# taz.de -- Vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Vier Prozent Hoffnung für die Grünen
> Den Umfragen nach fliegen die Grünen aus dem Landtag in Sachsen-Anhalt.
> Trotzdem ist die Laune gut, selbst als es um die alte Ampelregierung
> geht.
(IMG) Bild: Susan Sziborra-Seidlitz, Landesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen in Sachsen-Anhalt, spricht beim Landesparteitag ihrer Partei
Wenn Susan Sziborra-Seidlitz von der aktuellen Wahlumfrage in
Sachsen-Anhalt erzählt, betont sie zwei Punkte. Zum einen sagt die
Spitzenkandidatin der Grünen, die Umfrage bereite Sorgen, „weit über
Sachsen-Anhalt hinaus“. Die AfD landete dort zuletzt bei 41 Prozent. Zum
anderen spricht Sziborra-Seidlitz von einem positiven Trend. Die Grünen
haben 4 Prozent bekommen, besser als in den Monaten zuvor.
Sziborra-Seidlitz klingt hoffnungsvoll: „Es ist nichts verloren.“
Als die Spitzenkandidatin ihren Optimismus am Samstag so auf der Bühne des
Landesparteitags in Wittenberg verbreitete, bekam sie von ihren
Parteifreund:innen anhaltenden Applaus. Für die Grünen geht es bei der
Wahl am 6. September darum, ob sie im Landtag bleibt. 4 Prozent, das würde
nicht reichen. Doch es ist nicht nur Sziborra-Seidlitz, die auf dem
Parteitag lächelnd über diesen Umfragewert spricht.
„Wir sind raus aus der Todeszone“, heißt es im Gespräch mit der taz von
einem Delegierten. Nach den 3 Prozent in den letzten Umfragen seien 4
Prozent ein Schritt in die richtige Richtung, erklärt eine andere. Felix
Banaszak, Bundesvorsitzender der Grünen, fragt rhetorisch am Nachmittag auf
der Bühne: „Wer hätte gedacht, dass mit näher kommendem Wahltermin Bündnis
90/die Grünen in Sachsen-Anhalt in den Umfragen nach oben gehen?“
Vor zwei Jahren bei den Landtagswahlen in Thüringen und Brandenburg
scheiterten die Grünen an der 5-Prozent-Hürde. In den Flächenländern, in
denen es kaum Großstädte gibt, haben es [1][die Grünen traditionell
schwer]. Damals verwiesen die Landesverbände zusätzlich auf den
Bundestrend, auf die Wut auf die Ampelregierung von SPD, Grünen und FDP im
Bund. Doch beim Parteitag in Sachsen-Anhalt klingt das anders.
## Streit ums Wahlprogramm
Banaszak sagt in seiner Ansprache, mit der Ampelregierung sei der Ausbau
erneuerbarer Energien erst richtig angelaufen, erinnert an das
9-Euro-Ticket und Robert Habeck, den damaligen grünen Wirtschaftsminister,
der „im Wochentakt“ die Bürger:innen informiert habe.
„Ich könnte jetzt eine halbe Stunde all unsere Erfolge aufzählen“, so
Banaszak. Das [2][Heizungsgesetz nennt er an der Stelle nicht]. Stattdessen
konzentriert sich der Bundesvorsitzende auf die Kritik der aktuellen
Regierung. Die schwarz-rote Koalition von Friedrich Merz habe „nicht das
Zeug, das zu tun, was nötig wäre“.
Auf dem [3][Parteitag in Wittenberg] geht es vor allem um das Wahlprogramm
der Grünen. Insgesamt [4][sieben Stunden sitzen die 90 Delegierten] dafür
zusammen. Für den ursprünglichen Entwurf des Landesvorstands sind mehr als
280 Änderungsanträge eingegangen. Manche nehmen die Delegierten an, manche
lehnen sie ab. Immer wieder müssen die Stimmen ausgezählt werden, weil die
Mehrheit nicht leicht ersichtlich ist. Immer wieder geht es um die Frage,
wie radikal grüne Forderungen sein können, ohne im ländlich geprägten
Sachsen-Anhalt lebensfern zu wirken.
Die Grüne Jugend beantragt unter anderem, die Forderung nach einer
stündlichen ÖPNV-Verbindung für alle Orte ins Programm aufzunehmen.
Cornelia Lüddemann, Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Landtag,
argumentiert dagegen. Schlecht finde sie die Idee zwar nicht, aber die
Forderung sei finanziell für die nächste Wahlperiode unrealistisch. „In
populistischen Zeiten dürfen wir keine leeren Versprechen machen.“ Der
Antrag fällt durch.
Am Rande des Parteitags erzählt Spitzenkandidatin Sziborra-Seidlitz der
taz, inhaltlich wolle sich die Partei auf ihr Kernthema konzentrieren:
Klimaschutz. Sie selbst ist gelernte Krankenschwester, zog vor fünf Jahren
in den Landtag Sachsen-Anhalt ein. Mit Blick auf diese Wahl sagt sie: „Es
geht definitiv nach oben für uns.“
Aber seit der letzten Umfrage ging es minimal um einen Prozentpunkt nach
oben. Ist es nicht zu früh, darin einen Trend zu sehen? „In Sachsen-Anhalt
tanzt Bündnis 90/die Grünen in den Umfragen vor Wahlen immer um die 5
Prozent herum“, erklärt Sziborra-Seidlitz. Das versetze sie nicht in Panik.
Seit 2011 seien es am Ende immer genug Stimmen gewesen.
In diesem Jahr glauben die Grünen zudem, dass es besonders auf sie ankomme.
Je mehr Fraktionen im Parlament sind, desto schwieriger wird es für die
AfD, eine absolute Mehrheit zu bekommen. „Wenn wir drin sind, gibt es eine
Option auf eine demokratische Mehrheit“, sagt Sziborra-Seidlitz.
10 May 2026
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(DIR) David Muschenich
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