# taz.de -- Migration nach Europa: Zweiter Ansturm auf Ceuta bleibt aus
> Marokkanische Sicherheitskräfte haben Hunderte Menschen an der Einreise
> in die spanische Exklave gehindert. In den sozialen Medien war dazu
> aufgerufen worden.
(IMG) Bild: Abgeriegelt: die Grenze von Marokko nach Ceuta am 15. August 2026
Der für Samstag angekündigte zweite Ansturm auf die spanische Exklave Ceuta
ist durch marokkanische Sicherheitskräfte verhindert worden. In den
sozialen Medien war in der letzten Woche dazu aufgerufen worden, in noch
größerer Zahl als am 30. Juli nach Ceuta zu kommen, [1][als 72.000 Menschen
die Grenze überquerten].
Dies blieb nun aus. Vor den Bahnhöfen von Casablanca, Rabat und in anderen
marokkanischen Großstädten waren bereits ab der Wochenmitte
Polizeieinheiten aufgefahren, junge Marokkaner, die in den Norden reisen
wollten, wurden zurückgewiesen. Dennoch versammelten sich am Samstag
oberhalb der Stadt Fnideq weit mehr als 1.000 Migrant:innen um in das
benachbarte Ceuta zu gelangen. Insgesamt waren 24.000 Uniformierte im
Einsatz, auch Melilla, die zweite spanische Exklave in Marokko, wurde
aufwändig abgeriegelt.
Mit Helikoptern, Wasserwerfern und Reizgas zerstreuten die
Sicherheitskräfte die immer wieder gen Ceuta laufende Menge. Diese bestand
hauptsächlich aus sudanesischen Bürgerkriegsflüchtlingen und
Westafrikaner:innen, die sich aus Algerien und Tunesien nach Fnideq
durchgeschlagen hatten.
Bis zum Nachmittag wurden nach Behördenangaben 294 von ihnen in
Transportern der Polizei abtransportiert. Auch 46 Marokkaner kamen in Haft.
In den Tagen zuvor waren nach Angaben des Innenministeriums bereits über
100 Menschen verhaftet worden, die [2][zur Reise nach Ceuta aufgerufen
hatten]. Auch wer in Ceuta war und nun wieder zu Hause ist, muss mit einer
Verhaftung rechnen berichten Teilnehmer des Marschs vom 30. Juli der taz.
## Spannungen zwischen Spanien und Marokko
Die Berichterstattung staatlicher marokkanischer Medien über das harte
Durchgreifen der Polizei hatte zwei Adressaten: Junge Marokkaner sollten
sehen, dass sich eine Reise nach Ceuta nicht lohnt. Und Europa sollte
sehen, dass Ceuta nun hauptsächlich das Ziel von Migranten aus
Subsahara-Afrika ist.
Mit der massiven Präsenz von Patrouillenboten und Sicherheitskräften
kommunizierte Rabat auch, dieses Mal die Lage unter Kontrolle zu haben.
Derweil verschärft sich der Ton gegenüber der internationalen Presse.
Inmitten des Einsatzes wurden Journalisten des spanischen TV-Senders TVE
und der Nachrichtenagentur EVE aufgefordert, das Gebiet zu verlassen.
In Medienkreisen wird spekuliert, dies sei eine Retourkutsche für die
Behinderung marokkanischer Journalisten bei deren Arbeit in Ceuta.
Justizminister Abdellatif Ouahbi fordert die sofortige Rückkehr von 1100
minderjährigen Marokkanern aus Ceuta. Den spanischen Behörden wirft er vor,
dies auf Grundlage von EU-Regularien zu verzögern. Journalisten in Ceuta
berichten von brutalen Schlagstockeinsätzen von spanischen Beamten gegen
die Minderjährigen.
In Kommentaren marokkanischer Medien ist jetzt immer häufiger vom
„besetzten“ Ceuta die Rede, das auf Arabisch Sebta genannt wird. Damit ist
klar: Jeder weitere Ansturm auf Ceuta könnte eine politische Krise zwischen
Marokko und Spanien auslösen, auch wenn beide Seiten bislang kooperieren.
Das marokkanische Königshaus sei über den außer Kontrolle geratenen ersten
Ansturm schwer verstimmt gewesen, berichten Insider marokkanischer
Journalisten. Denn Marokko will die soziale Krise im Land mit massiven
[3][Investitionen aus dem Ausland] bewältigen. Die Wirtschaft boomt
zurzeit, viele Jugendliche wollen dennoch weg. Neue [4][Gerüchte] von einem
weiteren Marsch nach Norden sind bereits im Umlauf.
16 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Migration-nach-Ceuta/!6201740
(DIR) [2] /Migration-nach-Ceuta/!6202325
(DIR) [3] /Migration-nach-Europa/!6204313
(DIR) [4] /Migration-zwischen-Marokko-und-Ceuta/!6204137
## AUTOREN
(DIR) Mirco Keilberth
## TAGS
(DIR) Ceuta
(DIR) Ceuta und Melilla
(DIR) Marokko
(DIR) Migration
(DIR) Spanien
(DIR) Social-Auswahl
(DIR) Marokko
(DIR) Schwerpunkt Flucht
(DIR) Ceuta und Melilla
(DIR) Podcast „Fernverbindung“
(DIR) Ceuta
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Nach dem Sturm auf die spanische Exklave: Die Vergessenen von Ceuta
Rund drei Wochen nachdem Tausende Migranten nach Ceuta kamen, ist die Lage
für sie katastrophal. Auch die Einwohner fühlen sich im Stich gelassen.
(DIR) Geflüchtete in Ceuta: Spanien plant temporäre Aufnahmeeinrichtungen
Nach dem Massenansturm sind noch rund 1.800 Geflüchtete in der Exklave
Ceuta. Die Regierung will sie von der Straße holen. 500 Mädchen sollen aufs
Festland.
(DIR) Migration zwischen Marokko und Ceuta: Die Ceuta-Krise geht leise weiter
Zwei Wochen nach dem Ansturm auf die spanische Exklave beruhigt sich die
Lage. Einige Marokkaner fühlen sich ausgenutzt von den unbekannten Urhebern
des Aufrufs.
(DIR) Migration nach Europa: Wer steckt hinter der Ceuta-Krise?
Von Marokko aus passierten 72.000 Menschen die Grenze zu der spanischen
Exklave. Wurden sie manipuliert, um Spaniens Premier Sánchez unter Druck zu
setzen?
(DIR) Migration nach Ceuta: Sie wurden benutzt
Weil Tausende in eine spanische Exklave durchbrachen, galt Spaniens Premier
schnell als Buhmann der EU. Dabei schiebt er härter ab, als es Recht ist.