# taz.de -- Wahlen in Berlin und Meck-Pomm: Ein linker Sieg, der sich nicht so anfühlt
> Schwesigs Aufholjagd und Eralps deutlicher Sieg können nicht darüber
> hinwegtäuschen, wie viele Menschen ihre Stimme den Rechtsextremen gegeben
> haben.
(IMG) Bild: Berlin wird seinem Ruf als linkliberales Labor womöglich wieder einmal gerecht
Das erste Bild, das die Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern bieten,
ist reichlich gemischt. Die Katastrophe von Sachsen-Anhalt, wo die AfD vor
zwei Wochen auf fast 44 Prozent durchmarschierte, hat nicht den erhofften
Mobilisierungsschub für die rechtsstaatlich-demokratischen Parteien
erbracht. Der große Erfolg der Linken in der Hauptstadt kann nicht
neutralisieren, dass die AfD im Nordosten vor der SPD herausgekommen ist.
Dennoch geht eine erste Ehrenbezeugung an Manuela Schwesig: Chapeau!
[1][Binnen eines Jahres derartig viel Boden gegen die AfD gutzumachen, das
ist eine echte Leistung.] Nun hat Schwesig ihre Stimmen zwar nicht der
Rechts-außen-Truppe weggenommen, sondern im ganz und gar auf „SPD gegen
AfD“ zugespitzten Wahlkampf das nichtrechte Lager bei sich versammelt.
Doch immerhin hat hier eine Sozialdemokratin gezeigt, wie Wahlkampf gegen
rechts geht: selbstbewusst, souverän, bissig, aber auch warm und zugewandt.
Schwesig bekommt ihre reibungslose rot-rote Koalition nicht mehr, sondern
braucht für ein Dreierbündnis die Grünen.
In Berlin, wo fast doppelt so viele Wahlberechtigte leben wie in
Mecklenburg-Vorpommern, reicht es glatt für ein linksliberales Bündnis
unter Linken-Frontfrau Elif Eralp. [2][Rot-Rot-Grün mit einer migrantischen
Frau an der Spitze] – damit würde Berlin seinem Ruf als progressives Labor
gerecht.
## Berlin macht Hoffnung
Auch Eralp gebührt größter Respekt: Sie hat eine CDU an die Seite gedrängt,
die nach dem Abgang des unglückseligen Bürgermeisters Kai Wegner kaum noch
Tritt fassen konnte. SPD und Grüne in Berlin mögen sich heimlich danach
sehnen, mit der CDU zu paktieren. Doch kommen sie kaum daran vorbei, sich
auf eine Linke einzulassen, die mit der Vergesellschaftung von
Immobilienkonzernen ein wichtiges Ziel ausgesprochen hoch gehängt hat und
im Bezirk Neukölln GenossInnen in den Reihen hat, die weder gegen
Antisemitismus noch gegen Realitätsverlust gefeit sind.
Der Kanzler ist für die desaströsen CDU-Ergebnisse nun ganz genauso
haftbar, wie es die Meuterer in den CDU-Reihen zuletzt herbeigeraunt haben.
Doch wurde [3][Friedrich Merz in der Sitzung mit dem Parteipräsidium und
den CDU-Ministerpräsidenten am Wahltag offenbar so weit gestärkt, dass er
gleich nach 18 Uhr in einem bizarren Auftritt verkündete], er lasse sich in
seinem bekannten Programm – Reformen nötig, tut erst mal weh, Jugend
braucht Zukunft, werde weiterarbeiten – nicht beirren. Mag sein, dass damit
bei der Union erst einmal wieder Ruhe im Karton einkehrt.
Insofern könnte dieser letzte Wahltag des Jahres bei allen Unsicherheiten,
die vor und hinter Fünfprozenthürden noch lauern, auf ein Ergebnis
hinauslaufen, das im linken Lager schon lange herbeigesehnt wird: zwei
rot-rot-grüne Koalitionen, eine progressive Integrationsfigur an der Spitze
der Hauptstadt. Es wäre ein Sieg. Wenn es sich nur auch so anfühlen würde.
20 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Ulrike Winkelmann
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