitag für die Aufnahme von
Koalitionsverhandlungen mit Grünen und SPD. Emde demonstriert vor der
Halle.