# taz.de -- Boni für Bahn-Manager: Warum erst jetzt?
       
       > Verkehrsminister Bilger will das Gehalt der Bahn-Manager an die
       > Pünktlichkeit auf der Schiene knüpfen. Wieso ist das nicht längst der
       > Fall?
       
 (IMG) Bild: Kommt selten pünktlich: ein ICE im Kölner Bahnhof
       
       Interessierte Bahn-Reisende dürften anlässlich der jüngsten Einlassungenen
       des neuen Bundesverkehrsministers gestaunt haben. „Es wird sich konkret auf
       die Bonuszahlungen von Bahn-Managern auswirken, wenn die Ziele, die der
       Bund vorgibt, nicht eingehalten werden“, sagte [1][Steffen Bilger (CDU)]
       Springers heißem Blatt. Boni sollen nun an Pünktlichkeitsvorgaben geknüpft
       werden.
       
       Echt jetzt? Das ist kein Aprilscherz im Sommerloch? Nicht falsch verstehen.
       Den Bahn-Manager die Boni zu nehmen, wenn die Züge nicht pünktlich kommen,
       ist wirklich eine gute Idee. Aber sie ist sogar so gut und naheliegend,
       dass sich die Frage aufdrängt, warum es noch kein Verkehrsminister vor
       Bilger es geschafft hat, auf diese Idee zu kommen.
       
       Überall in der freien Wirtschaft sind Boni für Manager an konkrete
       Zielvorgaben geknüpft. Weil es bekannt ist, dass Vorstände gerne tricksen
       und die Zahlen kurzfristig schönrechnen, ist es auch gang und gäbe, die
       Sonderzahlungen an den langfristigen Erfolg des Unternehmens zu koppeln und
       erst nach ein paar Jahren auszuzahlen.
       
       Nun ist die Bahn [2][kein normales kapitalistisches Unternehmen]. Weil ihre
       Privatisierung während der letzten großen Finanzkrise abgeblasen wurde, ist
       sie noch immer komplett in Staatshand. Das ist auch gut so, denn sie
       erfüllt einen sehr wichtigen Zweck der öffentlichen Daseinsvorsorge:
       Menschen und Güter auf der Schiene von A nach B zu befördern. Das sollte
       auch so bleiben. Und deswegen sollten Bahn-Manager auch nach Pünktlichkeit
       und Zuverlässigkeit der Verbindungen und nicht nach irgendwelchen
       betriebswirtschaftlichen Kennzahlen bezahlt werden.
       
       Dass es unter Bilger [3][bei der Bahn wirklich besser wird], scheint
       dennoch unwahrscheinlich. Schließlich gab er als offizielles Ziel für den
       Fernverkehr bis 2029 eine Pünktlichkeitsquote von 70 Prozent bekannt. 100
       Prozent werde es auf absehbare Zeit nicht geben, so der Politiker. Und
       insofern sind die Ankündigungen des neuen Verkehrsministers dann leider
       doch nicht so überraschend.
       
       10 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Der-neue-Bundesverkehrsminister/!6200547
 (DIR) [2] /Ueberraschende-Halbjahresbilanz/!6200369
 (DIR) [3] /Bauarbeiten-bei-der-Bahn/!6188692
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Simon Poelchau
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Steffen Bilger
 (DIR) Deutsche Bahn
 (DIR) Bundesverkehrsminister
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) klimataz
 (DIR) Bahnverkehr
 (DIR) Deutsche Bahn
 (DIR) Schifffahrt
 (DIR) Bundeskabinett
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Streit um Trassenpreise: Wie teuer wird die Schienen-Maut?
       
       Steigende Trassenpreise erzürnen Eisenbahnunternehmen und auch die
       Verkehrsminister der Länder. Sie warnen vor einem Ausbremsen der
       Verkehrswende.
       
 (DIR) Zwei ZDF-Dokus über die Bahn: Bahn frei für Bahn-Bashing?
       
       Zwei ZDF-Dokus widmen sich dem Phänomen Deutsche Bahn. Am Ende steht
       jeweils ein ähnliches Fazit: Die DB ist das Sinnbild für die ganze
       Republik.
       
 (DIR) Krisentreffen gegen Niedrigwasser: Immer tiefer Rhein
       
       Niedrige Pegelstände großer Flüsse bedrohen auch Ökosysteme. Der
       Bundesverkehrsminister plant trotzdem nur Maßnahmen für die Rettung der
       Wirtschaft.
       
 (DIR) Der neue Bundesverkehrsminister: Viel Freude, viele Baustellen
       
       Steffen Bilger, zuletzt Geschäftsführer der Union im Bundestag, wird
       Verkehrsminister. Im neuen Job warten marode Brücken, Schienen und Straßen.