# taz.de -- Merz zu Krankenversicherungen: Ein löblicher Sinneswandel
       
       > Überraschend hält Kanzler Merz das Zweiklassensystem bei der
       > Krankenversicherung für ungerecht. Die Privaten will er natürlich nicht
       > abschaffen.
       
 (IMG) Bild: Braucht er vielleicht noch ein paar mehr bewusstseinserweiternde Wahlergebnisse? Kanzler Merz nach den Wahlen am Wochenende
       
       Im vergangenen Jahr sagte der gerade verabschiedete
       SPD-Bundesgesundheitsminister [1][Karl Lauterbach im taz-Interview],
       irgendwann werde die Bürgerversicherung, also das Zusammenführen von
       privater und gesetzlicher Krankenversicherung, kommen. Selbst SPD und Grüne
       hätten schließlich eine ganze Weile gebraucht, um sich der Ungerechtigkeit
       bewusst zu werden. Nun, könnte man meinen, ist es auch bei der CDU und
       Kanzler Friedrich Merz so weit.
       
       Das Nebeneinander von privater und gesetzlicher Versicherung löse ein
       massives Problem im Gerechtigkeitsempfinden der Bevölkerung aus, sagte Merz
       nämlich [2][am Montag in einer Pressekonferenz] nach den für die CDU
       desaströsen Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin.
       
       Mal abgesehen davon, dass Merz gerne mal Sachen sagt, die er oder ein
       Sprecher von ihm danach wieder zurücknimmt oder abschwächt, ist diese
       Aussage doch bemerkenswert. Das wachsende Gefälle in der Behandlung von
       privat und gesetzlich Versicherten war schließlich nur noch für solche
       Menschen zu ignorieren, die selbst überwiegend privatversichert sind und
       daher nie [3][wochen- oder gar monatelang auf einen Fachärztintermin]
       warten müssen. Die CDU/CSU trug da bisher die größten Scheuklappen.
       
       Natürlich will Merz nicht die private Krankenversicherung abschaffen. Der
       Kanzler habe „nur die Terminvergabe“ gemeint, heißt es nun beschwichtigend
       aus der CSU.
       
       Diese Termine werden inzwischen [4][vor allem über Online-Plattformen
       vergeben], die Privatversicherten regelmäßig zeitnahe Termine und
       gesetzlich Versicherten oft genug gar keine Termine anbieten. Mit
       entsprechenden Folgen für den Krankheitsverlauf und das
       Gerechtigkeitsempfinden in der Gesellschaft.
       
       Wenn die CDU/CSU jetzt so weit ist, immerhin dieser Ungerechtigkeit
       ernsthaft einen Riegel vorzuschieben, wäre das schon mal ein echter
       Sinneswandel. Für die Frage einer Bürgerversicherung braucht es vielleicht
       noch ein paar mehr bewusstseinserweiternde Wahlergebnisse.
       
       22 Sep 2026
       
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