# taz.de -- CSU-Klausur in Kloster Banz: Söder droht Berlin
> Unter dem Schock der jüngsten Wahlen trifft sich die CSU-Fraktion zur
> Klausur. Dort fordert Söder ein Festhalten am Reformkurs – und mehr
> Blasmusik.
(IMG) Bild: Markus Söder scheint bester Laune zu sein beim Auftakt zur CSU-Herbstklausur in Bad Staffelstein
Würde sich bei jedem Ausruf, es dürfe kein „Weiter so“ geben, in diesem
Land etwas ändern, so würde man es nach den vergangenen Tagen nicht mehr
wiedererkennen. Dass dem nicht so ist, hängt wohl nicht zuletzt damit
zusammen, dass der Nicht-weiter-so-Ansatz zwar rhetorisch oft die eigene
Person oder Partei miteinbezieht. Die Botschaft lautet: Wir haben gelernt.
Tatsächlich ist es vor allem eine Aufforderung an andere.
So folgt auch in Kloster Banz, wo sich die [1][CSU-Landtagsfraktion seit
Montag zur Klausurtagung] versammelt hat, aufs Plädoyer gegen das
Weitermachen wie bisher sogleich die Ansage, jetzt bloß nicht vom
Reformkurs abzuweichen, jetzt bloß keine Personaldebatten vom Zaun zu
brechen.
Als sich Parteichef Markus Söder und Fraktionschef Klaus Holetschek am
frühen Montagnachmittag im Innenhof des Klosters vor die Kameras und
Mikrofone stellen, präsentiert Söder erstmals nach dem für die
Schwesterpartei [2][katastrophalen Wahlabend] seine Gedanken dazu. Als
„Totalschaden“ bezeichnet er das Ergebnis der Wahlen vom Sonntag und
spricht von „blauer Welle und roter Front“. Söder ist darauf bedacht, AfD
und Linkspartei, die er als klar antisemitisch bezeichnet, in einem Atemzug
zu nennen, als sei die Bedrohung von beiden Seiten gleich groß.
## Zwischen Loyalität und Rentenfrage
Die AfD sei dabei, die Union fast zu übernehmen, sagt Söder. Und es ist
freundlich gegenüber der Schwesterpartei, dass er von der Union spricht,
nicht nur von der CDU. Er bezieht seine Partei demonstrativ in die
Schicksalsgemeinschaft mit ein, obwohl die CSU diesmal nirgends zur Wahl
stand. Er spricht auch von der Union, nicht von der CDU, wenn er sagt, sie
dürfe sich jetzt nicht zum Hühnerhaufen entwickeln.
So wenig er die Auffassung von Manuela Schwesig teilt, die die geplante
Rentenreform zurückdrehen will, so sehr zollt er der Amtskollegin aus
Mecklenburg-Vorpommern auch Respekt für ihre Aufholjagd im zurückliegenden
Wahlkampf: „Frau Schwesig ist da schon eine Kämpferin“, sagt er. So wie er
selbst, mag man sich hinzudenken. Anders als Friedrich Merz, mag man sich
ebenfalls hinzudenken. Sagt Söder natürlich nicht. Zweifel an seiner
Loyalität zum Kanzler will Söder auf keinen Fall aufkommen lassen. „Wir
stehen da gemeinsam zusammen.“ Es gebe keine Personalfrage. Bloß nicht zum
Königsmörder werden, wenn man vielleicht noch König werden möchte.
Und dann ruft er noch eine „neue Nähe zum Bürger“ aus. Man müsse sich nach
den Wahlen genau überlegen: „Was waren die Sorgen, was wollen die Bürger
uns sagen?“ Dass diese Überlegungen freilich nicht ergebnisoffen sein
dürfen, macht Söder gleich im Nachsatz klar. Die Reformen seien notwendig
für unser Land, müssten nur eben auch erklärt werden. Das klingt dann schon
wieder nach Merz, nur in Söders Fall etwas souveräner, kämpferischer. Man
könne schon über Ausnahmeregelungen bei sozialen Ungerechtigkeiten reden.
Söder könne sich für bestimmte Berufsgruppen eine abschlagsfreie Rente nach
45 Jahren vorstellen. Aber keineswegs dürfe die Rentenreform grundsätzlich
infrage gestellt werden.
Klaus Holetschek, einer von Söders engsten Vertrauten, reagiert etwas
später sehr ablehnend auf Merz’ überraschenden Vorschlag, das duale System
der Krankenversicherung in seiner jetzigen Form auf den Prüfstand zu
stellen. Man solle immer gut nachdenken, bevor man neue Vorschläge macht,
empfiehlt er dem Kanzler.
## Herzmuskel Deutschlands
Auch wenn der Schock der Wahlen seinen Schatten über die CSU-Klausur wirft,
geht es hier offiziell natürlich um landespolitische Themen. Die greift
Söder in seiner Grundsatzrede am Dienstag auf. Als Herzmuskel Deutschlands
beschreibt er den Freistaat darin, wie er hinterher bei einer
Pressekonferenz berichtet. „Bei uns in Bayern ist die Welt noch halbwegs in
Ordnung“, sagt er, um dann von kommenden Quantencomputern, Giga-Factorys
und Robohubs zu schwärmen. Das Bekenntnis zu Hightech soll auch die
Einrichtung einer Raumfahrtschule unterstreichen: „Wie bei Strauß und
Stoiber, bloß um den Faktor X mehr.“
Aber auch um eine Fast Lane für Familien bei Warteschlangen geht es, um
mehr Unterrichtsstunden an der Grundschule, Hymnenpflicht bei
Schulveranstaltungen und die Reform des Bayerischen Rundfunks. Der solle
doch bitte künftig wieder mehr Blasmusik spielen.
## Personalrochade in der Staatskanzlei
Tags zuvor hatte Söder bereits zwei Personalien verkündet: So wird der
Münchner Landtagsabgeordnete und frühere Bürgermeister Josef Schmid auf
Justizminister Georg Eisenreich folgen, der vergangene Woche überraschend
angekündigt hatte, sein Amt aus privaten Gründen zum Ende des Monats
niederzulegen. Bei der Gelegenheit machte Söder auch gleich den bayerischen
JU-Chef Manuel Knoll zum Staatsminister für Jugend und Demokratie – ein
Amt, das neu geschaffen wird. Dafür muss Europaminister Eric Beißwenger
seinen Platz räumen; seine Aufgaben übernimmt Staatskanzleichef Florian
Herrmann künftig zusätzlich. Knoll soll Ansprechpartner der Jugend sein,
aber auch als Sprachrohr der Jugend ins Kabinett hinein wirken.
Dass sich Landes- und Bundespolitik nicht immer trennen lassen, zeigt sich
am Länderfinanzausgleich, der natürlich auch bei dieser Klausurtagung nicht
unerwähnt bleibt. Nur: Diesmal geht es nicht um die grundsätzlich als
ungerecht und viel zu hoch empfundenen Zahlungen, von denen Bayern den
Großteil trägt, sondern um eine ganz konkrete Drohung in Richtung Berlin:
Sollte dort künftig die Regierung von der Linkspartei angeführt werden,
kündigt Söder an, werde Bayern auf eine grundlegende Neuordnung des
Länderfinanzausgleichs bestehen, um nicht eine sozialistische und
antisemitische Politik in Berlin mitzufinanzieren. Auch der gerade neu
ausgehandelte Hauptstadtvertrag müsse dann noch einmal neu aufgeschnürt
werden.
22 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.csu-landesgruppe.de/sommerklausur-der-csu-landesgruppe-in-kloster-banz
(DIR) [2] /Wahlen-in-Berlin-und-MV/!6213624
## AUTOREN
(DIR) Dominik Baur
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