# taz.de -- Geplantes Vergesellschaftungs-Verbot: Friedrich Merz als Wahlhelfer für die Linke
> Der Bundeskanzler will die Vergesellschaftung von Wohnungskonzernen
> verbieten. Damit macht er nicht nur politisch, sondern auch strategisch
> einen Fehler.
(IMG) Bild: Hat Merz Verbindungen zum Immo-Clan?
Nach den [1][Wahlniederlagen der CDU] hat der Bundeskanzler einen Plan: Er
will schnell ein Gesetz auf den Weg bringen, das die Vergesellschaftung von
Wohnungskonzernen verbietet, die die Linke nach ihrem Wahlsieg in Berlin
umsetzen will. Auweia!
Die Erfahrung lehrt, wenn Friedrich Merz einen Plan hat, kann das nach
hinten losgehen. Unabhängig davon, ob man Vergesellschaftung nun richtig
findet, ob einen die Aussicht auf eine [2][rot-grün-rote Regierung träumen
oder schaudern lässt]: Ein solches Gesetz wäre demokratisch fragwürdig und
juristisch heikel. Und es wäre aus Sicht der Union auch ein strategischer
Fehler.
Es gibt eine Floskel, die einem in den Sinn kommt: „Würden Wahlen etwas
ändern, wären sie verboten.“ Der Satz ist zynisch und falsch, aber die
Politikverdrossenheit, die aus ihm spricht, würde die Bundesregierung mit
einem Verbot verstärken.
Man kann Vergesellschaftung für den falschen Hebel gegen hohe Mieten
halten. Aber es lässt sich nicht leugnen, dass die Forderung große
demokratische Legitimität hat. Die Berliner haben sich [3][in einem
Volksentscheid dafür entschieden].
Nun gibt es keinen demokratischen Anspruch darauf, dass ein unverbindlicher
Volksentscheid umgesetzt wird. Aber es ist das eine, [4][ihn zu ignorieren
wie die amtierende Landesregierung]. Gravierender ist es, die Umsetzung
verbieten zu wollen, bevor ein Gesetz beschlossen wurde.
## Ein pauschales Verbot ist kaum möglich
Noch ist unklar, wie Merz das Verbot konkret umsetzen will. Grundsätzlich
kann der Bund den Ländern reinregieren, und das ist [5][mit Blick auf
Sachsen-Anhalt auch gut so]. Juristisch dürfte ein pauschales Verbot der
Vergesellschaftung kaum möglich sein. Möglich wäre, sie durch ein
Bundesgesetz komplizierter und teurer zu machen. Das aber wäre juristisch
und politisch umstritten.
Und deshalb macht Merz auch strategisch einen Fehler. Noch kann eine
mögliche rot-grün-rote Regierung in Berlin an vielen Punkten scheitern:
[6][an linkem Antisemitismus] und dem unsouveränen Umgang damit oder an
einer Kampagne, die eine linke Regierung unbedingt verhindern will und
gerade erst Fahrt aufnimmt.
Sollte die Bundesregierung nun ein Verbot der Vergesellschaftung
beschließen, könnte das die Reihen in Berlin schließen. Den Grünen etwa
dürfte es dann noch schwerer fallen, [7][trotz linker Mehrheit in der
Stadt] einen CDU-Mann zum Regierenden zu wählen. Die Berliner SPD würde es
weiter von ihren Genossen im Bund entfremden. Eine neue, rot-grün-rote
Regierung könnte erst mal gegen das Verbot klagen, erhielte beim
Streitthema Vergesellschaftung Aufschub bis zu einer juristischen
Entscheidung und könnte bis dahin linke Mietenpolitik umsetzen.
Und Friedrich Merz? Der würde am Ende seiner politischen Karriere noch mal
zum Wahlhelfer der Linken werden.
22 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Krise-der-CDU/!6210973
(DIR) [2] /Wahlsieg-in-Berlin-Willkommen-in-der-islamo-sozialistischen-Hoellendiktatur/!6214966
(DIR) [3] /Enteignungsvolksentscheid-in-Berlin/!5803784
(DIR) [4] /Volksentscheide-in-Berlin/!6092893
(DIR) [5] /AfD-Sachsen-Anhalt-nach-Wahlergebnis/!6209766
(DIR) [6] /Linkspartei-in-Berlin/!6214961
(DIR) [7] /Abgeordnetenhauswahl-Berlin-in-Grafiken/!6190765
## AUTOREN
(DIR) Kersten Augustin
## TAGS
(DIR) Vergesellschaftung
(DIR) Enteignung
(DIR) Deutsche Wohnen & Co enteignen
(DIR) Friedrich Merz
(DIR) Direkte Demokratie
(DIR) Verbot
(DIR) Schwerpunkt Wahlen in Berlin
(DIR) Die Linke
(DIR) Reden wir darüber
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Forsa-Umfrage: Mehrheit für Rücktritt von Kanzler Merz
Mehr als die Hälfte der Befragten spricht sich für einen Rücktritt des
Kanzlers aus. Unter den Anhängern einer Partei ist der Anteil besonders
hoch.
(DIR) Deutsche Wohnen enteignen: Wohnst du schon oder suchst du noch?
In Berlin fehlen massenhaft bezahlbare Wohnungen. Deshalb ist
Vergesellschaftung großer Immobilienkonzerne ein Mittel, den Mietmarkt zu
entspannen.
(DIR) Wer wird hier enteignet?: Eigentum ernst nehmen
Mit ihrem Geld finanzieren Mietende üppige Aktionärs-Dividenden. Dabei sind
es die Bewohner*innen, die der Stadt erst ihren Wert verleihen
(DIR) Wochentaz-Podcast: Enteignung ist die halbe Miete
Mit Wohnraum schnell reich werden? Das versprechen Immo-Bros und geben
fragwürdige Tipps. Dabei sind es die Mietenden, die einer Stadt ihren Wert
geben.