# taz.de -- Proteste gegen Wehrpflicht: Kein Bock auf Wehrpflicht – und auf das BSW?
> Am Freitag findet in Berlin der bisher wohl größte Protest gegen
> Wehrpflicht und Aufrüstung statt. Streit gibt es derweil um die
> Friedensdemo am Samstag.
(IMG) Bild: Gegen Wehrpflicht und das BSW
Es dürfte der bislang größte Protest gegen Wehrpflicht und Aufrüstung
werden: Bis zu 30.000 Menschen werden laut Berliner Polizei am Freitag zu
einer Kundgebung am Brandenburger Tor erwartet. Das Motto: [1][„Unzwingbar
– Kein Bock auf Krieg und Wehrpflicht“]. Kein Wunder, dass der Zulauf groß
ist: Mit angekündigten Konzerten von K.I.Z., Disarstar und Apsilon werben
die Veranstalter:innen mit gleich mehreren Ikonen des linken
Deutschraps.
Eine zentrale Rolle spielen die Schulstreiks gegen die Wehrpflicht. Bereits
am vergangenen Wochenende brachten sie nach eigenen Angaben bundesweit
[2][45.000 Menschen auf die Straße, um gegen eine mögliche Wiedereinführung
der Wehrpflicht] zu protestieren. „Daran wollen wir jetzt anknüpfen“, sagte
Bela Breitner, Pressesprecher der Initiative Schulstreik gegen Wehrpflicht.
Ziel sei es, eine „breite gesellschaftliche Bewegung“ aufzubauen. Man freue
sich über jede:n, der komme – „auch wenn es erst mal nur wegen der Konzerte
ist“.
Besonders richtet sich die Kundgebung dagegen, dass die Bundeswehr bereits
inzwischen erste verpflichtende Musterungen durchführt, auch bei jungen
Männern, die keinen Wehrdienst leisten wollen. Zudem kritisieren die
Veranstalter die Sozialkürzungen, die durch die massive Aufrüstung drohen.
Neben den Schüler:innen rufen auch die Deutsche Friedensgesellschaft –
Vereinigte Kriegsdienstverweiger:innen (DFG-VK) und Medico
International zur Teilnahme auf. Redebeiträge werden unter anderem von Sea
Watch und israelischen Kriegsdienstverweiger:innen erwartet.
## Demo mit dem BSW sorgt für Streit in der Linken
Obwohl das von den Organisator:innen niemand zugeben will – die
Kundgebung ist auch ein inhaltliches Gegenangebot zu der [3][inzwischen
fast schon traditionellen Mobilisierung für den Tag der Deutschen Einheit
am Samstag]. Seit 2024 rufen friedenspolitische Gruppen an dem Tag auf die
Straße. Von Anfang an trugen die Proteste eine deutliche Handschrift des
Bündnisses Sahra Wagenknecht (BSW). Für dieses Jahr sind Demos in Stuttgart
und Berlin angekündigt.
Im Aufruf der Organisatoren werden die Aufrüstung, Sozialkürzungen sowie
US-amerikanische und israelische Kriegsverbrechen scharf kritisiert. Doch
erneut fehlt eine klare Benennung der imperialen Ambitionen Russlands.
Stattdessen wird die Verantwortung für den Krieg in der Ukraine allein der
EU und der Nato zugeschrieben. An Brisanz dazugewonnen hat die Beteiligung
des BSW zudem dadurch, dass die Partei in Sachsen-Anhalt aktuell dabei ist,
der rechtsextremistischen und nationalistischen AfD an die Macht zu
verhelfen.
„Es ist für mich völlig unverständlich, wie man in diesen Zeiten gemeinsame
Sache mit dem BSW machen kann“, sagte etwa die Thüringer
Landtagsabgeordnete Katharina König-Preuss zur taz – auch mit Blick auf
ihre eigene Partei, die [4][den Protest am Samstag per Beschluss des
Parteivorstandes unterstützt]. Das BSW signalisiere klar, der AfD den Weg
zur Macht zu ebnen. „Das bedeutet in Sachsen-Anhalt Krieg gegen
Geflüchtete, Arbeitnehmende, Menschen mit Behinderung“, so König-Preuss.
„Mit denen kann man doch nicht einfach demonstrieren, nur weil die auch
sagen, sie sind für Frieden.“
Ein Sprecher der Linken verwies auf den Parteivorstandsbeschluss, der sich
zwar nicht explizit gegen das BSW richtet, aber betont: Wer für Frieden
eintritt, dürfe sich „nicht zum Steigbügelhalter der AfD machen“. Die
Redner:innen der Linken auf der Demo würden klarstellen, dass
„Antimilitarismus und Antifaschismus zwei Seiten derselben Haltung“ seien.
## DFG-VK nicht dabei
Sören Pellmann, Abgeordneter der Linken und Redner auf der Berliner Demo,
erklärte schriftlich, man müsse nicht „jeder politischen Position der
Beteiligten zustimmen“, um teilzunehmen. Die Demonstration werde von einem
„überparteilichen Bündnis“ organisiert, und die Linke sei „traditioneller
Teilnehmer“. Die Europaabgeordnete Özlem Demirel, die in Stuttgart sprechen
soll, schrieb der taz, man dürfe das Thema Frieden „nicht irgendwelchen
Demagogen überlassen“. Das BSW sei „ein totes Pferd“, dessen Teilnahme sie
nicht beeindrucke.
Nicht dabei ist derweil die DFG-VK. [5][In einer Stellungnahme] kritisierte
der Verein die fehlende Benennung Russlands als Aggressor und – indirekt –
auch die Beteiligung des BSW. Dennoch wisse man, dass am Samstag „viele
Menschen mitlaufen, denen es um wichtige und richtige Anliegen geht“, sagte
DFG-VK-Sprecher Kiesel. Die Anti-Wehrpflicht-Kundgebung habe man bewusst
auf den Freitag gelegt, „um keine Konkurrenzveranstaltung zu schaffen“.
Doch Kiesel fügte hinzu: „Nebenbei ist es für uns auch ein absolutes No-go,
mit Faschist:innen zu paktieren und ihnen eine Machtmöglichkeit zu
geben, wie es das mitaufrufende BSW aktuell tut“.
Die Schulstreikbewegung beteiligt sich dagegen an beiden Protesten. „Wir
dürfen uns nicht spalten lassen. Das gelingt nur, wenn wir beides zu einem
großen friedenspolitischen Wochenende zusammenlegen“, so Sprecher Bela
Breitner zur taz.
1 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.unzwingbar.de/#aufruf
(DIR) [2] /Musterung-bei-der-Bundeswehr/!6216059
(DIR) [3] /Friedensdemos-in-Berlin-und-Stuttgart/!6117287
(DIR) [4] https://www.die-linke.de/partei/parteidemokratie/parteivorstand/parteivorstand-2026-2028/detail-beschluesse-pv/news/friedensdemo-in-berlin-stuttgart/
(DIR) [5] https://dfg-vk.de/3-oktober/#/
## AUTOREN
(DIR) Timm Kühn
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