# taz.de -- „Spiegel“-Titel zu Sachsen-Anhalt: Feigheit vor dem Feind
> Der „Spiegel“ bezeichnet den AfD-Kandidaten für Sachsen-Anhalt als
> „gefährlichsten Mann Deutschlands“. Ist das Werbung für die AfD oder ein
> wichtiges Statement?
(IMG) Bild: Autogramme auf dem „Spiegel“-Cover
„Sachsen-Anhalt“, belehrt einen Wikipedia im zugehörigen Artikel etwas
überraschend als Erstes, „ist eine parlamentarische Republik“. Und in
dieser Republik wird in zweieinhalb Wochen ein neues Parlament gewählt.
Bei einer normalen Wahl würde nicht die Frage im Raum stehen, ob dieser
„teilsouveräne Gliedstaat der Bundesrepublik Deutschland“ (auch Wikipedia)
am Montag nach der Wahl überhaupt noch eine Republik sein wird, ein
Rechtsstaat, dessen Organe sich nicht nur den im Grundgesetz definierten
Grundrechten verpflichtet fühlen, sondern bei Verstößen dagegen auch
juristisch auf sie verpflichtet werden können.
Doch was in Sachsen-Anhalt passiert, ist keine normale Wahl. Grund dafür
ist die nicht auszuschließende absolute Mehrheit für die AfD, eine
rechtsradikale und von Kriminellen durchsetzte Putschorganisation, die noch
dazu landesverräterisch wesentliche Interessen der faschistischen und
völkermordenden Putin’schen Diktatur vertritt.
Es wäre daher Aufgabe der Bundesrepublik Deutschland, sich selbst und ihren
eben nur teilsouveränen Staat von dieser Machtergreifung zu bewahren, ein
Verbotsverfahren gegen die AfD einzuleiten (längst eingeleitet zu haben,
klar!) und vorab alle Energien zu bündeln, um einen formverändernden
Wahlsieg der AFD zu verhindern.
## Feinde unseres demokratischen Zusammenlebens
Formverändernd: Inhaltlich setzen bestehende Mehrheiten bereits
unmenschliche Abschiebungen zu den Taliban durch. Inhaltlich haben wir
einen Kanzler, der den [1][Klimanotstand weniger dringlich findet als sein
Erholungsbedürfnis]. So was gehört zum Tagesgeschäft auch demokratischer
Parteien. Doch die AfD hat einen anderen Charakter. Sie ist, egal ob
Funktionär oder Wähler, ein Feind unseres demokratischen Zusammenlebens.
Statt diese für uns alle existenzielle Bedrohung durch die AfD in den
Vordergrund zu rücken, beschränkt man sich auf Kritik am Cover des
aktuellen Spiegels. Es zeigt den Spitzenkandidaten der AfD für die
Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit der Unterzeile „Der gefährlichste Mann
Deutschlands“. „Das könnte nach hinten losgehen“ kommentiert die FAZ, es
handle sich um „Wahlkampfhilfe für die AfD“, heißt es von einem Altkader
der Linkspartei, und der abgebildete Politiker „weiß die Schlagzeile für
sich zu nutzen“, weiß der Stern.
Gut, dass wir unseren Kindern nun erzählen können, wer schuld daran ist,
dass eine Organisation, deren Programm gerade auch ihre eigenen Wähler nur
ins ökonomische und ökologische Desaster führen wird, eine Regierung
stellen konnte – der Spiegel war’s!
Wie erklärt sich eine so offensichtliche Fehl- und Überinterpretation des
Covers? Ist es nicht schlichtweg eine sachlich korrekte Verkaufsaufmachung
eines Medienprodukts? Und der Spiegel auch eigentlich ein nicht mehr gar so
bedeutendes Nachrichtenmagazin?
## In erster Linie
Für die Einordnung des Titels sind drei Aspekte wichtig: Der Schock
darüber, dass bundesweit so viele verrohte Menschen eine menschenfeindliche
Gruppierung wie die AfD wählen, lässt die immer noch beständige Mehrheit
der AfD-Gegner in den Hintergrund rücken – obwohl gerade in ländlichen und
ostdeutschen Gegenden Courage dazu gehört, sich zu positionieren, ohne
dabei die Vernachlässigung durch die herrschende Politik wegzuwischen.
Diese Menschen sind es in tatsächlich erster, vorderster Linie, die die
Bundesrepublik Deutschland verteidigen. Sie haben mehr Aufmerksamkeit
verdient. Kritik am Spiegel-Titel von dieser Seite ist nachvollziehbar.
Zweitens gibt es in der etablierten Politik eine seit Jahren praktizierte
Verweigerung, [2][das Offensichtliche anzugehen], also die sozialstaatliche
Grundversorgung in Zeiten multipler Krisen zu sichern und
weiterzuentwickeln, bei gleichzeitiger Bewahrung der durch die
Klimaverschlechterung gefährdeten Lebensgrundlagen und bei gerechter
Lastenverteilung. Um dieses Versagen zu kaschieren, ist dann eben auch mal
ein Spiegel-Titel recht.
Drittens ist die AfD Vertreterin ökonomischer Interessen superreicher
Systemsprenger von Elon Musk bis [3][Theo Müller], die zur Durchsetzung
ihrer Agenda die formalen Hindernisse der Demokratie gar nicht schnell
genug loswerden können – auch hier handelt die blaue Truppe im Auftrag; und
die Auftraggeber scheinen derzeit nicht greifbar, jedenfalls weniger als
eine Titelei aus Hamburg.
## Selbst in Italien versteht man die Dringlichkeit
Zusammengefasst gibt das ein tristes Bild, aus dem auch durch das x-te Pro
& Contra zum AfD-Verbot keine Anleitung zum Handeln wird. Der Spiegel-Titel
– und leider nur ansatzweise die ihn begleitende Story – macht deutlich,
was auf dem Spiel steht. Das wird auch im Ausland beachtet, [4][wie etwa
ein Artikel in Italiens wichtigster Tageszeitung, dem Corriere della Sera,]
zeigt. Er greift den Spiegel-Titel auf und stuft eine mögliche
AfD-Regierung in dem aus italienischer Perspektive sehr fern liegenden
Sachsen-Anhalt als historischen Bruch ein.
Der Spiegel hat seinen Job gemacht. Wenn das alle oder zumindest ein paar
mehr von sich sagen könnten, wir stünden besser da.
18 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.derwesten.de/politik/merz-waldbraende-sommerpause-id302137916.html
(DIR) [2] /Kolumne-Mittelalter/!5355440
(DIR) [3] /Theo-Mueller-unterliegt-gegen-Campact/!6157730
(DIR) [4] https://www.corriere.it/esteri/26_agosto_15/chi-e-ulrich-siegmund-l-uomo-piu-pericoloso-di-germania-candidato-di-afd-in-sassonia-anhalt-b4b6ae33-97b3-4a44-ab7c-c865dccb5xlk.shtml?refresh_ce
## AUTOREN
(DIR) Ambros Waibel
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