# taz.de -- Austrittswelle beim BSW Sachsen-Anhalt: Exodus der Wagenknecht-Fans
       
       > Kurz vor der Wahl in Sachsen-Anhalt treten gleich mehrere
       > BSW-Kreisvorsitzende aus der Wagenknecht-Partei aus. Der Vorwurf an die
       > Landesspitze: zu große AfD-Nähe.
       
 (IMG) Bild: Wächterin über die reine Parteilehre: BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht auf einer Kundgebung in Magdeburg
       
       Dem BSW in Sachsen-Anhalt gehen vier Wochen vor der Landtagswahl gleich
       drei Kreisvorsitzende von der Fahne. „Wir verlassen das Bündnis Sahra
       Wagenknecht, weil wir unseren politischen Überzeugungen treu bleiben
       wollen“, heißt es in einem Austrittsschreiben, das die Chef:innen der
       BSW-Verbände Halle-Saalekreis, Burgenlandkreis und Mansfeld-Südharz
       gemeinsam mit 18 weiteren Mitgliedern unterzeichnet haben. Zuerst hatte die
       in Halle erscheinende Mitteldeutsche Zeitung berichtet.
       
       In ihrem Schreiben werfen die nun gewesenen BSWler:innen der Spitze des
       Landesverbands der Wagenknecht-Partei einen autoritären Führungsstil vor,
       der zu Intransparenz, Postengeschacher „sowie einer Kultur des Misstrauens
       und der Überwachung“ geführt habe.
       
       Darüber hinaus beklagt die Gruppe eine Annäherung an die in Sachsen-Anhalt
       als gesichert rechtsextrem eingestufte AfD. „Auch im laufenden
       Landtagswahlkampf nehmen wir wahr, dass sich das BSW in Sprache und
       Themenwahl zunehmend an Positionen der AfD orientiert“, heißt es wörtlich.
       
       ## Bewusst uneindeutige Haltung zur AfD
       
       Tatsächlich bleibt die sachsen-anhaltische BSW-Landesspitze in ihrer
       Haltung zur AfD bewusst uneindeutig. Die offizielle Linie lässt sich so
       zusammenfassen: Sollte der Partei am 6. September der Sprung in den Landtag
       gelingen, werde es vom BSW keine Stimme für eine Wiederwahl von
       CDU-Ministerpräsident Sven Schulze geben. Seinen rechtsextremen
       AfD-Herausforderer Ulrich Siegmund würden die Wagenknechtler:innen
       aber auch nicht wählen. Vielleicht werde man sich aber der Stimme
       enthalten.
       
       Siegmund könnte dadurch – sollte die AfD bei der Wahl [1][die absolute
       Mehrheit verfehlen] – eventuell doch ins Amt des Ministerpräsidenten
       gehievt werden. Diese Feinheiten aber werden vom Tisch gewischt, mit dem
       Argument, dass das BSW doch eigentlich etwas ganz anderes wolle: eine
       „Bürgerregierung“ mit einem überparteilichen Ministerpräsidenten.
       
       Dass die anderen Parteien von einer „Bürgerregierung“ [2][nichts wissen
       wollen] – ebenfalls geschenkt. Der Landesverband folgt damit treu der
       aktuellen Generallinie der Parteigründerin Sahra Wagenknecht. Erst am
       Wochenende erklärte Wagenknecht erneut, das Wahlziel des BSW in
       Sachsen-Anhalt sei erst mal Schulzes Abwahl „und seine Ersetzung durch
       einen überparteilichen Ministerpräsidenten, der die Brandmauer-Idiotie
       beendet“.
       
       Der Chefin der BSW-Grundwertekommission und Wächterin über die reine Lehre
       geht es dabei weniger um Sachsen-Anhalt als um das große Ganze – den Sturz
       von Kanzler Friedrich Merz (CDU). Schulzes Abgang nach der Landtagswahl
       „wäre die nächste verdiente Klatsche für Friedrich Merz und wahrscheinlich
       das Ende seiner desaströsen Kanzlerschaft“, so Wagenknecht.
       
       ## Langer Vorlauf
       
       In Magdeburg gibt man sich unterdessen von der Austrittswelle betont
       unbeeindruckt. Bislang lägen die Austrittserklärungen nicht vor, sagte
       Landeschef John Lucas Dittrich der Mitteldeutschen Zeitung. Aber: „Es ist
       gut, dass nun Klarheit herrscht.“ Zu den Unterzeichnern der Erklärung
       bestünden „unüberbrückbare inhaltliche Differenzen“. Ihr wahres Ziel sei
       es, in Sachsen-Anhalt die CDU im Amt zu halten.
       
       Richtig ist, dass viele der nun Ausgetretenen [3][schon seit Langem über
       Kreuz liegen mit den führenden Köpfen des Landes-BSW]. „Die wollen, dass
       wir alles, was von oben kommt, einfach abnicken. Dafür bin ich 2024 nicht
       ins BSW eingetreten“, sagte im November vergangenen Jahres die damalige
       Landesgeschäftsführerin Katja Wendland zur taz. Auch Wendland ist jetzt
       unter den Ausgetretenen. Ebenso die ehemalige stellvertretende
       Landesvorsitzende Sylvia Winkelmann-Witkowsky.
       
       Spätestens bei Winkelmann-Witkowsky stellen sich angesichts der offensiven
       Anti-AfD-Argumentation der Abtrünnigen allerdings auch Fragen. So forderte
       die Orient-Archäologin aus Halle Ende 2024, nicht nur straffällig
       gewordene, jugendliche Migrant:innen „konsequent“ abzuschieben, sondern
       ihre Familien gleich mit. Das ging selbst vielen Wagenknechtler:innen
       zu weit, die darin astreine AfD-Programmatik sahen.
       
       Im aktuellen Landtagswahlprogramm setzt das BSW Sachsen-Anhalt gleichwohl
       auf eine kaum minder harte Linie. So heißt es hier: „Die heimische
       Bevölkerung ist vor Überlastungstendenzen zu schützen. Die
       Handlungsfähigkeit des Staates muss glaubhaft und sichtbar sein. Dazu
       gehört auch die konsequente Abschiebung, wenn kein Anspruch auf Asyl
       besteht, Asylmissbrauch vorliegt oder Migranten straffällig werden.“
       
       Der Zuspruch für die mit derlei AfD-light-Parolen hausieren gehende
       Wagenknecht-Partei hält sich jüngsten Umfragen zufolge in Grenzen. Auf
       derzeit 4 Prozent taxiert, würde das BSW den Einzug in den Magdeburger
       Landtag verfehlen.
       
       9 Aug 2026
       
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