# taz.de -- AfD-Offerte an BSW in Thüringen: Wagenknecht weist Höckes Avancen zurück
       
       > AfD-Landeschef Höcke bietet BSW-Gründerin Wagenknecht an, sie zur
       > Ministerpräsidentin von Thüringen zu machen. Die verweist auf ihre
       > innerparteilichen Gegner.
       
 (IMG) Bild: Je t'aime, wer mit wem? BSW-Gründerin und -Oberbestimmerin Sahra Wagenknecht
       
       Jetzt wird es komplett bizarr. Erst bietet Sahra Wagenknecht der gesichert
       rechtsextremen AfD in Sachsen-Anhalt an, ihrem Spitzenkandidaten Ulrich
       Siegmund nach der Landtagswahl zur Macht zu verhelfen. Nun revanchiert sich
       der Rechtsextremist Björn Höcke und bietet der BSW-Gründerin an, sie zur
       Regierungschefin von Thüringen zu machen.
       
       Der thüringische AfD-Landes- und Fraktionschef veröffentlichte am
       Mittwochabend ein zweiminütiges Video, in dem er die „sehr geehrte Frau
       Wagenknecht“ auffordert: „Werden Sie Ministerpräsidentin des Freistaats
       Thüringen.“ Und: „Lassen Sie uns ein neues Kapitel in der
       Parteiengeschichte der Bundesrepublik Deutschland aufschlagen.“ Er, Höcke,
       reiche ihr persönlich die Hand: „Beste Grüße aus Thüringen, Ihr Björn
       Höcke.“
       
       Theoretisch kämen AfD und BSW im Thüringer Landtag auf eine Mehrheit von
       drei Sitzen. Die extreme Rechte stellt 32 der 88 Abgeordneten, die
       Wagenknecht-Fraktion 15 Abgeordnete. Die seit 2024 regierende Koalition aus
       CDU, SPD und BSW kommt nur auf 44 Stimmen. Theoretisch heißt aber eben
       nicht praktisch.
       
       Wagenknecht jedenfalls verzichtete. „Das Amt des Thüringer
       Ministerpräsidenten ist kein Wanderpokal, den Herr Höcke nach Belieben
       vergeben kann“, teilte sie am Donnerstagmittag auf taz-Anfrage mit. „Höcke
       macht Politik wie die Altparteien: parteipolitisches Taktieren und
       Effekthascherei geht über Problemlösung.“ Das Angebot sei „weder ehrlich
       noch seriös“.
       
       Unabhängig davon, dass die 57-Jährige ohnehin noch nie in ihrem langen
       Politikerinnenleben Regierungsverantwortung übernehmen wollte: Mit der
       Bewertung „weder ehrlich noch seriös“ dürfte sie richtig liegen.
       
       ## Die Plagiatsaffäre des CDU-Regierungschefs
       
       Konkreter Hintergrund der Liebesbotschaft Höckes ist ein von seiner
       AfD-Fraktion angekündigtes konstruktives Misstrauensvotum gegen Thüringens
       CDU-Ministerpräsident Mario Voigt. Der hatte kurz zuvor eine weitere
       Schlappe im seit 2024 andauernden [1][Streit um Plagiate in seiner
       Dissertation] einstecken müssen.
       
       Nachdem die TU Chemnitz am Dienstag bestätigt hatte, einen Widerspruch
       Voigts gegen die Aberkennung seines Doktortitels zurückgewiesen zu haben,
       erklärte Höckes Truppe, die Zeit des Ministerpräsidenten sei endgültig
       abgelaufen.
       
       Wagenknecht, die die Koalition des BSW mit CDU und SPD in Thüringen seit
       langem als Todsünde betrachtet, sieht das genauso. Ginge es nach ihr, wäre
       die sogenannte Brombeer-Koalition längst Geschichte. Dementsprechend
       verkündet sie auch jetzt: „Richtig ist, dass Mario Voigt als
       Ministerpräsident das Vertrauen verloren hat und das BSW Thüringen ihm die
       Unterstützung entziehen muss.“
       
       Im Thüringer BSW geht es aber nicht nach Wagenknecht. Mit Blick auf den
       Entzug des Doktortitels stärkten die Kabinettsmitglieder Katja Wolf und
       Steffen Schütz vom realpolitischen BSW-Flügel Voigt ausdrücklich den
       Rücken. Die Regierungsfähigkeit sei dadurch nicht beeinträchtigt, so der
       Tenor.
       
       Bekannt ist zugleich, dass sowohl Schütz als auch Wolf eine Zusammenarbeit
       mit der AfD strikt ablehnen. Finanzministerin Wolf etwa stellte im April
       [2][im Gespräch mit der taz] klar: „Die Kollegen in meiner Partei aus
       anderen Bundesländern, die sich für eine Zusammenarbeit offen zeigen, die
       erleben einen Björn Höcke nicht, wenn er Politik verächtlich macht, wenn er
       Demokratie verächtlich macht, wenn er nach unten tritt in einer Art und
       Weise, die unerträglich ist.“
       
       ## Das dogmatische BSW-Drittel
       
       Gleichwohl steht die BSW-Fraktion keineswegs fest wie ein Fels zur
       Koalition mit CDU und SPD. Rund ein Drittel zählt zur Wagenknecht-Garde.
       Und hier setzt der Rechtsextremist Höcke mit seiner Offerte an: Die
       BSW-Fraktion soll gesprengt werden, die Koalition in Thüringen, alles soll
       gesprengt werden – eigentlich im Sinne Wagenknechts.
       
       Nur kann Wagenknecht auch rechnen. Selbst wenn die AfD-Fraktion im Landtag
       geschlossen hinter dem Vorschlag stünde, würde es für eine
       Ministerpräsidentin Wagenknecht mit dem dürftigen Dogmatiker:innen-Drittel
       aus der BSW-Fraktion allein nicht für eine Mehrheit reichen. Daher, so
       Wagenknecht zur taz, sei Höckes Angebot auch „unehrlich, weil er weiß, dass
       die Mehrheit derer, die auf BSW-Ticket im Thüringer Landtag sitzen, in
       Opposition zum BSW-Bundesvorstand stehen und mich nicht wählen würden“.
       
       Durchaus angefressen reagierte Wagenknecht bei der Gelegenheit auch auf den
       Umstand, dass am Vortag der sachsen-anhaltische AfD-Spitzenkandidat Ulrich
       Siegmund [3][ihr Angebot einer Zusammenarbeit nach der Wahl am 6. September
       schnöde zurückgewiesen hatte]. Wenn Siegmund erkläre, „dass er ohne
       absolute AfD-Mehrheit das Amt des Ministerpräsidenten lieber gleich der CDU
       überlässt“, folge das der gleichen Logik wie Höckes Offerte: „Erst kommt
       die Partei, dann das Land“, empörte sich Wagenknecht.
       
       Kritiker:innen in ihrer eigenen Partei sagen freilich, bei Wagenknecht
       sei es doch nicht anders. Nur komme bei ihr vor der Partei an erster Stelle
       noch Sahra Wagenknecht.
       
       13 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Rainer Rutz
       
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