# taz.de -- Rot-Grün-Rot in Berlin: SPD zieht in die nächste Briefschlacht gegen Berlin
> Zum Start der Koalitionsverhandlungen in Berlin stellen sich prominente
> SPDler gegen Rot-Grün-Rot. Auch Verteidigungsminister Pistorius lehnt ein
> Bündnis mit der Linken ab.
(IMG) Bild: Mit geballter Faust gegen Rot-Grün-Rot in Berlin: Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius
Der Widerstand innerhalb der SPD gegen eine Koalition mit der Linkspartei
in Berlin wächst. Seit Samstag kursiert ein Appell an die
Hauptstadt-Genoss:innen, aus den Verhandlungen für ein rot-grün-rotes
Regierungsbündnis auszusteigen. Mittlerweile haben sich zahlreiche
prominente Mitglieder der Bundes-SPD angeschlossen haben.
Mit Ex-Parteichef Sigmar Gabriel und den ehemaligen
Bundesminister:innen Karl Lauterbach, Ulla Schmidt, Christine
Lambrecht und Nancy Faeser stechen auf der Liste der
Unterzeichner:innen zwar zunächst vor allem Politiker:innen ins
Auge, deren große Zeit vorbei ist. Mit Verteidigungsminister Boris
Pistorius gibt es für das „Nicht um jeden Preis“ überschriebene Papier
[1][inzwischen aber auch Unterstützung aus der aktiven ersten Reihe der
SPD].
Man akzeptiere das Wahlergebnis in Berlin, heißt es in dem Brief mit Blick
auf den Umstand, dass die Linke in der Hauptstadt bei der Wahl am 20.
September stärkste Kraft geworden ist. Aber: „Als Mitglieder der SPD haben
wir ernsthafte Zweifel daran, ob der Berliner Landesverband der Partei Die
Linke regierungsfähig ist.“
Die Vorwürfe an die Berliner Linke sind mittlerweile hinlänglich bekannt.
So verweisen die Unterzeichner:innen auf „zahlreiche bekannt gewordene
Vorfälle zum Antisemitismus“ beim Koalitionspartner in spe. Hinzu kämen
„problematische Kontakte von Mandatsträgerinnen und Mandatsträgern der
Linken in das Umfeld der Clankriminalität“.
## „Ganz normale kleine Berliner Sozen“
Innerhalb von zwei Tagen unterzeichneten rund 1.200 Genoss:innen
bundesweit den Brief – Tendenz schnell steigend. „Mit dieser Resonanz haben
wir nicht gerechnet“, sagt Alexander Eichholtz zur taz. Der 53-jährige
Pfleger an der Berliner Charité hat den Brief zusammen mit anderen
SPD-Basismitgliedern initiiert.
Vor gut drei Wochen hätten sich, so Eichholtz, in einer seiner Chatgruppen
rund 30 „ganz normale kleine Berliner Sozen“ darüber ausgetauscht, ob es
nicht Zeit wäre für „einen kleinen Aufruf“ an die eigene Partei. „Und dann
lag das Ding erst mal.“ Dringend sei es dann nach der umstrittenen
Spiegel-Veröffentlichung [2][über die Ängste von Linken-Spitzenkandidatin
Elif Eralp vor islamistischen Kreisen] im Umfeld der eigenen Partei
geworden.
In dem Brief wird dann auch direkt darauf Bezug genommen. Konkret heißt es,
man könne „keine Regierende Bürgermeisterin akzeptieren, die aus ihrer
Angst vor islamistischen Strukturen handlungsleitende Schlüsse zieht“.
Eralp selbst wird in der Hinsicht eine „massive Befangenheit“ unterstellt.
Die Linken-Politikerin hat das in den vergangenen Tagen mehrfach
zurückgewiesen.
Nachdem am Sonntagabend Verteidigungsminister Pistorius im ZDF erklärt
hatte, er „plädiere nachhaltig dafür“, die Koalitionsverhandlungen mit
Linken und Grünen in der Hauptstadt abzubrechen, erwartet Mitinitiator
Alexander Eichholtz nun ein Machtwort vom SPD-Chef Lars Klingbeil: „Wenn
Pistorius uns unterstützt, dann kann Lars Klingbeil nicht weiter
schweigen.“
## Appell mit potenzieller Tragweite
Der Brief ist nicht der erste Aufruf von Sozialdemokrat:innen gegen
eine rot-grün-rote Koalition. Bereits unmittelbar nach der Wahl des
Landesparlaments [3][warnten Berliner Ex-SPD-Größen in einem Papier]
lautstark vor der Linken. In die gleiche Richtung ging ein vor zwei Wochen
veröffentlichter Brief von einer Gruppe von 20 SPD-Bundestagsabgeordneten,
darunter auch hier schon Ex-Innenministerin Faeser. Es folgte postwendend
eine Replik der vier Berliner SPD-Abgeordneten im Bundestag, die sich die
Einmischung von außen explizit verbaten.
Nun also der nächste Appell, der aber anders als die Vorgängerbriefe eine
besondere Tragweite hat. Nicht nur, weil er von der Basis initiiert wurde,
sondern auch, weil der Berliner SPD-Landesvorstand in der vergangenen Woche
beschlossen hat, [4][die rund 17.500 Parteimitglieder über einen möglichen
Koalitionsvertrag abstimmen zu lassen].
Ein durchaus gewagter Schritt: Im Unterschied zur tendenziell linken
Funktionärsebene wird der Berliner SPD-Basis nachgesagt, mehrheitlich
konservativ zu ticken. Der Ausgang ist also durchaus offen und hängt auch
davon ab, wie viel die SPD in den am Montag gestarteten
Koalitionsverhandlungen durchsetzen kann.
In seinem kleinen Ortsverein im Berliner Norden seien die meisten gegen ein
Mitte-links-Bündnis, so Alexander Eichholtz. Er sagt: „Es irritiert nicht
nur mich, dass der Wahlkampf und das Ergebnis der SPD nicht aufgearbeitet
wird. Wir bräuchten einen Gang in die Opposition.“ Ob das auch der
überwiegende Rest der Berliner SPD so sieht, werde man sehen.
2 Nov 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://nichtumjedenpreis.berlin/#brief
(DIR) [2] /Der-Spiegel-und-Elif-Eralp/!6226304
(DIR) [3] /Vor-dem-Start-von-Sondierungen/!6215886
(DIR) [4] /SPD-laesst-Mitglieder-entscheiden/!6225575
## AUTOREN
(DIR) Rainer Rutz
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