# taz.de -- Abgeordnetenhauswahl Berlin in Grafiken: Die Mitte ist links, der Rand ist rechts
       
       > Bei der Wahl in Berlin dominiert die Linke vor allem in der Innenstadt,
       > wo zuvor die Grünen stark waren. Die AfD ist stark am Stadtrand. Alle
       > Grafiken zur Wahl.
       
 (IMG) Bild: Wer soll hier künftig sitzen? Blick in den Plenarsaal des Berliner Abgeordnetenhauses
       
       Bei der Neuwahl des Berliner Abgeordnetenhauses schien es lange Zeit auf
       ein Rennen der fünf großen Parteien hinauszulaufen. Am Ende hatte sich das
       auf zwei reduziert: Linke und CDU. Und in dieser Polarisierung gab es eine
       klare Gewinnerin: Die Linke wird die stärkste Partei in Berlin und holt ihr
       bestes Ergebnis bisher. Sie dominiert zudem auch auf Bezirksebene, vor
       allem in der Innenstadt, wo bisher die Grünen vorn lagen. Und die AfD kann
       zwar auch in Berlin zulegen, aber deutlich schwächer als in
       Mecklenburg-Vorpommern oder Sachsen-Anhalt.
       
       Die folgenden Grafiken hier zeigen die Daten des vorläufigen amtlichen
       Endergebnisses.
       
       Die Prozente
       
       Wie in den Umfragen vorhergesehen, haben es nur fünf Parteien in das neue
       Abgeordnetenhaus geschafft. Allerdings liegen sie nicht so dicht
       beieinander wie lange Zeit im Wahlkampf. Klar vorne steht am Ende die
       Linkspartei. Mit 25,7 Prozent konnte sie ihren Stimmenanteil gegenüber der
       letzten Wahl 2023 mehr als verdoppeln. Es ist das mit Abstand beste
       Ergebnis der Partei überhaupt. 1999 war sie, damals noch als PDS, mal auf
       17,7 Prozent gekommen.
       
       Die bisher regierende CDU verliert deutlich mehr als 9 Prozentpunkte und
       landet mit nur 18,8 Prozent abgeschlagen auf Platz 2. Das ist das
       zweitschlechteste Ergebnis der Union in Berlin.
       
       Noch härter trifft es die SPD, die mir 12,1 Prozent ihr mit Abstand
       schlechtestes Ergebnis in Berlin verkraften muss.
       
       Auch die Grünen konnten bei der Polarisierung zwischen Linken und CDU nicht
       mithalten. Sie verlieren 4,1 Punkte und fallen auf 14,3 Prozent. Das hat
       vor allem in den Bezirken teils dramatische Folgen für die Partei.
       
       Die AfD verbessert sich um 7,2 Punkte auf 16,3 Prozent. Das ist mit Abstand
       das bisher beste Ergebnis für die Rechtsextremen in Berlin. Aber anders als
       in anderen Bundesländern kann sie ihren Stimmenanteil nicht verdoppeln. Und
       in den Umfragen war sie noch stärker gesehen worden.
       
       Das BSW bleibt mit 4,7 Prozent unter der Fünfprozenthürde und verpasst den
       Einzug ins Abgeordnetenhaus.
       
       Die Sitze
       
       Größte Fraktion wird die Linke, die künftig 47 Abgeordnete hat – fast
       doppelt so viele wie bisher. Hier werden auch viele Neulinge ins Berliner
       Parament einziehen.
       
       Die AfD verbessert sich um 12 Sitze auf nun 29. Die anderen drei müssen
       Sitze abgeben. Die CDU darf noch 34 Abgeordnete entsenden, die Grünen 26
       und die einst die Stadt dominierende SPD stellt mit 22 Abgeordneten die
       kleinste Fraktion.
       
       Der Koalitionsrechner
       
       In dieser Grafik können Sie Ihre Lieblingskoalition angeben – und schauen,
       ob sie eine Mehrheit hätte. Man sieht schnell, dass es auf ein
       Dreierbündnis im kommenden Abgeordnetenhaus hinausläuft. Und dass es nur
       zwei realistische Möglichkeiten gibt: Rot-Grün-Rot oder Schwarz-Grün-Rot.
       
       In den anstehenden Koalitionsverhandlungen müssen sich vor allem Grüne und
       SPD entscheiden – und auch einig werden, ob sie Elif Eralp (Linke) oder
       Stefan Evers (CDU) als Regierende:n Bürgermeister:in ins Rote
       Rathaus schicken wollen.
       
       Die Wählerwanderung
       
       Die folgende Grafik zeigt die Wanderungen der Wähler:innen zwischen den
       Parteien. Sie beruht auf einer Nachwahlanalyse des Instituts infratest
       dimap. Die einzelnen Parteien lassen sich per Mausklick auswählen.
       
       Die Grafik zeigt zunächst mal das Problem der CDU. Sie hat massiv an die
       AfD verloren. Viele ihrer Wähler:innen sind aber überraschenderweise
       auch direkt zur Linkspartei abgewandert. Im Wahlkampf hatte sich die CDU
       als Partei präsentiert, die Extremisten rechts wie links verhindern will.
       Das ist bei vielen Wähler:innen offensichtlich gar nicht angekommen. Und
       es lässt vermuten, das viele bisherige CDU-Wähler:innen wegen der extrem
       gestiegenen Mieten kein Vertrauen mehr in die Partei hatten.
       
       Die Linke verdankt ihren Wahlsieg aber nur zum kleinen Teil ehemaligen
       CDU-Wähler:innen. Sie konnte im großen Stil vor allem von den Grünen und
       der SPD hinzugewinnen. Am stärksten profitierte sie aber von ehemaligen
       Nichtwähler:innen – und damit auch von der hohen Wahlbeteiligung, die
       in anderen Ländern zuletzt vor allem der AfD zugutegekommen war.
       
       Die AfD hat zwar auch viele bisherige Nichtwähler:innen für sich
       begeistern können, aber nicht so viele wie die Linke. Dafür hat sie stark
       von der CDU hinzugewonnen.
       
       Auffällig bei den Grünen ist, dass es eigentlich nur einen Wanderbalken
       gibt: von den Grünen zur Linken. Im linken Milieu der Hauptstadt hat die
       Linkspartei den Grünen eindeutig den Rang abgelaufen.
       
       Auch die SPD hat in großem Stil an die Linke verloren. Zudem aber auch noch
       nahezu gleichmäßig an alle anderen. Sie wirkt wie eine Partei in Auflösung.
       
       Die Wahlkreise
       
       In dieser Grafik sind die Sieger:innen der einzelnen Wahlkreise
       abgebildet. Und auch sie verdeutlicht den enormen Sieg der Linkspartei. Die
       ist erstmals weit in den Westen der Stadt vorgedrungen. Selbst in den
       Wahlkreisen Charlottenburg-Wilmersdorf und Spandau 3 lagen ihre
       Kandidat:innen am Ende vorn.
       
       Vor allem aber im Zentrum der Stadt, in dem zuletzt die Grünen dominiert
       hatten, liegt nun die Linke vorn. Dramatisch ist das in der alten
       Grünen-Hochburg Friedrichshain-Kreuzberg. [1][Dort gingen alle fünf
       Wahlkreise an die Linken.]
       
       Die Grünen konnten nur noch in eher etablierten Milieus wie Mitte und
       Tempelhof-Schöneberg punkten.
       
       Die AfD konnte nicht nur im Osten, sondern auch im Westen Wahlkreise
       gewinnen: Reinickendorf 5 und Spandau 2. Letzteres ist eine besondere
       Schmach für den langjährigen SPD-Fraktionschef Raed Saleh. Er landete dort
       nur noch auf Platz 3.
       
       Die SPD konnte nur in einem einzigen Wahlkreis ihren Kandidaten
       durchsetzen. In Treptow-Köpenick 3 lag Lars Düsterhöft am Ende knapp vor
       Fabian Ulrich von der Linkspartei.
       
       Die Hochburgen
       
       Diese Grafik zeigt, wo die Parteien besonders stark beziehungsweise
       besonders schwach abgeschnitten haben. Die einzelnen Parteien lassen sich
       per Mausklick auswählen.
       
       Als Erstes erkennt man das Problem der SPD. Sie ist schwach im Osten. Und
       schwach in der Innenstadt. Einigermaßen akzeptable Werte bekommt sie nur
       noch im Süden von Neukölln und ganz im Westen in Spandau. In diesen
       Gebieten am Stadtrand gibt es viele Wohnsilos mit eher wenig verdienender
       Bevölkerung.
       
       Die Hochburgen der Linkspartei liegen längst nicht mehr wie früher im
       ehemaligen Osten der Stadt. Sie ist – zumindest geografisch – sehr in die
       Mitte gewandert. In Teilen von Neukölln, aber auch im Wedding (Wahlkreis
       Mitte 6) kam sie auf über 50 Prozent der Zweitstimmen. Alle diese
       Wahlbezirke liegen im ehemaligen Westen und sind geprägt durch eine
       studentische, vor allem aber migrantische Bevölkerung.
       
       Das Problem der Grünen zeigt sich in ihren Hochburgen. Die besten Werte
       bekommt sie weiterhin in ihren klassischen Stadtteilen Friedrichshain,
       Kreuzberg und Prenzlauer Berg (Wahlkreis Pankow 8). Dort holte sie 24 bis
       27 Prozent der Zweitstimmen – aber immer hinter der Linkspartei.
       
       Die CDU wurde zum Westberliner Randphänomen degradiert. Nur am Stadtrand
       konnte sie wie gewohnt punkten. In einigen Wahlkreisen in Neukölln kommt
       sie hingegen nur noch knapp über 5 Prozent. Das hat fast schon das Niveau
       von Mecklenburg-Vorpommern.
       
       Die AfD bleibt eine Stadtrandpartei. Das aber nicht mehr nur im Osten, wo
       einst die Linke stark war, sondern auch tief im Westen, vor allem in
       Spandau. In der Stadtmitte hingegen bleibt sie schwach, in
       Friedrichshain-Kreuzberg 2 holte sie sogar nur 3,6 Prozent der
       Zweitstimmen.
       
       21 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Erdrutschsieg-der-Linkspartei/!6213900
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Gereon Asmuth
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Wahlen in Berlin
 (DIR) Kai Wegner
 (DIR) Werner Graf
 (DIR) Elif Eralp
 (DIR) Steffen Krach
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Jungwähler*innen in Berlin: Das Herz schlägt links
       
       In Berlin haben über 40 Prozent der unter 25-Jährigen die Linke gewählt.
       Darüber darf man sich trotz über 16 Prozent für die AfD auch mal freuen.
       
 (DIR) Ehemalige Grünen-Hochburg: Selbst Berlin-Kreuzberg ist jetzt pink
       
       Die Berliner Grünen haben bei der Wahl in ihrem Kernbezirk
       Friedrichshain-Kreuzberg kein einziges Direktmandat erreicht. Prominente
       Politiker*innen scheiden nun aus der Politik aus.
       
 (DIR) Berlin und Mecklenburg-Vorpommern: Fünf Lehren aus den Wahlen
       
       Es gibt ein Rezept gegen die AfD, und das größte Problem der CDU ist nicht
       der Kanzler: Fünf Lehren aus den Landtagswahlen.
       
 (DIR) Wahlen in Berlin und Meck-Pomm: Ein linker Sieg, der sich nicht so anfühlt
       
       Schwesigs Aufholjagd und Eralps deutlicher Sieg können nicht darüber
       hinwegtäuschen, wie viele Menschen ihre Stimme den Rechtsextremen gegeben
       haben.
       
 (DIR) Steglitz-Zehlendorf vor der Wahl: Abseits von Villen und Seen
       
       Antisemitismus gibt es auch im Berliner Südwesten – genauso wie zu hohe
       Mieten, zu wenige Wohnungen und Vermüllung.
       
 (DIR) Plakatwahlkampf für das Abgeordnetenhaus: Vandalismus im Wahlkampf
       
       Im Vorfeld der Abgeordnetenhauswahl wurden der Polizei zahlreiche Fälle
       beschädigter Wahlplakate sowie vereinzelte Angriffe auf
       Wahlhelfer*innen gemeldet.
       
 (DIR) Neukölln vor der Wahl: Safer Places sollen Schule machen
       
       Die zunehmende Obdachlosigkeit samt Drogenproblematik sind kaum Thema im
       Wahlkampf um die Bezirksparlamente – in Neukölln aber schon. Ein Rundgang.
       
 (DIR) Wechselstimmung in Berlin: Die Zeit von Kai Wegner ist abgelaufen
       
       Nur noch 17 Prozent der Berlinerinnen und Berliner wollen CDU wählen. Wer
       auf ein Linksbündnis hofft, sollte sich trotzdem nicht zu früh freuen.
       
 (DIR) Neue Umfrage für Berlin: „Die SPD sollte in die Opposition“
       
       Linke und Grüne vorne, CDU und SPD ganz hinten. Für den Politologen Nils
       Diederich hat das mit einer allgemeinen Unzufriedenheit mit Schwarz-Rot zu
       tun.
       
 (DIR) Neue Umfrage zur Wahl in Berlin: Linkspartei und Grüne überholen die CDU
       
       Die regierende CDU rutscht auf den vierten Platz. Linke und Grüne legen zu.
       Die fünf stärksten Parteien trennen aber weiterhin nur wenige
       Prozentpunkte.
       
 (DIR) Reinickendorf vor der Wahl: An den Bürgern vorbei
       
       In Reinickendorf werden Muslime verunglimpft und Bäume wegen „Sichtachsen“
       gefällt. Beim Milieuschutz lässt man’s dafür schleifen. Eine
       Momentaufnahme.