# taz.de -- Schutz von Institutionen: Bundesrat sieht sich für AfD-Regierung gewappnet
       
       > Im Bundestag fällt die AfD ständig negativ auf. Könnte das auch im
       > Bundesrat geschehen? Der Chef der Ländervertretung bleibt gelassen.
       
 (IMG) Bild: „Die leidenschaftliche politische Debatte wurde hier vielleicht nicht gerade erfunden“: Ansicht des Plenums im Bundesrat
       
       Berlin dpa | Der Bundesrat sieht sich gut gerüstet für den Fall, dass nach
       der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September die AfD erstmals einen
       Ministerpräsidenten stellen sollte. „Das würde man natürlich politisch
       spüren. Aber Störmöglichkeiten, etwa den Geschäftsgang zu verzögern, die
       Entscheidungsfindung zum Entgleisen zu bringen, die sehe ich nicht
       wirklich“, sagte [1][Bundesratspräsident Andreas Bovenschulte (SPD) der
       Deutschen Presse-Agentur in Berlin.]
       
       Zugleich betonte er: „Meine feste Überzeugung ist, dass am Ende die
       demokratischen Kräfte die Nase vorn haben werden und dass es keinen
       AfD-Ministerpräsidenten geben wird. Aber dafür müssen wir hart arbeiten.“
       
       Die AfD liegt in Sachsen-Anhalt in den Meinungsumfragen weit vor der CDU,
       die mit Sven Schulze derzeit den Ministerpräsidenten stellt. Der
       Verfassungsschutz stuft sie in dem Land als gesichert rechtsextremistische
       Bestrebung ein. „Der Bundesrat ist insgesamt von seiner Geschäftsordnung
       und seinen Verfahrensregeln her gut darauf vorbereitet, dass einzelne
       Mitglieder nicht auf dem Boden unserer freiheitlich-demokratischen
       Grundordnung stehen“, sagte Bovenschulte.
       
       „Wir haben schon 2025 unsere Geschäftsordnung angepasst und manche
       Regelungen eingeführt, die uns in Zukunft helfen, wenn die
       Auseinandersetzungen vielleicht auch etwas härter werden“, erläuterte der
       Bundesratspräsident. „Das hatte aber gar nichts mit der AfD zu tun, das war
       nach mehr als 30 Jahren einfach überfällig.“
       
       ## Kein Applaus für niemand
       
       In der von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommenen Änderung seiner
       Geschäftsordnung hatte der Bundesrat erstmals festgelegt, dass sein
       Präsident und die beiden Stellvertreter mit Zweidrittelmehrheit abberufen
       werden können. Gleiches gilt nun auch für Ausschussvorsitzende. Und musste
       der Bundesrat bis dahin einberufen werden, wenn nur ein einziges Land dies
       verlangte, sind nun mindestens zwei Länder für außerplanmäßige Sitzungen
       notwendig.
       
       Außerdem galt bis dahin, dass der nach Lebensjahren älteste Regierungschef
       die Sitzung der Länderkammer leitet, wenn alle Mitglieder des Präsidiums
       gleichzeitig verhindert sein sollten. Jetzt übernimmt dies die
       Regierungschefin oder der Regierungschef, die oder der dem Bundesrat am
       längsten angehört. Dies verhindert auf absehbare Zeit, dass ein
       AfD-Politiker diese Gelegenheit bekommt.
       
       Im Bundestag sind mit dem Einzug der AfD die Debatten hitziger geworden.
       Die Zahl der Ordnungsrufe hat stark zugenommen, manche AfD-Abgeordnete
       sammeln sie wie Trophäen. Eine derartige Entwicklung würde dem Bundesrat
       nach Bovenschultes Einschätzung nicht drohen. „Der Bundesrat ist vielleicht
       das Gremium, in dem sich atmosphärisch am wenigsten ändern würde.“ Die
       Debatten in der Länderkammer hätten ja einen spezifischen Charakter. „Zum
       Beispiel gibt es keinen Applaus, es gibt weder Beifalls- noch
       Missfallensbekundungen.“
       
       Insofern müsse man sich den Bundesrat schon als ein sehr sachorientiertes
       und nach strengen Regeln vorgehendes Verfassungsorgan vorstellen – „in dem
       jetzt – wenn ich das mal ganz vorsichtig ausdrücken darf – die
       leidenschaftliche politische Debatte vielleicht nicht gerade erfunden
       wurde“, sagte Bovenschulte.
       
       ## Einzelne AfD-Landesregierung hätte kaum Einfluss
       
       Sachsen-Anhalt verfügt im Bundesrat über 4 der 69 Stimmen – und hat damit
       ohnehin keine Möglichkeiten, um beispielsweise bundespolitische Vorhaben zu
       blockieren oder eigene Initiativen durchzudrücken. Das Land bräuchte dafür
       in jedem Fall Verbündete, die es aber unter den anderen Landesregierungen
       absehbar nicht finden wird. Ähnlich wie die AfD-Fraktion im Bundestag
       dürfte auch eine AfD-Landesregierung im Bundesrat weitgehend isoliert sein.
       
       Den meisten Einfluss und die größte Außenwirkung hat ein Land, wenn es im
       Bundesrat – wie momentan Bremen – die Präsidentschaft hat. Der
       Bundesratspräsident vertritt den Bundespräsidenten, wenn dieser auf
       Auslandsreisen, im Urlaub oder krank ist. Die Präsidentschaft wechselt
       jedes Jahr im Herbst nach einem festen Rhythmus.
       
       Sachsen-Anhalt kommt erst wieder 2036 dran. Eine AfD-Landesregierung bekäme
       auf diesem Weg also ein Jahrzehnt lang keine erweiterten
       Einflussmöglichkeiten. Anders sieht es allerdings im wichtigen Gremium der
       Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) aus. Hier übernimmt Sachsen-Anhalt in
       diesem Herbst turnusmäßig den Vorsitz.
       
       14 Aug 2026
       
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