# taz.de -- Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern: Rot-Rot-Grün und die braune Opposition
       
       > Bei der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern hat die AfD polarisiert. Das hat
       > Nichtwähler:innen angelockt und die Wähler:innen von CDU, Linken
       > und Grünen zerrissen. Alle Grafiken zur Wahl.
       
 (IMG) Bild: Wer wird künftig darin sitzen? Im Schweriner Schloss tagt der Landtag von Mecklenburg-Vorpommern
       
       Bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern hat die AfD die erwarteten
       Zuwächse verbucht. Sie kam wie in den Umfragen erwartet auf 38,2 Prozent
       und hat die SPD überholt, die bisher stärkste Partei dort war. Dennoch wird
       es für Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) leicht, weiterzuregieren,
       weil sie zusammen mit Linken und Grünen eine solide Mehrheit hat. Für die
       CDU endete die Wahl im Desaster, sie fiel auf 4,9 Prozent und damit
       erstmals überhaupt aus einem Landesparlament.
       
       Die Grafiken zeigen, dass der entscheidende Faktor mal wieder die
       Konzentration auf eine Frage wahlentscheidend war: Kann die AfD stärkste
       Partei werden oder sogar regieren? Das hat auf der einen Seite viele
       Anhänger:innen der Rechtsextremen an die Wahlurnen getrieben. Auf der
       anderen Seite hat vor allem die SPD profitiert, deren Ministerpräsidentin
       Manuela Schwesig sich erfolgreich als Gegenspielerin der AfD präsentieren
       konnte.
       
       Die folgenden Grafiken zeigen die Werte des vorläufigen amtlichen
       Endergebnisses. Die vorherigen Umfragen der Institute lassen sich per
       Mausklick anzeigen.
       
       Die Prozente
       
       Die rechtsextreme AfD konnte im Ostseebundesland ihren Stimmenanteil von
       der letzten Wahl 2021 noch mal mehr als verdoppeln. Die SPD hatte zwar
       zuletzt stark aufgeholt und kommt auf 35,5 Prozent. Das reicht aber nur
       noch für Platz 2. Auch CDU und Grünen drohen Verluste. Die CDU bekam mit
       4,9 Prozent das bundesweit schlechteste Landtagswahlergebnis in ihrer
       Geschichte. Linke und Grüne verzeichnen leichte Verluste, bleiben aber im
       Landtag.
       
       Das BSW schafft den Einzug ins Parlament nicht. Es scheiterte anders als
       vor zwei Wochen in Sachsen-Anhalt mit 4,8 Prozent knapp an der
       Fünfprozenthürde.
       
       Auch für die FDP endete die Wahl im Desaster. Im letzten Landtag waren sie
       noch mit 5,8 Prozent vertreten. Nun muss man sie mit der Lupe unter den
       Sonstigen suchen. Sie bekamen nur noch 1,0 Prozent der Zweitstimmen.
       
       Die Sitze
       
       Der kommende Landtag ist klar in zwei Blöcke unterteilt. Rechts die AfD,
       die ihre Fraktion von 14 auf 32 Sitze mehr als verdoppeln kann. Links SPD,
       Linke und Grüne. Die SPD verliert 5 Sitze und stellt nur noch 29
       Abgeordnete. Die Linke verliert 4 Sitze und hat nur noch 5 Abgeordnete. Die
       Grünen ziehen mit ebenfalls 5 Abgeordneten in den neuen Landtag.
       
       Der Koalitionsrechner
       
       Die folgende Grafik zeigt schnell, dass es nur eine Möglichkeit gibt:
       Rot-Rot-Grün. Zwar könnte die AfD rechnerisch mit allen drei anderen
       Parteien eine Mehrheit bilden, aber das lehnen die alle ab.
       
       Klar wird hier aber auch ein bisher einmaliges Phänomen. Neben der
       demokratischen Regierung gibt es nur eine Partei in der Opposition: die
       rechtsextreme AfD. Das wird die politische Debatte in
       Mecklenburg-Vorpommern prägen.
       
       ## Die Wählerwanderung
       
       Die folgende Grafik zeigt die Wanderungen der Wähler:innen zwischen den
       Parteien seit der letzten Wahl im Jahr 2021. Sie beruht auf einer
       Nachwahlbefragung des Instituts infratest dimap. Die einzelnen Parteien
       lassen sich per Mausklick anzeigen.
       
       Die AfD hat ihre Stimmengewinne wie schon in Sachsen-Anhalt zum größten
       Teil den vormaligen Nichtwähler:innen zu verdanken. Von ihnen stimmten
       diesmal gleich 65.000 für die Rechtsextremen. Sie profitieren also auch
       hier von der gestiegenen Wahlbeteiligung. Wahlentscheidend dürfte aber
       sein, dass die AfD auch 48.000 Wähler:innen von der SPD rüberholen
       konnte. Das entspricht fast 5 Prozentpunkten, die der SPD am Ende fehlten,
       um wieder vorn zu liegen.
       
       Wie polarisiert der Wahlkampf war, zeigt sich bei der CDU. Ihre bisherigen
       Wähler:innen hat es förmlich zerrissen. Sie wanderten in großen Scharen
       entweder zur rechtsextremen AfD oder in die demokratische Mitte zur SPD.
       
       Die Polarisierung hätte beinahe auch den Grünen den Einzug in den Landtag
       vermasselt. Denn auch sie hat tausende Wähler:innen an die SPD verloren.
       Umgekehrt hat sie aber offenbar heimatlos gewordenen Anhänger:innen von
       CDU und FDP und Nichtwähler:innen für sich gewinnen können, sodass es
       am Ende reichte.
       
       Auch die Anhänger:innen der Linken hat die Polarisierung zerrissen. Sie
       wanderten entweder zur SPD oder zur AfD und zum BSW.
       
       Interessant sind auch die Verluste der FDP. 10.000 ihrer bisherigen
       Wähler:innen machten diesmal bei der SPD ihr Kreuz. Noch mehr, nämlich
       16.000, drifteten zur AfD ab.
       
       Die Wahlkreise
       
       In der folgenden Grafik sind alle Gewinner:innen der Wahlkreise
       abgebildet – und auch hier wird die Polarisierung sichtbar. Nur AfD und SPD
       konnten Direktmandate gewinnen. 22 gingen an die Rechtsextremen, 14 an die
       Sozialdemokraten.
       
       Am deutlichsten gewann die SPD im Wahlkreis Schwerin I. Hier kam die
       Direktkandidatin auf 54,4 Prozent. Ihr Name: Manuela Schwesig.
       
       Ansonsten zeigt sich ein deutliches Stadt-Land-Gefälle. Die SPD konnte alle
       größeren Städte – neben Schwerin auch Rostock, Wismar, Stralsund und
       Greifswald für sich entscheiden. Auf dem Land hingegen lag fast überall die
       AfD vorn.
       
       Am engsten zwischen SPD und AfD war es in Stralsund II, wo die SPD nur 0,5
       Prozentpunkte vor der AfD lag.
       
       Ihr mit Abstand schlechtestes Erststimmenresultat bekam die AfD im
       Wahlkreis Rostock III. Dort holte ihr Kandidat 17,5 Prozent und landete
       damit nur auf Platz 3 noch hinter der Linken. Klar vorn mit 42,2 Prozent
       war auch hier die SPD.
       
       Die Hochburgen
       
       In dieser Grafik können Sie sehen, wo die einzelnen Parteien besonders
       stark oder besonders schwach abgeschnitten haben.
       
       Am braunsten ist die Karte im Wahlkreis Mecklenburgische Seenplatte I. Dort
       kam die AfD auf 51,7 Prozent der Zweitstimmen und sogar 54,1 Prozent der
       Erststimmen. Auch in Vorpommern-Greifswald IV holte die AfD mehr als 50
       Prozent der Zweitstimmen. Offenbar gibt es auch eine geografische Tendenz:
       je weiter rechts auf der Karte, desto rechter die Wählerschaft.
       
       Umgekehrt gilt aber auch. Je weiter links auf der Karte, desto linker die
       Wählerschaft. Die SPD hat ihre Hochburgen vornehmlich im Westen des
       Bundeslandes.
       
       Bei Grünen und Linken wird klar, dass sie ihre Anhängerschaft vor allem in
       den Städten finden. Exorbitant ist auch hier der Wahlkreis Rostock III.
       Dort holten die Grünen 17,4 Prozent der Zweitstimmen, die Linke nochmal
       16,4 Prozent. Für beide Parteien war es das jeweils beste Ergebnis im
       ganzen Land.
       
       Und die CDU: Sie hat ihre „Hochburg“ in der Landeshauptstadt Schwerin. Dort
       holte sie mit gerade mal 6,5 Prozent der Zweitstimmen ihr bestes Ergebnis.
       Deutlicher kann man das Desaster der Union gar nicht zeigen.
       
       21 Sep 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Gereon Asmuth
       
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