# taz.de -- Pateitag nach der Wahl: Linkspartei macht den Weg für Sondierungen frei
> Nach der Wahl kommt es in der kommenden Woche zu Gesprächen zwischen
> Linkspartei, Grünen und SPD. Kritik an der Sondierungsgruppe zogen die
> Genossen zurück.
(IMG) Bild: Rockt nicht nur die Wahl, sondern auch den Linken-Parteitag: Elif Eralp
Am Ende fiel das Votum deutlicher aus als erwartet. Mit überwältigender
Mehrheit stimmten die Delegierten auf einem Sonderparteitag der Berliner
Linkspartei am Freitagabend für die Aufnahme von Gesprächen mit Grünen und
SPD. Damit können die Sondierungen in der kommenden Woche beginnen.
Mit einer selbstbewussten Rede hatte die Linken-Spitzenkandidatin Elif
Eralp vor den 167 Delegierten für die Gespräche geworben. „Jetzt geht es
darum, die Hoffnung umzuwandeln in einen Politikwechsel für die Stadt“,
sagte sie über den Wahlsieg ihrer Partei bei den Wahlen zum Berliner
Abgeordnetenhaus. „Es geht darum, aus dem Roten Rathaus heraus ein neues
Kapitel für diese Stadt aufzuschlagen.“
Die [1][Kritik um den Auftritt von Clan-Größe Issa Remmo] sowie die
[2][Antisemitismusvorwürfe gegen Teile der Linkspartei] hatten vor Eralps
Rede die beiden Linken-Landesvorsitzenden Kerstin Wolter und Maximilian
Schirmer aufgegriffen. „Wir müssen sagen, es wurden Grenzen überschritten“,
sagte Schirmer. „Es gibt in dieser Stadt auch Menschen, die Angst haben vor
Organisierter Kriminalität. Wir nehmen das sehr ernst, weil wir die
Menschen in dieser Stadt ernst nehmen.“
Kerstin Wolter betonte, dass in ihrer Partei Fehler gemacht wurden. „Es
wurden Sätze gesprochen, die Jüdinnen und Juden Angst machen. Wenn das
passiert, geschieht das nicht in unserem Namen.“ Gleichzeitig sprach Wolter
von einem „klaren Regierungsauftrag“. „Lasst uns jetzt mit Grünen und SPD
das Gespräch suchen“, forderte sie die Delegierten auf. „Mit Demut vor
dieser riesigen Aufgabe und mit geradem Rücken.“
Vor dem Auftritt Eralps und der Landesvorsitzenden kam es zu einem
Zwischenfall. Beim Grußwort der Initiative „Schulstreik gegen Wehrpflicht“,
sagte eine Rednerin zur Festnahme eines Aktivisten, wenn es in Berlin ein
Problem mit bewaffneten Clans gebe, „dann sind das die Leute, die mit
Knüppeln auf uns einschlagen“. Linken-Landesgeschäftsführer Björn
Thielebein musste daraufhin eingreifen: „Das ist nicht unsere Sprache und
unsere Sicht zu Clans und Polizei“, sagte er.
## Debatte vor allem ein Wahlkampfrückblick
Die Frage der Aufnahme von Sondierungen spielte in der Debatte, die
daraufhin begann, nur eine untergeordnete Rolle. Die Mehrheit der
Rednerinnen und Redner erinnerten an den Wahlkampf, der das beste Ergebnis
der Linken in Berlin gebracht hatte. Am vergangenen Sonntag hatte sie die
Wahl mit fast 26 Prozent deutlich vor der CDU gewonnen.
Pascal Meiser, der bei der vergangenen Bundestagswahl das erste
Direktmandat in Friedrichshain-Kreuzberg gewonnen hatte, betonte noch
einmal, dass die Linke nun alle Direktmandate im Bezirk gewonnen hat. Als
Grund für den Erfolg nannte er: „Mieten, Mieten, Mieten.“ Und weiter: „Wir
müssen die Bekämpfung der Mietenmafia mit Elif im Roten Rathaus zur
Chefinnensache machen.“
Vor dem Parteitag hatte es noch den Anschein gehabt, dass Weg zu
Sondierungsgesprächen mit Grünen und SPD kein einfacher sein würde. Eine
Gruppe von Regierungsskeptikern hatte die Auswahl der Sondierungskommission
kritisiert, auf die sich der Landesvorstand bereits am Montag geeinigt
hatte. In einem Antrag auf den Landesparteitag hieß es zunächst, im
Sondierungsteam müsse die „Breite der Partei“ abgebildet sein.
Unterzeichnet hatte auch der Neuköllner Abgeordnete Rouzbeh Taheri, der
sich vor [3][allem um die Umsetzung des Volksentscheids Deutsche Wohnen und
Co. enteignen] sorgt.
Im Antrag selbst heißt es: „Der Landesvorstand wird aufgefordert, bei der
Zusammensetzung des Sondierungsteams sicherzustellen, dass auch diejenigen
Teile der Partei mit am Tisch sitzen, die einer Regierungsbeteiligung
kritisch gegenüberstehen.“ Das vom Landesvorstand nominierte Team besteht
aus der Spitzenkandidatin Elif Eralp, den beiden Landesvorsitzenden Kerstin
Wolter und Maximilian Schirmer sowie dem Fraktionsvorsitzenden Tobias
Schulze.
## Antrag wird zurückgezogen
Doch der Antrag, dessen Annahme auch ein Zeichen des Misstrauens der
Delegierten gegenüber der eigenen Parteiführung gewesen wäre, wurde noch
vor der Abstimmung zurückgezogen. Seit dem Freitagabend ist die Linke also
auf Regierungskurs. Bereits am Mittwoch haben erste inoffizielle Gespräche
mit den Grünen stattgefunden. Das hatten vor dem Parteitag die beiden
linken Landesvorsitzenden erklärt. Dabei sei vereinbart worden, als erstes
über Sicherheit und den Schutz jüdischen Lebens und auch den Kampf gegen
Antisemitismus und Rassismus zu sprechen.
Der grüne Spitzenkandidat Werner Graf erklärte dazu im RBB: „Es gab heute
ein erstes informelles Treffen in kleinem Kreis und guter Atmosphäre.“
Zuvor hatte bereits der ehemalige grüne Finanzsenator Daniel Wesener auf X
erklärt, es gebe „keine andere tragfähige demokratische Mehrheit im
Landesparlament“. Die Sondierungen beginnen voraussichtlich am kommenden
Mittwoch. Bereits am Montag soll es weitere informelle Gespräche geben,
diesmal auch mit der SPD.
Beendet wurde der Landesparteitag um 19.50 Uhr mit dem Absingen der
Internationalen. Im Anschluss sprach Eralp vor den zahlreich erschienenen
Medienvertretern von einem „großartigen“ Parteitag. „Das war ein klares
Signal, mit dem wir jetzt in die Sondierungen gehen“, sagte sie.
25 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Uwe Rada
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