# taz.de -- Jungwähler*innen in Berlin: Das Herz schlägt links
       
       > In Berlin haben über 40 Prozent der unter 25-Jährigen die Linke gewählt.
       > Darüber darf man sich trotz über 16 Prozent für die AfD auch mal freuen.
       
 (IMG) Bild: Das Herz der Berliner Jugend schlägt links
       
       Wenn man sich mal kurz etwas Freude gönnen möchte nach diesem Wahlsonntag
       in Berlin: Die Jugend in der Hauptstadt hat ein linkes Herz. 43 Prozent der
       16- bis 24-Jährigen wählte die Linke, bei den 25- bis 34-Jährigen gar 49
       Prozent – zum Vergleich: Bei der letzten Abgeordnetenhauswahl 2023
       erreichten die Linken nur jeweils 26 Prozent in diesen Altersgruppen.
       
       Meist beugt man sich nach Wahlen mit Sorge über die Jugend. [1][In
       Sachsen-Anhalt wählten vor zwei Wochen] 43 Prozent der jungen Leute unter
       25 die rechtsextreme AfD, nur 18 Prozent die Linke. Bei der Bundestagswahl
       2025 wuchs die AfD bei den U25 im zweistelligen Prozentbereich (die Linke
       allerdings auch).
       
       Man kann daraus ablesen, dass sich natürlich auch bei der Jugend die
       bekannte Stadt-Land-Spaltung zeigt: Menschen mit höheren
       Bildungsabschlüssen sind überproportional in den Städten vertreten, und sie
       wählen, egal wie alt, tendenziell links. In Berlin hat sogar die Hälfte der
       25- bis 64-Jährigen einen Hochschulabschluss, bundesweit im Schnitt nur
       jeder Dritte.
       
       Und natürlich haben die Akademiker:innen Kinder – und diese, [2][das
       deutsche Schulsystem ist bekanntlich ungerecht], werden mit ziemlicher
       Sicherheit ebenfalls mindestens Abitur machen.
       
       Die linke Berliner Jugend legt also die gesellschaftliche und politische
       Spaltung dieses Landes nochmal sehr offen – denn es stimmt ja auch: In
       Mecklenburg-Vorpommern, wo ebenfalls gewählt wurde, ist die Dorfjugend (so
       es sie demografisch überhaupt noch gibt) blau. In fast allen Wahlkreisen
       kommt die AfD auf dem Land auf über 40 Prozent, schaut man auf die Ebene
       der Gemeinden, sieht es noch düsterer aus. Die Dörfer sind klein; wenn dort
       80 Prozent den AfD-Bürgermeister gewählt haben, geht man vielleicht lieber
       nach Berlin.
       
       Die linke Berliner Jugend kann man aber auch als Hoffnung am blauen
       Horizont begreifen. Da gibt es eine nächste Generation, die den Rechten
       etwas entgegenhalten wird. Die in Mecklenburg-Vorpommern den
       Generationswechsel im Jugendclub übernehmen oder in einem Projekt mit
       Geflüchteten arbeiten.
       
       ## Junge Menschen treibt das Mietendrama um
       
       Und, da darf man ebenfalls Hoffnung haben: Die jungen Leute haben in Berlin
       auch geholfen, die Mietenfrage ganz groß auf die politische Agenda zu
       setzen. An ihr wird sich die Koalitionsfrage in der Hauptstadt
       mitentscheiden: Selbst wenn die Linke mit ihrer Maximalforderung nach der
       Enteignung großer Wohnkonzerne bei den möglichen Partnern SPD und Grünen
       nicht durchkommt – sie ist auch vor allem für dieses Thema gewählt worden
       und wird ihren Wähler*innen nun etwas anbieten müssen.
       
       Wer in zwei Jahren Abitur macht und eher nicht ins Ländliche ziehen will:
       Die WG-Zimmer kosten in Berlin im Schnitt inzwischen knapp 700 Euro. Die
       Eltern können auch nicht groß zuschießen: Die hohen Mietkosten belasten
       längst auch durchschnittlich gut verdienende Einkommen.
       
       Die Berliner Jugend ist also für soziale Gerechtigkeit gestimmt, gegen den
       Rechtsruck, und übrigens auch [3][für eine Frau mit Migrationshintergrund
       an der Spitze dieser Stadt]. Wie ungemein aufbauend.
       
       21 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Anna Klöpper
       
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