# taz.de -- Wahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern: SPD feiert Schwesig ab, CDU blickt in den Abgrund
> Kurz vor der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern karren noch mal fast alle
> Parteien Spitzenpolitiker aus Bund und Ländern heran. Nur bei der CDU ist
> Totentanz.
(IMG) Bild: Gemeinsam klatscht's sich am schönsten: Manuela Schwesig in Rot mit ihren sozialdemokratischen Amtskolleg:innen
Dass Sozialdemokrat:innen weitgehend unverzagt einer Wahl
entgegenschauen, kommt auch nicht mehr allzu häufig vor. Bei der SPD in
Mecklenburg-Vorpommern ist das ausnahmsweise der Fall. Zumindest bei jenen
Genoss:innen, die am Freitag beim Wahlkampfabschluss in Rostock-Warnemünde
Ministerpräsidentin Manuela Schwesig beklatschten.
Er sei „eher euphorisch“, sagte etwa Ralf Mucha, SPD-Abgeordneter im
Schweriner Landtag, zur taz. „Das ist heute auch nur der Auftakt zum
Endspurt“, präzisierte sein Fraktionschef Julian Barlen. Die letzte Umfrage
vor der Landtagswahl am Sonntag habe jedenfalls alle beflügelt, so der enge
Vertraute der Regierungschefin.
Die [1][am Donnerstagabend veröffentlichte Umfrage] sieht Schwesigs SPD bei
37 Prozent. Nicht nur hätte sie damit innerhalb von zwölf Monaten fast 20
Punkte zugelegt. Vor allem liegt die SPD damit erstmals seit über drei
Jahren wieder knapp vor der extrem rechten AfD, die demnach auf 36 Prozent
käme.
„Was sind das für krasse Wochen? Was für eine Aufholjagd!“, zeigte sich
Schwesig in ihrer Rede vor dem Leuchtturm von Warnemünde selbst etwas
begeistert. Um dann zu mahnen, dass es sich nur um eine Umfrage handele.
„Die Lage ist nach wie vor sehr ernst.“ Die AfD habe immer noch die Chance,
„die Macht zu übernehmen“, vielleicht mit „ihren Freunden vom BSW“
zusammen, vielleicht mit einzelnen Umfallern aus der CDU. Deshalb wird bis
zum Sonntag „um jede Stimme“ weitergekämpft.
## Unterstützung für die „liebe Manu“
Die SPD-Spitzenkandidatin war zuvor noch einmal die zentralen Themen des
[2][ganz auf ihre Person zugeschnittenen SPD-Wahlkampfs] Punkt für Punkt
durchgegangen: Wirtschaft, Arbeit, Familie, Zusammenhalt, Frauenrechte.
Applaus gab es reichlich von den mehreren hundert, überwiegend bejahrten
Zuschauer:innen.
Wohl bewusst wurde bei Schwesigs Wahlkampfabschluss auf
Politiker:innen der siechen Bundes-SPD verzichtet. Dafür hatte man zur
Unterstützung fast alle anderen SPD-Regierungschef:innen auf die Bühne
gebracht: Anke Rehlinger aus dem Saarland, Dietmar Woidke aus Brandenburg,
Olaf Lies aus Niedersachsen und Peter Tschentscher aus Hamburg lobten
reihum die „liebe Manu“.
Die Botschaft dahinter, von Schwesig auch so formuliert: „Der Bundeskanzler
entscheidet nicht allein.“ Auch die Ministerpräsident:innen seien
mächtig. Schwesig ganz besonders, findet sie: „Es macht einen Unterschied,
ob man eine starke Stimme aus Mecklenburg-Vorpommern hat oder nicht.“
Nichts wurde dem Zufall überlassen, nicht einmal der Ort des
Wahlkampfabschlusses. Schwesig sagte: „Der Leuchtturm steht für Zuversicht,
Orientierung und Hoffnung.“ Also für sie. Und für gute Fernsehbilder sorgte
das Wahrzeichen von Warnemünde auch. Am Bratwurststand gab es lange
Schlangen.
## Heidi und Hüpfburg bei der Linken
Kurz vor der SPD hatte am Freitagnachmittag in der Rostocker Innenstadt
auch Schwesigs linker Koalitionspartner groß aufgefahren. Die Partei wird
aktuell auf um die 10 Prozent taxiert. Neben [3][Bildungsministerin und
Spitzenkandidatin Simone Oldenburg] warben vor vorwiegend jüngerem Publikum
Linken-Gallionsfigur Heidi Reichinnek und die Altvorderen Dietmar Bartsch
und Bodo Ramelow um Stimmen – Hüpfburg, Kinderschminken und, so bereits die
Ankündigung, „gute Laune“ inklusive. Energydrinks waren auch kostenlos.
Für ausgesucht schlechte Laune sorgte dagegen schon am Donnerstag an
gleicher Stelle BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht. In [4][einer ausgreifenden
Wutbürgerinnenrede] ging es gegen „die da oben“. „Das sind doch Zustände,
die sind unerträglich“, rief Wagenknecht ihren nun wieder vor allem älteren
Zuschauer:innen entgegen.
Überhaupt werde alles immer schlimmer. In der schwarz-roten Bundesregierung
gebe es „noch mehr Idiotie“ als unter der vorherigen Ampelregierung, und
die sei ja schon idiotisch gewesen, so Wagenknecht beim Wahlkampfabschluss
für ihr in Mecklenburg-Vorpommern mit der 5-Prozent-Hürde kämpfendes
Projekt.
Die Grünen als Teil der so umschmeichelten Ex-Ampel feierten übrigens
zeitgleich keine 750 Meter weiter recht heiter – trotz ebenfalls nur 5
Prozent. Auch hier waren die Parteichef:innen Felix Banaszak und
Franziska Brantner, ihre Vorgängerin Ricarda Lang und etliche weitere
Promis extra angereist, um [5][Mecklenburg-Vorpommerns Spitzenkandidatin
Claudia Müller] auf großer Bühne und mit stundenlangem Programm zu
unterstützen. Es gab Pommes.
## CDU ohne Abschluss
Nur die CDU hat keine Lust mehr auf das traditionelle
Wahlkampfabschluss-Brimborium. Zwar hatten auch die
Christdemokrat:innen in den vergangenen Wochen allerhand Parteigranden
herankarren lassen.
So wurde mit Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident ein Werftstandort von
Rheinmetall in Wolgast bestaunt und mit dessen Amtskollegen Gordon
Schnieder aus Rheinland-Pfalz die Störtebeker Braumanufaktur in Stralsund.
Und Kanzler Friedrich Merz verspeiste bei einer [6][eher missglückten, auf
jeden Fall sehr kurzen Kurzvisite] in Kühlungsborn mehrere Fischbrötchen.
Auf den letzten Metern vor der Wahl will sich die Landes-CDU nach Angaben
ihres Sprechers aber lieber auf das Verteilen von Werbematerial an
Wähler:innen konzentrieren. Die Partei kommt in der letzten Umfrage nur
noch auf 6 Prozent. Diese großen Wahlkampfabschluss-Veranstaltungen seien
doch ohnehin aus der Zeit gefallen, so der Sprecher. „Außer dass es ein
paar Fernsehbilder gibt, hilft uns das gar nicht.“ Die TV-Teams würden ja
auch von selbst kommen, um die Wahlkämpfer:innen zu begleiten:
Bewegtbilder zur Dokumentation des Blicks in den Abgrund.
Erste Stimmen aus dem Landesverband schlagen bereits Alarm und sehen die
Partei unter die 5-Prozent-Hürde und damit aus dem Landtag rauschen. Selbst
wenn es am Sonntag so dramatisch nicht kommen sollte, droht der CDU das
schlechteste Ergebnis auf Landesebene in ihrer Geschichte.
19 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Rainer Rutz
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