# taz.de -- Streit um Trassenpreise: Wie teuer wird die Schienen-Maut?
       
       > Steigende Trassenpreise erzürnen Eisenbahnunternehmen und auch die
       > Verkehrsminister der Länder. Sie warnen vor einem Ausbremsen der
       > Verkehrswende.
       
 (IMG) Bild: Die Trassenpreise sollen kräftig steigen, betroffen wären vor allem der Regional- und Güterverkehr
       
       Auf der Straße ist die Lage klar. Spediteure bezahlen eine Maut für die
       Nutzung der Autobahnen und mancher Landstraßen. Die Höhe der Gebühren ist
       bekannt, das Transportgeschäft damit kalkulierbar. Alle anderen Auto- und
       Kleintransporterfahrten sind kostenlos. Das Straßennetz finanziert der
       Bund. Anders ist es bei den Bahnen. Alljährlich werden die Trassenpreise,
       also Nutzungsgebühren für das Schienennetz, neu berechnet. Für Fahrten wird
       neben dem Güterverkehr auch der Fern- und Nahverkehr zur Kasse gebeten.
       
       [1][Aktuell entbrennt erneut eine Debatte darüber] – unter anderem die
       Fracht-Transporteure sind aufgebracht.
       
       Die Berechnung der Schienenmaut ist kompliziert. Am Ende muss die
       Bundesnetzagentur die Preise freigeben. Zunächst schätzt die
       Infrastrukturgesellschaft der [2][Deutschen Bahn], die InfraGO, die durch
       den Betrieb des Netzes im folgenden Jahr entstehenden Kosten. Dazu wird die
       Zahl und Länge der Fahrten prognostiziert.
       
       Zu der Summe beider Kosten kommt der voraussichtliche Gewinn von InfraGO,
       der knapp zwei Prozent des Eigenkapitals beträgt. Das ist vom Bund
       vorgegeben. Aus all diesen Posten hat die Netzgesellschaft für 2027
       zunächst rund acht Milliarden Euro Kosten errechnet und in ihrem ersten
       Antrag auf die Trassenpreise auf die verschiedenen Verkehrssparten
       verteilt.
       
       ## Deftige Preiserhöhung
       
       Die Rechnung hätte eine deftige Preiserhöhung zur Folge, insbesondere für
       den Güter- und den Regionalverkehr. Für jeden gefahrenen Kilometer müssten
       Betreiber von Güterzügen dann 4,42 Euro statt bisher 3,48 Euro bei einem
       Standardzug bezahlen.
       
       Dazu wird es zwar nicht kommen, weil die Netzagentur eine niedrigere
       Kostenschätzung ansetzte. Doch der inzwischen schon dritte Antrag von
       InfraGO sieht immer noch eine Anhebung auf 3,92 Euro pro Kilometer vor.
       Nach Berechnung des Verbands Die Güterbahnen kämen damit 112 Millionen Euro
       Mehrbelastung auf die Cargo-Transporteure zu.
       
       Entsprechend sauer sind die Unternehmen, zumal InfraGO gegen die
       Kostenfestsetzung der Netzagentur klagt und einen höheren Ansatz
       durchsetzen will. Entschieden wird wohl erst kurz vor dem Jahresende. „Die
       Eisenbahnverkehrsunternehmen bestellen seit März ihre Trassen für den neuen
       Fahrplan, ohne zu wissen, was diese am Ende kosten werden“, schimpft
       Verbands-Experte Oliver Smock.
       
       Das Trassenpreissystem steht schon seit Jahren in der Kritik und soll
       eigentlich reformiert werden. Um wenigstens den Nahverkehr vor allzu hohen
       Preissteigerungen zu bewahren, wurde der Anstieg für den Regionalverkehr
       gedeckelt. Das hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) allerdings in diesem
       Jahr verworfen. Nun müssen auch die Länder, die den Nahverkehr bezahlen,
       mit einer satten Anhebung der Trassenpreise schon für 2026 und noch einmal
       für 2027 klarkommen.
       
       Die Verkehrsministerkonferenz fordert vom Bund einen Ausgleich der
       Mehrkosten. „Ein Nichthandeln der Bundesregierung wird zu einer
       Verringerung des SPNV-Verkehrsangebots und somit zu einer schlechteren
       Mobilität für Bürgerinnen und Bürger führen“, erklärten die Minister aller
       Länder.
       
       Mit dem bisherigen System wird die Verkehrswende ausgebremst. Im Nahverkehr
       werden entweder weniger Züge fahren oder die Preise, auch für das
       [3][Deutschlandticket], schießen in die Höhe. Der Güterverkehr verliert
       gegenüber den Straßentransporten an Wettbewerbsfähigkeit. „Die
       resultierenden Mehrbelastungen der Länder und Aufgabenträger aus der
       Erhöhung der Trassenpreissysteme für den SPNV stehen in eklatantem
       Widerspruch zu den angestrebten verkehrs- und klimapolitischen
       Zielsetzungen“, kritisieren die Länder.
       
       Reformvorschläge gibt es durchaus. Doch noch hat das
       Bundesverkehrsministerium keinen Vorschlag vorgelegt. Es könnte sogar noch
       komplizierter werden, wenn sich die Grünen mit einem Gesetzentwurf
       durchsetzen. Um im künftigen Wettbewerb im Fernverkehr auch in der Fläche
       viele Ziele ans Netz anzubinden, sollen die Trassenentgelte bei unrentablen
       Schienenwegen gesenkt werden, bis es sich für ein Bahnunternehmen lohnt,
       darauf zu fahren.
       
       21 Aug 2026
       
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