# taz.de -- EU-Mission in Libyen: In welchem Auftrag unterwegs?
> Eigentlich sollte die EU-Mission Irini das Waffenembargo gegen Libyen
> überwachen. Nun könnte sie berüchtigte Milizen unterstützen.
(IMG) Bild: Ein Boot der libyschen Küstenwache fängt ein in Seenot geratenes Schlauchboot ab und drängt die Insassen zurück nach Libyen
Die EU-Mission Irini im Mittelmeer droht endgültig zur reinen
Unterstützungsaktion für libysche Milizen zu werden. Auch die Bundeswehr
soll eingebunden bleiben, wie die Antwort der Bundesregierung auf eine
Anfrage der Grünen-Abgeordneten Luise Amtsberg und Marcel Emmerich zeigt.
Bisher war das Hauptziel von Irini, mit Schiffen [1][ein UN-Waffenembargo
gegen die zahlreichen Milizen und Warlords Libyens] durchzusetzen. Die
Erfolgsquote war dabei dürftig, seit 2020 wurden insgesamt nur drei Schiffe
durchsucht. Das liegt auch daran, dass die Soldaten Rücksicht auf türkische
Befindlichkeiten nahmen. Die Regierung in Ankara ist ein wichtiger
Unterstützer Westlibyens und unterlief das Embargo systematisch.
Ende Mai entschied der UN-Sicherheitsrat aber ohnehin, das Waffenembargo
auslaufen zu lassen, wodurch auch Irini die Grundlage entzogen wurde. Nun
prüft die EU, wie es mit der Mission weitergehen soll. Die deutsche
Bundesregierung ist für eine Fortsetzung, wie aus ihrer Antwort an die
Grünen-Abgeordneten hervorgeht – und sie arbeitet schon an einem dafür
nötigen Bundestagsmandat.
## Ausbildung der libyschen Küstenwache
Ohne UN-Embargo, das es zu überwachen gilt, bräuchte die Mission aber neue
Aufgaben. Eine wichtige dürfte die Unterbindung von Migration werden. Schon
bisher sollten die Soldat*innen quasi nebenbei auch noch die sogenannte
libysche Küstenwache ausbilden, die nicht viel mehr ist als eine Miliz mit
offiziellem Anstrich. Diese Aufgabe könnte jetzt ins Zentrum von Irini
rücken.
Zwar betont die Bundesregierung stets, dass die Bundeswehrsoldaten bisher
nicht an der Ausbildung der Küstenwache teilnehmen und dies auch so bleiben
solle. Nur: Ein entsprechendes Verbot für deutsche Soldaten strich sie vor
einem Jahr explizit aus dem Irini-Mandatstext. Es würde also ein simpler
Befehl aus Berlin genügen, damit deutsche Soldaten doch libysche
Milizionäre ausbilden.
Die libyschen Kämpfer sind für ihre Verbrechen berüchtigt, etwa dafür, dass
sie Geflüchtete gefangenhalten und foltern, um Lösegeld zu erpressen.
Zuletzt schossen Milizionäre auch auf Seenotrettungsschiffe, die unter
deutscher Flagge fuhren.
## Hilft die EU den Milizen?
Gleichzeitig steht zu befürchten, dass Irini geografisch ausgeweitet wird.
Bisher lag der Schwerpunkt auf Kooperation mit Milizen im Gebiet
Westlibyens. Dessen Regierung wird von der EU und vielen Staaten als
legitime Regierung des Landes angesehen. Zuletzt verstärkten Staaten wie
Italien und Griechenland aber auch ihre Verbindungen zum [2][Regime von
Chalifa Haftar, das Ostlibyen kontrolliert]. Irini könnte deshalb künftig
auch Milizen im Osten unter die Arme greifen, so die Befürchtung.
Amtsberg nennt es einen „Dammbruch“ und „menschenrechtlich verwerflich“,
dass die EU die Zusammenarbeit mit Haftar verstärken will. Emmerich sagte,
die Bundesregierung mache sich „mitschuldig“, wenn „sie sich nicht für ein
Ende der Kooperation mit libyschen Milizen und Irini in der jetzigen Form
einsetzt“.
Wie die dortigen Milizen mit Migranten umgehen, lässt sich gerade in Den
Haag erahnen. Dort läuft vor dem Internationalen Strafgerichtshof ein
Prozess gegen Khaled El Hishri, einem mutmaßlichen Wärter eines Haftlagers
im Osten, der wohl Tausende Menschen foltern ließ. Unter den eingesperrten
Migranten soll er bekannt gewesen sein als „Engel des Todes“.
25 Aug 2026
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## AUTOREN
(DIR) Frederik Eikmanns
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