# taz.de -- Der neue Bundesverkehrsminister: Viel Freude, viele Baustellen
       
       > Steffen Bilger, zuletzt Geschäftsführer der Union im Bundestag, wird
       > Verkehrsminister. Im neuen Job warten marode Brücken, Schienen und
       > Straßen.
       
 (IMG) Bild: Der Neue bei der Amtsübergabe: Steffen Bilger
       
       Steffen Bilger strahlt wie jemand, der den Hauptgewinn im Lotto gewonnen
       hat. Der CDU-Mann aus Baden-Württemberg wird Bundesverkehrsminister,
       zuletzt war er Parlamentarischer Geschäftsführer der Union im Bundestag.
       Als er am Mittwoch gegen Mittag das Ministerium an der Berliner
       Invalidenstraße betritt, steht die Amtsübergabe mit Patrick Schnieder kurz
       bevor. Auf einem Tisch rechts der Bühne im Ministerium liegen schon die
       Geschenke für den alten und den neuen Minister. Bilger bekommt einen
       Schutzhelm und eine Warnweste – für die Baustellen, die ihn erwarten.
       
       Den Auftrag des Kanzlers nehme er sehr ernst, sagt Steffen Bilger, 47, beim
       Amtsantritt. „Die für den Verkehr vorhandenen Mittel müssen ankommen“, die
       [1][Sanierung der Verkehrswege] müsse schneller gehen. Er wolle
       Infrastruktur, Mobilitätsbedürfnisse der Menschen und Klima in Einklang
       bringen. Dabei trat Bilger bislang für vieles ein, was
       Klimaexpert:innen ablehnen.
       
       Schon mit 17 Jahren trat er der CDU bei, machte Karriere in Schüler-Union
       und Junger Union. Seit 2009 sitzt er, stets direkt gewählt, für den
       Wahlkreis Ludwigsburg im Bundestag. Neun Jahre lang gehörte er dem
       Verkehrsausschuss an, von 2018 bis 2021 war er Staatssekretär im
       Verkehrsministerium unter CSU-Minister Andreas Scheuer.
       
       Bilger, Volljurist, gilt als industrienah. In seiner Heimat Nordwürttemberg
       pflegt die CDU enge Kontakte zur Automobilwirtschaft. Bilger wirbt für
       Verbrenner und E-Fuels. Erst als Abgeordneter, später als Staatssekretär
       schob er das Prestigeprojekt Stuttgart 21 kräftig an – trotz explodierender
       Kosten und jahrelanger Verspätung. In seine Zeit als Staatssekretär fällt
       auch die gescheiterte Pkw-Maut für Ausländer:innen, die den Staat Hunderte
       Millionen an Entschädigung gekostet hat.
       
       ## Es geht weiter mit den Herausforderungen
       
       Das kehrt er bei der Amtsübergabe nicht unter den Teppich. Die Maut war
       eine von vielen Herausforderungen damals, sagt er, neben dem Dieselskandal
       und der Coronapandemie.
       
       Auch die [2][Herausforderungen, die jetzt auf Bilger warten], sind groß.
       Viele Brücken, Straßen, Schienen und Wasserstraßen sind nicht mehr intakt.
       Trotz des Sondervermögens wird zu wenig saniert. Die Deutsche Bahn kämpft
       mit maroden Gleisen und verworrenen Konzernstrukturen. Vorgänger Schnieder
       lieferte zudem wenig Zählbares für den Radverkehr. Die Autoindustrie muss
       transformiert, der Straßenverkehr weiter elektrifiziert, der Autoverkehr
       reduziert werden. Ob Bilger das auch so sieht? Er wolle den Menschen nicht
       vorschreiben, „wie sie unterwegs zu sein haben“, sagt er am Mittwoch.
       Kündigt aber „weitreichende Entscheidungen“ an.
       
       Dabei war er nur die zweite Wahl des Kanzlers. Nachdem Friedrich Merz
       überraschend Patrick Schnieder infrage gestellt hatte, sein Wunschkandidat
       Fritz Güntzler den Posten aber ablehnte, gewann der Kanzler Bilger. „Ich
       freue mich wirklich, dass es dich getroffen hat“, sagt Schnieder in seiner
       letzten Rede als Minister, an Bilger gewandt. Ihm ist anzusehen, wie schwer
       ihm das Ausscheiden fällt. Noch immer ist nicht genau bekannt, [3][warum
       Merz ihn schasste]. Bilger ist dennoch anzusehen, die ganze Übergabe
       hindurch, bis er in seinen Dienstwagen steigt, wie sehr er sich freut.
       
       1 Aug 2026
       
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 (DIR) Nanja Boenisch
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