# taz.de -- Durchsuchungen bei SPD-Kandidat Krach: Eine Frage des Fingerspitzengefühls
       
       > Kurz vor der Berlin-Wahl rückt die Hannoveraner Staatsanwaltschaft den
       > SPD-Spitzenkandidaten Steffen Krach in schlechtes Licht. War die Razzia
       > wirklich so eilig?
       
 (IMG) Bild: Haben die Ermittlungen Einfluss auf die Wahlkampagne von Krach?
       
       Geht das alles mit rechten Dingen zu? Das fragen sich viele, nachdem die
       Staatsanwaltschaft Hannover mehrere Räume des SPD-Spitzenkandidaten für die
       Berliner Abgeordnetenhauswahl, [1][Steffen Krach, durchsuchen ließ] – nur
       wenige Tage vor dieser Wahl.
       
       Zum einen stellt sich die Frage, ob die Razzia überhaupt gerechtfertigt
       war, zum anderen ist fraglich, ob der Zeitpunkt kurz vor der Wahl
       angemessen ist.
       
       Zum Ermittlungsverfahren gegen Krach ist bisher wenig bekannt. Vor allem
       ist unklar, wann die Staatsanwaltschaft davon erfahren hat, dass Krach
       (nach eigenen Angaben) innerhalb eines Tages verfügte, dass die heikle
       Investoren-Spende zurücküberwiesen wird. Für eine Wohnungsdurchsuchung ist
       allerdings kein dringender Tatverdacht erforderlich. Es genügt ein
       einfacher Anfangsverdacht auf eine Straftat.
       
       Ob gegen einen Politiker kurz vor der Wahl ermittelt und
       öffentlichkeitswirksam durchsucht werden darf, ist nicht fix geregelt. Bei
       Abgeordneten muss das jeweilige Parlament die Immunität aufheben. Das soll
       angeblich politische Einflussnahme der Exekutive verhindern. Faktisch wird
       so aber vor allem die Ermittlung frühzeitig dem politischen Gegner bekannt,
       der die Information dann oft der Presse steckt.
       
       In diesem Fall war Krach im niedersächsischen Landtag ohnehin kein
       Abgeordneter, sondern beurlaubter Präsident der Region Hannover. Auch als
       Kandidat für die Abgeordnetenhauswahl genießt Krach keine Immunität. Hier
       ist es vor allem eine Frage des Fingerspitzengefühls der
       Staatsanwaltschaft, ob die Durchsuchung wirklich so kurz vor der Wahl sein
       musste, bei der Krach als Kandidat antritt. Bisher ist nicht bekannt, ob
       die Durchsuchung ohne Weiteres auch nach der Wahl hätte stattfinden können.
       Sollte an den Vorwürfen gegen Krach jedoch was dran sein, wäre es auch
       nicht schlecht, das vor der Wahl zu erfahren. Es ist gar nicht so einfach
       mit dem Fingerspitzengefühl.
       
       ## Die CDU war’s wohl nicht
       
       Gegen die Vermutung politischer Einflussnahme durch die Konkurrenz spricht,
       dass nicht die Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt, für die die
       CDU-Justizsenatorin Felor Badenberg Verantwortung trägt. Für die
       Staatsanwaltschaft Hannover ist vielmehr die niedersächsische
       Justizministerin Kathrin Wahlmann zuständig, eine SPD-Politikerin.
       
       Sie dürfte von den Ermittlungen gegen Parteifreund Krach zwar gewusst
       haben, weil heikle Fälle in aller Regel dem Ministerium vorgelegt werden.
       Aber vermutlich hat sie bewusst nicht zugunsten Krachs Einfluss genommen –
       denn das wiederum hätte ihr selbst politisch schaden können.
       
       Wenn also überhaupt jemand böse Absichten gegen Krach verfolgte, waren es
       eher die Verantwortlichen der Hannoveraner Staatsanwaltschaft. Diese
       ermittelt derzeit aber auch – ganz ausgewogen – im Umfeld des Hannoveraner
       OB-Kandidaten der CDU, Peter Karst. Karst ist beruflich
       Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Hannover. Dort fanden am
       Donnerstagvormittag Durchsuchungen statt. Ermittelt wird wohl wegen nicht
       bezahlter Sozialversicherungsbeiträge.
       
       ## Durchsuchung auch bei Kanzlerkandidat Olaf Scholz
       
       Deutlicher war der Verdacht einer Einflussnahme, als 2021 kurz vor der
       Bundestagswahl im Bundesfinanzministerium die Polizei mit einem
       Durchsuchungsbeschluss anrückte. Finanzminister Olaf Scholz war damals
       SPD-Kanzlerkandidat. Veranlasst wurde die [2][Durchsuchung durch die
       Staatsanwaltschaft] Osnabrück, deren Leiter CDU-Mitglied ist. Später wurde
       die Durchsuchung vom Landgericht Osnabrück als rechtswidrig eingestuft. Man
       hätte das Ministerium und den Minister als Zeugen eines Geldwäscheverdachts
       erst mal um Herausgabe der erforderlichen Papiere bitten können.
       
       Kurz vor der Landtagswahl in Thüringen 2024 gab es sogar ein
       Gerichtsverfahren gegen AfD-Landeschef Björn Höcke, das dieser als
       politisch motiviert bezeichnete. Ihm wurde vorgeworfen, er habe eine
       verbotene SA-Parole verwendet, Höcke sagte, er habe den Hintergrund der
       Parole [3][„Alles für Deutschland“] nicht gekannt. Verurteilt wurde er
       trotzdem, das Gericht glaubte ihm nicht. Höckes Verurteilung hat der
       Thüringer AfD aber nicht geschadet, so wie der Partei derzeit wohl nichts
       schadet.
       
       Steffen Krach hingegen wird die Wahl krachend verlieren – ob mit oder ohne
       Ermittlungsverfahren.
       
       10 Sep 2026
       
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