# taz.de -- Thüringer Landesregierung: BSW bleibt in der Koalition
> Die Thüringer BSW-Landtagsfraktion bleibt in der „Brombeer-Koalition“ –
> trotz des Drucks aus der Bundesspitze. Kommt jetzt ein Sonderparteitag?
(IMG) Bild: Wahre Freude strahlt die BSW-Fraktion bei der Verkündung ihrer Entscheidung aus
dpa | Die Thüringer BSW-Landtagsfraktion will an der sogenannten
Brombeer-Koalition mit CDU und SPD festhalten – und stellt sich mit der
Entscheidung direkt gegen einen anderslautenden Beschluss der Bundesspitze.
„Die BSW-Fraktion hat nach intensiver Beratung einstimmig den Beschluss
gefasst, in der Regierungspolitik zu verbleiben“, sagte die
Fraktionsvorsitzende Sigrid Hupach nach einer Sitzung der
Landtagsabgeordneten in Erfurt, an der 13 der 15 Fraktionsmitglieder
teilnahmen. Nicht anwesend waren die BSW-Landtagsabgeordneten Anke Wirsing
und Sven Küntzel.
Die Debatte ist damit aber noch nicht beendet. Schon am Abend soll sich der
Landesvorstand der Partei treffen und darüber beraten, ob ein
Sonderparteitag einberufen wird.
## Anlass: Doktortitel-Frage
Der Bundesvorstand des BSW hatte den Landesverband zuvor per Beschluss
aufgefordert, Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) nicht länger zu stützen
und die sogenannte Brombeer-Koalition zu verlassen. Hintergrund ist die
Aberkennung von Voigts Doktortitel durch die TU Chemnitz. Gegen die
Entscheidung will Voigt nach Angaben seines Anwalts klagen.
Noch am Morgen vor der Fraktionssitzung in Erfurt wiederholte
Bundesvorstand Fabio De Masi im ZDF-Morgenmagazin seine Forderung, der
Landesverband des BSW müsse Voigt die Unterstützung entziehen. Die
Regierungsbeteiligung in Thüringen sei immer gegen den Willen des
Bundesvorstandes erfolgt.
Der Bundesvorstand hatte dafür plädiert, die Landtagsfraktion solle den
[1][Weg für die Wahl eines parteiunabhängigen Ministerpräsidenten
freimachen], der mit wechselnden Mehrheiten regiert.
## Schwieriges Stimmenverhältnis im Parlament
Im Thüringer Landtag sind die Mehrheitsverhältnisse schwierig. Die
deutschlandweit einzige Brombeer-Koalition aus CDU, BSW und SPD kommt auf
44 von 88 Sitzen. Sie ist für alle parlamentarischen Entscheidungen auf
zumindest indirekte Unterstützung der Linken-Fraktion angewiesen – will sie
sich nicht von der AfD als der größten Oppositionsfraktion abhängig machen.
Eine Zusammenarbeit mit der AfD hat das Bündnis in seinem Koalitionsvertrag
ausgeschlossen. BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht hingegen hat in der
Vergangenheit bereits mehrfach erklärt, dass die [2][Abgrenzung zur AfD
mittels „Brandmauer“ aus ihrer Sicht gescheitert sei]. Die AfD wird in
Thüringen wie in anderen Bundesländern auch als gesichert
rechtsextremistisch eingestuft.
## Wolf: „Keinen Grund, das BSW zu verlassen“
Die BSW-Landesvorsitzende und Thüringer Finanzministerin Katja Wolf sagte
nach der Fraktionssitzung, das BSW sei gegründet worden, um Dinge zu
verändern – auch aus einer Regierungsverantwortung heraus. Sie sei
überzeugt, dass die Thüringer Vertreter die Gründungsidee konsequent
verfolgten. „Und damit sehe ich persönlich überhaupt keinen Grund, das BSW
zu verlassen.“
Dennoch kritisierte sie die Art der Kommunikation innerhalb der Partei.
„Wir haben einen Beschluss bekommen, wo im Vorfeld in keiner Weise mit uns
geredet wurde“, sagte Wolf mit Blick auf die Forderung zum Koalitionsbruch
aus Berlin. Der BSW-Co-Landesvorsitzende Gernot Süßmuth sagte, der
Landesverband wolle sich „nicht zum [3][Spielball von Kampagnen machen
lassen], die gar nichts mit Thüringen zu tun haben“.
## Wolf: „Sonderparteitag nicht bedrohlich“
Sowohl Wolf als auch Süßmuth zeigten sich offen für Forderungen aus den
BSW-Kreisverbänden, einen Sonderparteitag einzuberufen, um über den
weiteren Kurs im Freistaat zu beraten. Das werde auf einer Sitzung des
Landesvorstandes am Abend zu diskutieren sein, sagte Wolf. „Ich persönlich
finde die Variante eines Sonderparteitags in der jetzigen Situation gar
nicht bedrohlich und gar nicht schlimm. Es braucht die Diskussion auch mit
der Basis“, so Wolf.
Auch Wagenknecht hatte noch vor der Fraktionssitzung einen
Landes-Sonderparteitag ins Gespräch gebracht. Wagenknecht vertritt die
Ansicht, dass die Auseinandersetzung nicht zwischen dem BSW im Bund und im
Landesverband stattfinde, sondern eine Auseinandersetzung mit Teilen der
Fraktion sei: „Als das BSW die Kandidaten für den Thüringer Landtag
aufgestellt hat, war die Partei erst wenige Wochen alt.“
17 Aug 2026
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