# taz.de -- CDU-Spitze trifft Basis: Die große Unzufriedenheit
       
       > An der CDU-Basis brodelt es. Jetzt hat die Parteiführung die
       > Kreisvorsitzenden nach Berlin eingeladen. Ihre Kritik richtet sich vor
       > allem an den Chef.
       
 (IMG) Bild: Show-Down im Adenauerhaus – aber noch steht die CDU-Flagge aufrecht im Wind
       
       Drei verlorene Landtagswahlen und der Dauerstreit mit dem Koalitionspartner
       SPD – in der CDU gibt es Redebedarf. Die Parteiführung um Friedrich Merz
       und Generalsekretärin Franziska Hoppermann hat deshalb die 324
       Kreisvorsitzenden zur Aussprache nach Berlin eingeladen – gut die Hälfte
       ist nach dpa-Informationen der Einladung gefolgt.
       
       Corinna Rotte, Vorsitzende des CDU-Kreisverbandes Paderborn, der 4.000
       Mitglieder zählt, kann wegen der für Montagabend anberaumten
       Kreistagssitzung nicht kommen – hätte aber einiges zu sagen. An der Basis
       machten sich viele Menschen Sorgen, etwa um den Arbeitsplatz, es herrsche
       aber auch viel Frust, sagt sie der taz. Ob bei Rente, Wirtschaftswachstum
       oder den versprochenen Steuerentlastungen: „Da ist bislang nicht so viel
       passiert, wie wir gehofft hatten.“ Die Menschen wünschten sich keine
       Reformen in Trippelschritten, sondern wirkliche Veränderungen.
       
       Die [1][Rentenkommission] habe ein gutes Ergebnis vorgelegt, das aber jetzt
       zerredet werde. Es komme nun darauf an, die einmal getroffenen
       Entscheidungen konsequent durchzuziehen. „Unsere Basis erwartet da Führung,
       insbesondere vom Bundeskanzler.“ Sie hoffe, dass die Kolleginnen und
       Kollegen, die nach Berlin reisen, den nötigen Raum bekommen, ihre Anliegen
       vorzutragen, sagt Rotte. „Damit der Kanzler mitbekommt, was an der Basis
       los ist.“
       
       Anke Frieling ist der Einladung gefolgt. Sie leitet den 1.000 Mitglieder
       starken Kreisverband Altona/Elbvororte. Auch hier wünscht man sich mehr
       Führung vom Kanzler. „Viele fragen sich, warum kommen die Reformen nicht
       schneller“, berichtet Frieling der taz. Als eines der drängendsten Themen
       nimmt sie die angekündigte Einkommensteuerreform wahr. Hier hatte
       SPD-Vizekanzler Lars Klingbeil einen Entwurf vorgelegt, der die Menschen um
       insgesamt 10 Milliarden Euro in zwei Jahren entlasten soll.
       
       Das entspricht zwar dem Koalitionsvertrag, geht vielen in der CDU aber
       nicht weit genug. „Unter unseren Mitgliedern herrscht große Einigkeit, dass
       da mehr drin sein muss für die arbeitende Mittelschicht und die Familien.“
       Außen- und wirtschaftspolitisch sei Merz sehr klar. „Alle erhoffen sich
       aber eine stärkere CDU-Handschrift in der Koalition.“
       
       ## Zu viele Parteiaustritte
       
       Noch angespannter sind die Nerven in den ostdeutschen Landesverbänden. In
       Mecklenburg-Vorpommern verpasste die CDU im September erstmals den
       [2][Einzug in einen Landtag]. In Sachsen-Anhalt musste sich der
       CDU-Ministerpräsident der AfD um Längen geschlagen geben.
       
       Die Alarmlampe leuchte „dunkelrot“, sagte die CDU-Kreisvorsitzende Désirée
       Schrade aus Frankfurt (Oder) vor dem Treffen der dpa. Es gebe
       Parteiaustritte in „spürbarem“ Umfang, die alle mit der Unzufriedenheit mit
       der Bundespolitik begründet würden. „Da kann man nicht den Deckmantel des
       Schweigens drüber werfen.“
       
       Das meint auch der Dresdner Kreisvorsitzende Ingo Flemming. „Die Bürger
       haben eben nicht den Eindruck, dass Berlin den Schuss gehört hat“, sagte
       er. „Und das ist das, was natürlich hier an der Basis zur Verhärtung führt,
       was natürlich auch zu einer Diskussion über den Bundeskanzler führt.“
       
       Es gibt noch ein Thema, bei dem Merz derzeit als führungsschwach dasteht:
       die Frage nach der [3][nächsten Bundespräsidentin]. CSU-Chef Markus Söder
       hatte Ilse Aigner ins Spiel gebracht. Viele in der CDU wünschen sich aber
       eine eigene Kandidatin. Doch die Mehrheit in der Partei und in der
       Bevölkerung könne gut mit einer gemeinsamen Kandidatin leben, meint Anke
       Frieling aus Altona. „Ich hätte mir gewünscht, dass diese Frage hinter den
       Kulissen geklärt wird.“
       
       Auch die Paderbornerin Rotte ist der Ansicht, dass man keine weiteren
       öffentlichen Debatten über dieses Thema brauche. „Wenn die CSU eine
       kompetente Frau wie Ilse Aigner vorschlägt, sollte es an der CDU nicht
       scheitern.“ Die Spitzengremien der Partei wollen darüber am 9. November
       entscheiden.
       
       2 Nov 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Anna Lehmann
       
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