# taz.de -- Grünen-Chef in Sachsen-Anhalt: Heißer Wahlkampf
       
       > Das Dorf Drewitz hält den bundesweiten Hitzerekord. Wie empfänglich ist
       > man hier für die klimapolitischen Botschaften der Grünen? Unterwegs mit
       > Felix Banaszak.
       
 (IMG) Bild: Felix Banaszak bei einer Wahlkampfveranstaltung bei Magdeburg vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt
       
       Was für ein Garten! Von Familie Deumelandts Terrasse aus geht der Blick
       erst auf eine Reihe Lavendel, dann auf einen großen Ahorn mit zwei
       Hängematten und einer Schaukel. Links dahinter wachsen Obstbäume, rechts
       geht die Aussicht weit ins Grüne.
       
       Wer genau in Richtung Horizont schaut, kann aber auch ein Problem erkennen.
       Dort stehen drei Birken, die nur noch wenige Blätter tragen. „Die muss ich
       im Winter zu Brennholz machen“, sagt Peter Deumelandt. „Es ist Wahnsinn,
       dass uns so große Birken vertrocknen. Aber das sehen wir hier überall.“
       Wenn er Bäume nachpflanzt, dann solche, die mit der Hitze besser
       zurechtkommen. Aber bis sie so groß sind, dass sie seinen Rindern auf den
       Wiesen Schatten werfen, dauert es.
       
       „Mhm“, sagt zwischendurch Felix Banaszak, der Bundesvorsitzende der Grünen,
       der neben dem Landwirt am Gartentisch sitzt. „Ja.“ Und: „Klar.“
       
       An diesem Donnerstag ist die Luft in Drewitz noch verhältnismäßig kühl:
       30,1 Grad registriert die Messstation des Deutschen Wetterdienstes, die
       keine 500 Meter entfernt liegt. Zwei Tage später werden es 34 Grad sein.
       Und selbst das ist nichts gegen den Wert, der das Dorf Ende Juni in die
       Nachrichten brachte: 41,8 Grad, die höchste jemals in Deutschland gemessene
       Temperatur.
       
       ## Suche nach der Deutungshoheit
       
       Das Dorf Drewitz, Gemeinde Möckern, östliches Sachsen-Anhalt, steht damit
       symbolhaft für den Sommer 2026. Landesweit fallen Hitzerekorde. Die
       Klimakrise wird in vielen Orten so spürbar wie nie zuvor. Politisch bewirkt
       das aber anscheinend nichts: Der Kanzler schweigt. Die
       Wirtschaftsministerin setzt weiterhin auf Öl und Gas. Und in Umfragen
       spricht sich zwar immer noch die Mehrheit der Bevölkerung für mehr
       Klimaschutz aus. Rekordwerte erreicht gleichzeitig aber auch die AfD, die
       davon so gar nichts wissen will.
       
       In einem [1][langen Blogpost von Felix Banaszak] von Anfang August heißt
       es, die Gleichzeitigkeit von „dystopischem Erleben“ und
       „offensiv-ignorantem Handeln“ sei „ohne eine ganze Menge Selbstbetäubung
       kaum auszuhalten“. Während des Familienurlaubs in Frankreich hat der
       Grünen-Chef über die Frage geschrieben, wie man da wieder rauskommt, wie
       seine Partei und andere Ökos die Deutungshoheit zurückgewinnen könnten.
       
       Seine Suche nach der Antwort ist noch nicht fertig, das ist den 23.000
       Zeichen anzumerken. Knapp zusammengefasst schreibt er: Es braucht eine
       Sprache, die der Dramatik der Lage gerecht wird, aber die Leute nicht
       abschreckt. Falsch sei es, sie dafür zu beschämen, dass sie es nicht
       kapiert hätten. Man müsse ihnen stattdessen Möglichkeiten geben, mit
       anzupacken. Der Post endet in der Feststellung, Klimakommunikation solle
       „nicht als Individualisierung von Verantwortung, sondern als Ermutigung zur
       gemeinsamen Aktion“ daherkommen.
       
       Klingt kompliziert. Die taz hat Banaszak deshalb vorgeschlagen, doch mal in
       das heißeste Dorf Deutschlands zu fahren, wo seine Partei bei der
       Bundestagswahl zwei Stimmen holte und die AfD über 50 Prozent.
       Gewissermaßen wie unter dem Brennglas ließe sich dort nachschauen, ob die
       Hitze wirklich gar nichts auslöst – und welche „gemeinsame Praxis“ der
       36-Jährige den Leuten denn genau anbieten könnte.
       
       Das passte gut, weil der Grünen-Vorsitzende seit dieser Woche im
       Landtagswahlkampf ist, ohnehin eine Veranstaltung in der Nähe plante und im
       Terminkalender noch ein paar Stunden frei hatte. Sein Team führte einige
       Telefonate, zwei Tage später stand der Besuch.
       
       ## Die Sonne spuckt
       
       Banaszak ist an diesem Donnerstag nicht der einzige Wahlkämpfer in der
       Gegend. Am Vormittag hat auf dem Marktplatz von Loburg, zwei Dörfer weiter,
       die AfD ihre Stände aufgebaut. Ulrich Siegmund ist zu Besuch, der dauernd
       fröhliche Spitzenkandidat der Rechtsextremen. Als er vom Reporter hört,
       dass auch der Grünen-Vorsitzende Termine in der Nähe hat, grinst er. „Na
       prima, auf den warten die Leute hier“, sagt er und dreht sich wieder zur
       Schlange vor ihm.
       
       Siegmunds Fans warten, um ihm die Hand zu schütteln, Autogramme zu holen
       und Fotos zu schießen. Eine Rentnerin und ihre Tochter stehen neben dem
       Pavillon, sie haben ihr Bild schon. Die Frauen erzählen, sie fänden den
       AfD-Mann gut, weil er einer von ihnen sei. Die Themen, die sie bewegten:
       Angst vor Krieg, vor Kriminalität und vor hohen Pflegekosten.
       
       Und die Hitze? Die Beiden stutzen, dann wiegeln sie ab: Im Sommer sei es
       schon immer warm gewesen. Aber was ist mit dem Mais, der am Ortsrand nur
       noch bis zur Hüfte wächst? Ach, die Landwirte meckerten doch immer. Und der
       Temperaturrekord im Nachbardorf? Na, so sei das mit dem Klima: Mal wärmer,
       mal kälter. Im Moment spucke die Sonne besonders kräftig.
       
       Es ist nicht so, dass die Frauen für Ökologie überhaupt nicht zugänglich
       wären: Sie erzählen vom Recycling-System in der DDR, in der sie als Kinder
       ein Taschengeld bekommen haben, wenn sie Altstoffe an Sammelstellen
       abgegeben haben. „Ermutigung zur gemeinsamen Aktion“ gab es im Osten also
       schon Jahrzehnte vor Banaszak.
       
       ## 3 Schwimmbäder für 13.000 Menschen
       
       Aber jenseits der Mülltrennung bleiben die beiden kategorisch. Fragt man
       nach der Hitze, gehen auch andere auf dem Platz mit dem konform, was die
       AfD in ihrem Wahlprogramm schreibt: Selbst wenn es den Klimawandel gibt,
       ist er nicht menschengemacht, und selbst wenn er es wäre, kann
       Sachsen-Anhalt nichts daran ändern. Eine praktische Argumentation: Wer
       wirklich keinen Klimaschutz möchte, kann auch noch bei 45 Grad an ihr
       festhalten. „Sie wollen es nicht verstehen“, sagt ein Anwohner mit „FCK
       AFD“-Aufkleber am Fahrradhelm, der den Auflauf aus einigen Metern
       Entfernung beobachtet.
       
       Anderthalb Stunden später beginnt Banaszaks erster Termin in Möckern, dem
       Hauptort der Gemeinde. Im Rathaus trifft er Bürgermeisterin Doreen Krüger.
       Das Gebäude aus dem 19. Jahrhundert hat dicke Mauern, im Büro ist es
       angenehm kühl.
       
       Ihre Kommune sei jetzt ja deutschlandweit bekannt, sagt der Grünen-Chef zur
       Begrüßung. „Wieso?“, fragt Krüger. Banaszak erinnert an den
       Temperaturrekord. „Ach so, ja“, sagt die Bürgermeisterin. „Die Hitze, das
       ist schon so.“ Aber die Bürger hätten sich darauf eingestellt.
       
       Krügers Gemeinde ist flächenmäßig die viertgrößte in Deutschland. Die
       13.000 Einwohner verteilen sich auf 27 Ortsteile. Zwischen den Dörfern gibt
       es viel Wald und viele Teiche, außerdem unterhält die Gemeinde drei
       Freibäder. Wer die Erderhitzung ausblenden will, hat es hier zumindest in
       der Hinsicht leichter als in Berlin-Kreuzberg, wo auf 150.000 Menschen nur
       ein Schwimmbad kommt.
       
       ## „Verstehen Sie das ein bisschen?“
       
       Krüger, die einer freien Wählergemeinschaft angehört, blendet das Klima
       nicht aus. Es hat für sie aber auch nicht Priorität. Die Bürgermeisterin
       muss sorgsam haushalten: Jeder ihrer 27 Ortsteile hat eine eigene
       Feuerwehr, alle brauchen Gebäude und Fahrzeuge. Das gehört zu den
       Pflichtausgaben, die sich Kommunen nicht aussuchen dürfen – genauso wie
       Schulen, Kitas und Straßenbau. Was mit Klima zu tun hat, ist dagegen oft
       die Kür.
       
       „Wir haben es auf dem Schirm“, sagt Krüger. „Wir wissen, zum Beispiel, dass
       Wasserrückhaltung gemacht werden müsste. Aber das ist teuer, verstehen Sie
       das ein bisschen?“
       
       „Klar“, sagt der Grünen-Chef, und fragt, was die Bürgermeisterin bräuchte.
       Soll der [2][Bund in die Klimaanpassung einsteigen], wie es gerade in
       Berlin diskutiert wird? Kommt nicht dieses oder jenes Förderprogramm für
       die Gemeinde infrage? Müsste es für die Kommunen einfacher werden, Mittel
       zu beantragen?
       
       Krüger will lieber von einem anderen Problem erzählen: In einem Ortsteil an
       der A2 wollte sich vor kurzem eine Firma ansiedeln. Das Projekt zerschlug
       sich, weil die Stromversorgung nicht ausreichte. Das Netz ist zu schwach
       und eine neue Leitung bauen die Betreiber frühestens in zehn Jahren. Drei
       Millionen Euro Gewerbesteuer seien der Kommune dadurch entgangen. „Das ist
       eine Riesensumme und davon hätte ich was in den Klimaschutz geben können“,
       sagt Krüger.
       
       Der Grünen-Chef macht sich Notizen. Vielleicht könnten die Bürgermeisterin
       und er ja hier gemeinsam wirksam werden: Seine Partei fordert in Berlin
       auch einen schnelleren Netzausbau, während die Wirtschaftsministerin
       bremst. Aber das Gespräch ist dann schnell vorbei: Krügers Sekretärin
       platzt herein und erinnert ihre Chefin an den Beginn der
       Bürgersprechstunde. Herr Banaszak dürfe gerne nach 16 Uhr wiederkommen.
       
       ## Drewitz ist überall
       
       20 Minuten dauert die Fahrt nach Drewitz. Am Dorfeingang hängt ein Plakat
       der AfD („Tanken ohne Tränen“), vor dem Kulturhaus im Zentrum eines der
       Grünen („Klima bleibt Thema“). Die Wetterstation befindet sich hinter einem
       Grundstück am Ortsrand, von der Straße aus sind die Gerätschaften durch
       Bäume und Gebüsch zu erahnen.
       
       Die Messstation ist eine von mehreren Hundert, die der Deutsche
       Wetterdienst bundesweit betreibt. Dass ausgerechnet hier der Rekord
       gefallen ist, habe nicht viel zu sagen, heißt es von den Experten beim DWD.
       Die Gegend um Drewitz gehöre nicht regelmäßig zu den heißesten im Land und
       am letzten Juni-Wochenende hätten viele andere Stationen ähnliche
       Temperaturen gemessen. Dass am Ende ein Ort noch ein Zehntelgrad mehr hat:
       Zufall. Heißt andersherum: Das Dorf ist trotz seiner Rekordhitze kein
       Sonderfall. Drewitz ist überall.
       
       Peter Deumelandt, der Landwirt, begrüßt Banaszak in seiner Einfahrt. Ihn
       muss der Grünen-Vorsitzende nicht erst an das Hitzewochenende erinnern.
       „War schon ein erschreckendes Erlebnis. Hätte ich mir auch anders
       gewünscht“, erzählt er. „Aber alles gut. Kaffee?“ Ab auf die Terrasse,
       seine Frau hat Apfelkuchen gebacken.
       
       Banaszaks Leute hatten beim Bauernverband angefragt, ob es im Dorf
       Landwirte gebe, die mit ihm sprechen wollen. Damit waren sie direkt an der
       richtigen Stelle: Deumelandt selbst ist im Hauptberuf Geschäftsführer des
       Verbands im Landkreis. Im Nebenerwerb führen seine Frau und er ihren
       Betrieb in Drewitz. Er ist hier aufgewachsen und hat 2011 den Hof vom Vater
       übernommen.
       
       ## Elektro-Van und Solarpanele
       
       Der Bauernverband hatte vor [3][zweieinhalb Jahren zu den großen Protesten
       gegen die Ampel] aufgerufen, weil sie den Steuerrabatt auf Agrardiesel
       streichen wollte. Im Landkreis organisierte Deumelandt die
       Treckerblockaden. Aktuell fordert der Verband wieder billigeren Sprit, weil
       [4][wegen der Hitze eine schlechte Ernte] droht. Ganz toll, schreiben
       manche Ökos auf Social Media: Die Bauern wollen Feuer mit Feuer bekämpfen.
       
       Man würde Peter Deumelandt aber unrecht tun, wenn man ihn in eine Schublade
       steckt. Banaszaks Fahrer reicht er an der Garage erst mal das Ladekabel für
       dessen Elektro-Van. Seine Augen leuchten, als er von seinen Solarpanels und
       dem großen Speicher erzählt. 22.000 Kilowattstunden erzeugt die Anlage im
       Jahr, zu 85 Prozent versorgt sich die Familie mit eigenem Strom. Der Hof,
       auf dem sie einen Bullen, rund 30 Mutterkühe und deren Kälber halten, ist
       bio-zertifiziert.
       
       Es drängt sich fast die Frage auf, ob Deumelandt und seine Frau wissen, wer
       die beiden Grünen-Wähler im Dorf sind. Aber um ihn nicht in Schwierigkeiten
       zu bringen, verkneifen wir uns das: Verbandsvertreter müssen
       parteipolitisch neutral sein. Deumelandt will auch nicht darüber sprechen,
       wie er über die AfD denkt und ob er sich deren Zuspruch im Ort erklären
       kann.
       
       Um keinen falschen Eindruck zu erwecken: In die Schublade des Oberökos
       passt der 48-Jährige ebenso wenig. An der Hitze hält er sich nicht lange
       auf. Würde Banaszak das Gespräch nicht ab und an dahin zurückführen, wäre
       das Klima auf seiner Terrasse nur am Rande Thema – obgleich das bei ihm
       nicht daran liegt, dass er das Problem verdrängt.
       
       ## Immer auf die Bauern?
       
       Noch schlimmer als dieser Sommer war für den Bauern das Dürrejahr 2018, in
       dem es fast fünf Monate lang kaum regnete. „Das war brutal. Ich habe für
       sehr teures Geld Futter zukaufen müssen. Daran habe ich lange zu knabbern
       gehabt.“ An das neue Klima hat sich Deumelandt schon damals angepasst: Er
       hat Tiere verkauft und seine Vorräte vergrößert, so dass auch in einem Jahr
       mit schlechter Ernte das Futter ausreicht. Zumindest im Moment kommt er
       damit zurecht. Andere Bauern in der Region würden es ähnlich handhaben:
       „2018 war für alle ein Erweckungserlebnis.“
       
       Dafür hat Deumelandt, ähnlich wie die Bürgermeisterin, neben dem Klima noch
       andere Probleme. Nach ihnen muss Banaszak nicht erst fragen. Aus dem
       Landwirt – oder aus dem Verbandsmitarbeiter? – sprudelt es von alleine
       raus.
       
       Als Ökolandwirt ist er von Subventionen abhängig. Deren Höhe wird politisch
       aber alle paar Jahre neu ausgehandelt, auf das Geld verlassen kann er sich
       nicht. Andere Bauern in seinem Verband haben mit dem Verbot für sie
       wichtiger Insektengifte zu kämpfen, der Rapsanbau rechne sich schon nicht
       mehr. Der Mindestlohn mache der Branche Probleme, ihm persönlich auch der
       Wolf: Der habe ihm letztes Jahr mindestens ein Jungtier gerissen. Seine
       Liste geht noch lange so weiter.
       
       „Man kann das alles machen. Alles gut“, sagt Deumelandt. Aber während für
       die Bauern die Kosten steigen, würden die Kunden und die Supermärkte nicht
       mehr zahlen und der Staat nicht einspringen. „Ich würde mir wünschen, dass
       wir bei solchen Themen alle an einem Strang ziehen würden, statt die
       Probleme alleine der Landwirtschaft überzuhelfen.“
       
       ## Wolf gut, Bienensterben schlecht
       
       „Mhm“, sagt zwischendurch immer mal wieder Felix Banaszak, dessen Partei
       den Wolf und den Mindestlohn eigentlich gut und das Bienensterben schlecht
       findet.
       
       Dann kommt Peter Deumelandt an den Punkt, ab dem auch er beim Klimaschutz
       nicht mehr mitgeht. Ab dem er es ungerecht findet, weil er anders als mit
       seiner Solaranlage nichts verdient und noch nicht mal auf null rauskommt,
       sondern auf den Kosten sitzenbleibt.
       
       Er erzählt von einem Stück Grünland, das er vor einigen Jahren gekauft hat.
       Kurze Zeit später habe der Staat den Großteil der Fläche zu einem
       zukünftigen Feuchtgebiet erklärt. Er dürfe es nicht mehr entwässern, weil
       der Boden CO2 aufnehmen soll. Eine Kompensation für den Wertverlust bekommt
       er nach eigenen Angaben nicht. „Das kann alles nicht wahr sein. CO2 hat
       doch einen Preis. Warum bekomme ich dann kein Geld für die CO2-Senke, die
       ich auf meiner Fläche aufbaue?“
       
       Der Grünen-Chef setzt zu einer Gegenfrage an. Das CO2 spare der Landwirt
       doch nicht nur für andere. Profitiere er im besten Fall nicht selbst davon,
       wenn sich der Klimawandel verlangsamt? Die Antwort wartet Banaszak dann
       aber nicht ab. Er gibt sie sich selbst: „Das steht in dem Fall in keinem
       Verhältnis.“
       
       ## Freude verbreiten
       
       Am Abend wird er auf einer Veranstaltung in der Kreisstadt Burg von der
       Begegnung erzählen. Rund 30 Gäste kommen, um ihn zu sehen. Das sind fast so
       viele, wie der Kreisverband Mitglieder hat. Solche Grünen-Veranstaltungen
       sind das Kontrastprogramm zu den Infoständen der AfD und ihres
       Spitzenkandidaten: Um ein paar Fotos wird zwar auch Banaszak gebeten. Davor
       stellt ihm das Publikum aber zweieinhalb Stunden lang ausführliche Fragen,
       auf die er noch ausführlicher antwortet.
       
       Für mehr Klimapolitik brauche es wieder den Druck einer Bewegung, sagt
       Banaszak. Die nächste Bewegung müsse aber breiter sein als vor ein paar
       Jahren die Fridays mit ihren wütenden Jugendlichen. Menschen wie Deumelandt
       würden den Grünen nicht in allem zustimmen, aber jetzt, da die Klimakrise
       ernst wird, ließen sich mit ihnen vielleicht Bündnisse schließen. Man dürfe
       es eben nur nicht mit Vorwürfen probieren: Nicht aus schlechtem Gewissen
       ließen sich Menschen mobilisieren, „sondern aus Freude an der Veränderung
       heraus, wo sie gemeinsam etwas erreichen können“.
       
       Wieder so ein schöner Satz wie im Blogpost aus dem Familienurlaub. Aber was
       das genau heißt? Ganz fertig ist Banaszaks Antwort darauf auch in Drewitz
       nicht geworden.
       
       Doch manches geht auch voran, obwohl der Grünen-Chef noch sucht, der
       Kanzler schweigt, die Wirtschaftsministerin bremst und die AfD vom Wahlsieg
       träumt. Am Nachmittag erzählt Peter Deumelandt auf seiner Terrasse noch:
       Wenn seine E-Autos und sein Solarstrom im Ort Thema sind, dann spricht er
       über die Rendite, die er damit macht. „Ich versuche zu erklären, dass es
       auch eine ökonomische Entscheidung war“, sagt er.
       
       Achtet man auf der Fahrt durchs Dorf darauf, entdeckt man auch auf anderen
       Dächern Solarpanele. Sie sehen neu aus.
       
       16 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [2] /Klimaanpassung-in-die-Verfassung/!6204162
 (DIR) [3] /Anhaltende-Proteste-der-Landwirte/!5994514
 (DIR) [4] /Hitze-und-Duerre/!6204348
       
       ## AUTOREN
       
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