# taz.de -- Rot-grün-rote Sondierungen in Berlin: Störfeuer von der Seitenlinie
       
       > Grünen-Chef Banaszak mischt sich lautstark in die Berliner
       > Sondierungsgespräche ein. Der Ausschluss einer Linken-Abgeordneten sei
       > fest vereinbart gewesen.
       
 (IMG) Bild: „Die Linke hat die zugesagten Verabredungen nicht eingehalten“: Grünen-Chef Felix Banaszak
       
       Gebrochene Versprechen, fehlende Verlässlichkeit, mangelndes Vertrauen: Mit
       ungewöhnlicher Schärfe mischen sich die Bundes-Grünen in die
       Sondierungsgespräche für eine rot-grün-rote Berliner Landesregierung ein.
       „Die Linke hat die zugesagten Verabredungen nicht eingehalten“, sagte
       Grünen-Bundeschef Felix Banaszak am Mittwoch der Frankfurter Rundschau.
       Ähnlich äußerte sich zuvor Co-Chefin Franziska Brantner.
       
       Am Dienstagabend hatten SPD und Grüne in der Hauptstadt [1][den
       Sondierungstisch mit der Linken vorerst verlassen]. Zur Begründung hieß es,
       die Linke habe ihre Abgeordneten ein eigenes Papier zum Nahostkonflikt
       unterzeichnen lassen, das kaum Bezug nehme auf eine in der Woche zuvor
       geschlossene [2][Vereinbarung der drei Parteien zum gemeinsamen Kampf gegen
       Antisemitismus].
       
       Banaszak hatte schon zuvor im ZDF-„Morgenmagazin“ nicht nur den „großen
       Aufruhr zu Selbstverständlichkeiten“ moniert, den die „Berliner
       Vereinbarung“ in Teilen der Linken ausgelöst habe, die mit offenen Briefen
       dagegen protestieren. Auch berief sich der Grünen-Vorsitzende auf
       angebliche Absprachen, wonach [3][die dezidiert israelfeindliche
       Abgeordnete Vanessa Emde] nicht Teil der Linksfraktion werden soll.
       
       „Ich saß da nicht selbst am Verhandlungstisch, aber es ist meine
       Information“, sagte Banaszak. Jedenfalls sei der Ausschluss Emdes „die
       Grundlage“ dafür gewesen, dass die Grünen dem Dreierpapier aus der Vorwoche
       ihren „Segen“ gegeben haben. Auch Emde unterschrieb am Dienstag die
       Erklärung ihrer Fraktion, die sich – anders als bisweilen dargestellt – zum
       Existenzrecht des Staates Israel bekennt und gegen Gewalt und Terror
       positioniert. Sie ist somit Teil der Fraktion.
       
       ## Bundes-Grüne wollen nicht weiter eskalieren
       
       Aus der Bundesspitze der Grünen heißt es auf taz-Nachfrage, man habe sich
       bei der Forderung nach einem Ausschluss von Emde eng mit den Landes-Grünen
       abgestimmt. Wobei auch andere Mitglieder der Berliner Linksfraktion wie die
       kaum weniger umstrittene Abgeordnete Martha Kleedörfer für fragwürdig
       gehalten werden.
       
       Man wolle jetzt von Bundesseite aber nicht weiter eskalieren. Der Ball
       liege beim Berliner Landesverband. Tatsächlich zeigen sich die traditionell
       links tickenden Landes-Grünen [4][nach ihrem kurzen Zwischenstopp auch
       schon wieder gesprächsbereit].
       
       Bei der Berliner SPD gibt man sich in der Hinsicht weiter bockig. Das
       Gleiche gilt für hochrangige Bundesgenoss:innen, die zusätzlich darauf
       verweisen, dass die Hauptstadt-Linke in ihrem Papier von Dienstagabend kein
       Wort zum Kontaktverbot zur organisierten Kriminalität verliert. Auch hierzu
       gibt es eine separate Vorabvereinbarung der rot-grün-roten
       Verhandler:innen.
       
       Seine „Bauchschmerzen“ hätten sich bestätigt, sagte am Mittwoch Dirk Wiese,
       der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, mit Blick
       auf einen fehlenden „klaren Schlussstrich“ der Linken zur Clankriminalität.
       „Ich fand es richtig, dass man die Sondierungen jetzt unterbrochen hat“, so
       der Vertreter des rechten SPD-Flügels.
       
       Ohne Bauchschmerzen, aber trotzdem mit Verständnis für die Nöte der eigenen
       Genoss:innen, reagierte dagegen die linke Berliner SPD-Bundesabgeordnete
       Annika Klose. „Es ist nachvollziehbar, dass sich die Verhandler jetzt
       sammeln, um das Papier zu bewerten“, sagte Klose zur taz. Die Tür sei damit
       ja nicht zu. „Ich hoffe, dass die Gespräche fortgeführt werden.“
       
       14 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Nach-Sitzung-der-Berliner-Linksfraktion/!6221370
 (DIR) [2] /Gespraeche-ueber-ein-Linksbuendnis/!6220308
 (DIR) [3] /Treffen-im-Abgeordnetenhaus/!6221160
 (DIR) [4] /Sondierungsgespraeche-in-Berlin/!6221551
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Rainer Rutz
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Rot-Grün-Rot in Berlin
 (DIR) Bündnis 90/Die Grünen
 (DIR) Die Linke
 (DIR) SPD
 (DIR) Felix Banaszak
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Social-Auswahl
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Monika Herrmann zu Berlin-Sondierungen: „Jede rot-grün-rote Koalition verfestigt die Demokratie“
       
       Die grüne Ex-Bürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg fordert endlich
       inhaltliche Gespräche. Linke, Grüne und SPD sollen Druck von außen trotzen.
       
 (DIR) Sondierungsgespräche: Berliner Grüne wollen doch wieder reden, die SPD zögert
       
       Nach dem Stopp der Sondierungen sind sich Grüne, SPD und Linke in Berlin
       uneins, wer welche Abmachung gebrochen haben soll. Die Grünen geben sich
       wieder gesprächsbereit.
       
 (DIR) Nach Wahl in Berlin: Linke sondiert mit sich alleine
       
       Am Dienstag kommt die Linksfraktion in Berlin zu ihrer konstituierenden
       Sitzung zusammen. Unklar ist, ob alle gewählten Abgeordneten der neuen
       Fraktion angehören werden.
       
 (DIR) Rot-Grün-Rot fürs Rote Rathaus?: Es bleibt schwierig
       
       In Berlin haben sich Linke, SPD und Grüne zum Thema Antisemitismus
       geeinigt. Doch auf dem Weg zu einer Regierungskoalition gibt es noch ganz
       andere Hürden.