# taz.de -- Krise der CDU: Gefährliches Vakuum in der bürgerlichen Mitte
> Friedrich Merz wollte den Zuspruch zur AfD halbieren, aber er hat für ein
> CDU-Desaster gesorgt. Schuld haben nicht andere, sondern er und seine
> Partei.
(IMG) Bild: Am Sonntag im Konrad-Adenauer-Haus: Die CDU hat sich die verlorenen Wahlen selbst verdient
Die [1][CDU ist erstmals in ihrer Geschichte aus einem Landesparlament
geflogen]. Das ist eine schlechte Nachricht, selbst für jene, die sich
nicht vorstellen können, diese Partei zu wählen. Denn es erschüttert nicht
nur die CDU bis ins Mark, die eine der tragenden Säulen der Demokratie ist,
es hinterlässt auch ein gefährliches Vakuum in der bürgerlichen Mitte.
Wer diese Mitte künftig besetzen will, ist kein Geheimnis: die
selbsternannte Alternative für Deutschland, eine Partei, die ein ethnisch
homogenes Deutschland anstrebt. Und es gelingt ihr recht gut. Anders als
die CDU nun erzählt, wurde sie in Mecklenburg-Vorpommern nicht von der
rücksichtslosen Manuela Schwesig aufgerieben, [2][sondern verlor dort – wie
übrigens auch in Berlin und vor zwei Wochen in Sachsen-Anhalt – die meisten
Wähler:innen an die AfD.] Wer nicht will, dass die Völkischen sich in
der Mitte breitmachen, muss auf eine stabile und selbstbewusste CDU hoffen,
selbst wenn man sie habituell und inhaltlich ablehnt.
Stark waren die Christdemokraten immer dann, wenn es ihnen gelang,
Wähler:innen in vielen verschiedenen Milieus anzusprechen. Das ist
Angela Merkel 16 Jahre lang ziemlich gut gelungen. Als es Friedrich Merz
schließlich im dritten Anlauf schaffte, Merkel zu beerben, versprach er
„CDU pur“ – und [3][dampfte die Wählerschaft der CDU ein.] Statt einer
Interessenvertretung für viele wurde die Partei zur Klientelpartei für
wenige – Immobilienkonzerne, Vermögende, Arbeitgeber. Eine Partei, die
gegen den Mietendeckel klagte, Autos über alles stellte und im Interesse
der Gaslobby Gesetze zurückdrehte. Eine Art christlich-demokratische FDP –
mit entsprechenden Wahlergebnissen.
Genau diese Schlagseite haben auch die gegenwärtigen „Reformen“ – sie
entlasten Unternehmen und muten den Menschen viel zu mit dem vagen
Versprechen, dass es ihren Kindern irgendwann wieder besser geht. Wenn es
der CDU nicht gelingt, diese Unwucht zu beseitigen, dann werden die
Reformen keine Akzeptanz finden und die Partei wird weiter schrumpfen.
Eine CDU, die ihren Anspruch als Volkspartei ernst nimmt, muss versuchen,
breiter auszugreifen und auch wieder jene zu erreichen, die Merz vor über
einem Jahr noch als linke und grüne Spinner verhöhnte. Der Kanzler selbst
hat nun das Offensichtliche eingeräumt, nämlich dass die CDU nicht mehr
überall Volkspartei sei und viele Menschen das Gefühl hätten, es ginge in
der Gesellschaft nicht gerecht zu. Konkret nannte Merz das Nebeneinander
von privater und gesetzlicher Krankenversicherung. Hat Merz also
verstanden?
Schön wäre es. Wahrscheinlich ist es nicht. Denn im gleichen Atemzug
wetterte er gegen destruktive Kräfte, die enteignen wollen, und treibt so
die Polarisierung voran. Weiß Merz, dass er damit der AfD in die Hände
spielt, der Partei also, die Gräben zum linken Lager vertiefen will? Damit
will sich die AfD selbst als bürgerlich-konservative Kraft positionieren.
Selbst wenn Merz das weiß, hat er noch die Autorität, diesen Kurs zu
ändern? Auch das ist eine offene Frage. Und sie könnte die CDU zerreißen.
21 Sep 2026
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