# taz.de -- Machtkampf in der Berliner SPD: Fraktionschef Saleh wirft das Handtuch
> Noch bevor die neue SPD-Fraktion zusammenkommt, tritt Fraktionschef Raed
> Saleh zurück. Zuvor hatten zwei Kreisverbände einen personellen Neustart
> gefordert.
(IMG) Bild: Ziehen sie noch an einem Strang? Steffen Krach (links) und Raed Saleh
Paukenschlag in der Berliner SPD. Am Dienstagnachmittag erklärte
Fraktionschef Raed Saleh seinen Rücktritt. „Ich werde bei den anstehenden
Wahlen für den Fraktionsvorsitz nicht erneut kandidieren“, teilte Saleh
mit, der die Fraktion seit 2011 anführte.
Zuletzt war der Druck auf den 49-Jährigen immer größer geworden. Am
Montagabend verabschiedete der [1][Kreisverband Charlottenburg-Wilmersdorf
eine Resolution], die Saleh, ohne ihn namentlich zu nennen, zum Rückzug
auffordert. Nach der Wahl sei es „notwendig, Verantwortung zu übernehmen
und einen personellen Neuanfang zu ermöglichen“.
Eine ähnliche Resolution kam vom Kreisverband in Marzahn-Hellersdorf, wo
die AfD am Sonntag stärkste Partei geworden war. „Wir sind der
Überzeugung“, heißt es da, „dass ein Wechsel an der Fraktionsspitze nach
dieser eindeutigen Wahlniederlage unvermeidbar ist.“
Auch der ehemalige Regierende Bürgermeister Michael Müller hatte Saleh
zuletzt ungewöhnlich deutlich kritisiert. Der tue so, als hätte er mit den
schlechten Wahlergebnissen nichts zu tun, [2][sagte Müller auf einer
Veranstaltung des Tagesspiegels]. Unter Salehs Fraktionsvorsitz war die SPD
von 28 Prozent 2011 auf zuletzt 12 Prozent der Wählerstimmen gesunken.
Bis zuletzt hatte Raed Saleh nach Informationen der taz die Stimmen in der
neuen Fraktion gezählt, auf deren Unterstützung er sich Hoffnung machte.
Noch am Dienstagmittag hieß es aus dem Saleh-Lager, dass er auf 12 Stimmen
der auf 22 Abgeordneten geschrumpften Fraktion rechnen könne. Offenbar fiel
die Rechnung am Nachmittag dann schon anders aus. Seine Pressemitteilung
mit dem Rücktritt ließ er um 15.11 Uhr verschicken.
## Ist Wahlverlierer Krach der starke Mann?
Ist der Machtkampf in der Berliner SPD damit zugunsten des
Landesvorsitzenden und Spitzenkandidaten Steffen Krach entschieden?
Nach dem Wahldebakel der Berliner SPD am Sonntag hatte Krach die Sitzung
des Fraktionsvorstands am Montagnachmittag unbeschadet überstanden. Die
befürchtete Personaldebatte war ausgeblieben. Nach zweieinhalb Stunden war
Krach vor die Kamera getreten und hatte davon gesprochen, die SPD wieder
aufbauen zu wollen. Der [3][Abendschau des RBB] sagte er: „Wir werden uns
personell gut aufstellen, wir werden sicherlich auch Diskussionen führen.“
Auf der Sitzung des Landesvorstands hatte es auch Stimmen gegeben, die
Krach nahegelegt hatten, selbst nach dem Fraktionsvorsitz zu greifen.
Seitdem sortierten die verschiedenen Flügel in der Partei ihre Reihen.
Bekannt geworden waren auch Überlegungen, dass Saleh den Fraktionsvorsitz
aufgeben und in den Senat wechseln könnte. Nach dem Rücktritt am Dienstag
dürfte sich das erledigt haben.
Salehs überraschender Rücktritt könnte Krach nun mehr Beinfreiheit in den
Gesprächen über eine Regierungsbildung in Berlin geben. Während Saleh noch
am Montagmorgen eine „pragmatische Politik der Mitte“ für abgewählt erklärt
hatte, meldeten sich im Landesvorstand andere Stimmen zu Wort.
„Wir haben mit diesem Wahlergebnis ganz klar eine Aussage bekommen, dass
die Breite der Bevölkerung sich nicht mehr für die SPD ausgesprochen hat“,
sagte Noch-Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey, die der nächsten Fraktion
nicht mehr angehören wird, dem RBB. „Das müssen wir sehr, sehr ernst nehmen
und daraus auch Schlüsse ziehen.“
Eine schnelle Entscheidung für ein Linksbündnis mit Linkspartei und Grünen,
für das sich Saleh indirekt ausgesprochen hatte, dürfte es nach dem
Paukenschlag von Dienstag nicht geben. Nicht ausgeschlossen ist damit auch
ein Gang in die Opposition, wie ihn immer mehr Stimmen in die Partei
befürworten. Saleh wiederum gilt als Freund stabiler Mehrheiten und als
Gegner einer Tolerierung einer Minderheitsregierung, etwa aus Linkspartei
und Grünen.
Allerdings wäre Raed Saleh nicht Raed Saleh, würde er nicht versuchen,
Steffen Krach mit sich zusammen in den Abgrund zu ziehen. „Die Partei würde
den Weg in die Bedeutungslosigkeit fortsetzen“, heißt es in seiner
Erklärung, „wenn bei einem derartigen Desaster die Verantwortlichen nicht
den Schritt in die zweite Reihe wagen.“ Denn nicht er, Saleh, habe den
Wahlkampf als Spitzenkandidat geführt. Steffen Krach darf sich da gerne
angesprochen fühlen.
Selbstkritik findet sich in der Erklärung nicht. Dabei war es Saleh, der
zusammen mit Giffey die SPD nach der Wiederholungswahl in das Bündnis mit
der CDU geführt hatte, das am Sonntag abgewählt wurde.
Ob Steffen Krach nun den Fraktionsvorsitz am Donnerstag übernehmen will,
blieb bis Redaktionsschluss offen.
22 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2026/09/berlin-spd-kreisverband-charlottenburg-wilmersdorf-forderung-saleh-spd-fraktionschef-abloesung.html
(DIR) [2] https://www.tagesspiegel.de/berlin/der-wahlabend-beim-tagesspiegel-michael-muller-rechnet-mit-der-berliner-spd-und-raed-saleh-ab-16078356.html
(DIR) [3] https://www.rbb-online.de/abendschau/videos/20260921_1930/spd.html
## AUTOREN
(DIR) Uwe Rada
## TAGS
(DIR) Schwerpunkt Wahlen in Berlin
(DIR) Steffen Krach
(DIR) Raed Saleh
(DIR) SPD Berlin
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Koalitionsbildung in Berlin: Die SPD steht vor einer Zerreißprobe
Die Berliner Grünen haben sich bereits auf ein Linksbündnis unter einer
Regierenden Bürgermeisterin Elif Eralp festgelegt. Die SPD steht dagegen
vor einem Machtkampf.
(DIR) Linke gewinnt Abgeordnetenhauswahl: Berlin wird rot
Elif Eralp führt die Linke zu einem historischen Wahlsieg in Berlin. Der
Vorsprung vor der CDU ist groß. Auch die AfD hat sie in Schach gehalten.
(DIR) Wer zieht ein ins Berliner Rote Rathaus?: Demut statt Krach
Mit der CDU oder mit der Linkspartei? Haben SPD und Grüne in Berlin noch
eine Wahl? Am Ende könnte die Mehrheit der Sitze den Ausschlag geben.