# taz.de -- Viele Baustellen im Verkehrsministerium: Die To-do-Liste für den neuen Verkehrsminister
       
       > Steffen Bilger löst den glücklosen Vorgänger Patrick Schnieder ab. Der
       > hinterlässt viele ungelöste Probleme.
       
 (IMG) Bild: Sanierungsarbeiten an der Autobahn A2: Der neue Verkehrsminister Steffen Bilger muss Straßen und Schienen auf Vordermann bringen
       
       Der designierte neue Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) übernimmt
       ein Haus mit vielen Baustellen. Der Verkehrssektor ist beim Klimaschutz
       weit zurück. Die CO₂-Emissionen in diesem Bereich sinken nicht schnell
       genug, um die Klimaziele zu erreichen. Straßen und Brücken sind in einem
       schlechten Zustand, die Deutsche Bahn ebenfalls. Die Erwartungen an Bilger
       sind entsprechend hoch. „Für einen echten Neuanfang in der Verkehrspolitik
       muss Friedrich Merz nicht nur den Minister auswechseln, sondern auch den
       Kurs korrigieren“, fordert Martin Kaiser von Greenpeace.
       
       Schienennetz modernisieren 
       
       Bahnfahren muss zuverlässiger funktionieren. Wenn mehr Menschen Bahn statt
       Auto fahren, sinken die CO₂-Emissionen. Dafür müssen Strecken zügig saniert
       werden. Vor allem bei vollständigen Sanierungen von stark befahrenen
       Strecken wie zwischen Berlin und Hamburg hapert es. „Insgesamt dauert es zu
       lange“, sagt der Sprecher des Fahrgastverbands Pro Bahn Detlef Neuß zur
       taz.
       
       Außerdem zahlt die Deutsche Bahn zurzeit hohe Preise, um die Schienen
       befahren zu dürfen. Dieses sogenannte Trassenpreissystem müsse reformiert
       werden, sagt Neuß vom Fahrgastverband. Der Bund müsse die Kosten für die
       Trassen subventionieren, um Fahrpreise für Personen- und Güterverkehr
       erschwinglicher und die Bahn gegenüber dem Verbrenner konkurrenzfähig zu
       machen.
       
       Wichtig sei, dass die Finanzierung für Sanierung und Ausbau des Bahnnetzes
       auch wirklich kommt, sagt der ökologische Verkehrsclub (VCD). „Hierfür muss
       der Bund das nötige Geld bereitstellen – und zwar planbar und verlässlich“,
       fordert die Bundesvorsitzende Christiane Rohleder. Der Auto Club Europa
       (ACE) sagt, dass Mittel aus dem kreditfinanzierten Sondervermögen
       Infrastruktur und Klimaneutralität verstärkt für die Modernisierung
       eingesetzt werden sollten.
       
       Straßen und Brücken 
       
       Der Verkehr leidet unter [1][maroder Infrastruktur]. Baustellen und
       Brückensperrungen wie im Bonner Norden behindern Autofahrende und den
       Güterverkehr enorm. Straßen und Brücken müssen zügiger saniert werden als
       bisher. „Wir erwarten, dass mit den Investitionen Straßen, Brücken und
       Schienen vorrangig saniert und modernisiert werden“, fordert der ACE mit
       Blick auf das Sondervermögen.
       
       Die Umweltorganisation Greenpeace spricht sich dafür aus, „kein weiteres
       Geld in den Aus- oder Neubau von Autobahnen“ zu stecken, um zusätzliche
       Schadstoffausstöße zu verhindern.
       
       Autoindustrie und Elektromobilität 
       
       Das Verkehrsministerium muss den Wandel der Autoindustrie mit klaren
       Vorgaben zum CO₂-Ausstoß und einem Fokus auf die Umstellung auf
       Elektroantrieb begleiten, fordern Umweltverbände. Benzin und Diesel
       verstärken fossile Abhängigkeit und treiben die Klimakrise weiter voran,
       sagen sie. Seit Langem verlangen Umweltverbände und
       Klimaschützer:innen ein Tempolimit auf Autobahnen von 130
       Stundenkilometern, weil damit der CO₂-Ausstoß von Fahrzeugen schnell und
       unkompliziert gesenkt werden kann.
       
       Außerdem dringen viele Verbände darauf, dass die Bundesregierung die
       Elektromobilität stärker fördert. Dazu muss nicht nur die Ladeinfrastruktur
       ausgebaut werden. Auch die Stromsteuer muss sinken, damit E-Autos
       attraktiver werden, sagt der ACE. Greenpeace will eine stärkere finanzielle
       Förderung für E-Autos vor allem in Gebieten, in denen der ÖPNV schwach
       ausgebaut ist.
       
       Fahrrad 
       
       Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) und der ACE fordern
       zusammenhängende und sichere Radwegnetze. Auch diese müssen von Bund,
       Ländern und Kommunen langfristig finanziert werden. Die Organisationen
       wollen „eine verbindliche Umsetzung des nationalen Radverkehrsplans“.
       Dieser sieht einen systematischen Ausbau von Radinfrastruktur vor, damit
       mehr Menschen das Rad statt das Auto benutzen.
       
       Bilgers [2][Vor-Vorgänger Andreas Scheuer hatte einen nationalen
       Radverkehrsplan] vorgelegt und viel Geld für den Radverkehr in die Hand
       genommen. Damals war Bilger Scheuers Staatssekretär.
       
       Öffentlichen Nahverkehr stärken 
       
       Nicht nur die Deutsche Bahn, auch der öffentliche Nahverkehr ist vielerorts
       in einer Krise. Vor allem im ländlichen Raum fehlt in vielen Regionen eine
       solide Anbindung. Der Bund ist teilweise für die Finanzierung
       verantwortlich. Auch [3][beim Deutschlandticket] ist der Bund beteiligt.
       Hier gibt es immer wieder Streit zwischen Bundesregierung und Ländern über
       die Kostenaufteilung.
       
       Greenpeace und etliche andere Umwelt- und Verbraucherverbände fordern
       Preissenkungen beim Deutschlandticket und die Einführung einer günstigeren
       Monatsfahrkarte für Menschen mit wenig Geld.
       
       27 Jul 2026
       
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       Zeit.