# taz.de -- Wahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern: Grüner Aufbau Ost
       
       > Ob die Grünen in Mecklenburg-Vorpommern wieder in den Landtag einziehen,
       > ist unsicher. Zwei westdeutsche Unternehmer wollen mit ihrem Geld helfen.
       
 (IMG) Bild: Die Landesvorsitzende Katharina Horn (Bündnis 90/Die Grünen)
       
       Die Grünen in Mecklenburg-Vorpommern haben ihr Ziel eindeutig formuliert:
       Bei der Landtagswahl in zwei Monaten [1][wollen sie die Fünf-Prozent-Hürde
       überwinden]. Nicht mehr, vor allem aber: nicht weniger. In der jüngsten
       Umfrage stehen die Grünen zwar bei genau 5 Prozent und kämen damit wieder
       in den Landtag. Aber: „Umfragen sind auch nur Momentaufnahmen, das ist uns
       klar“, sagt Grünen-Landeschefin Katharina Horn.
       
       Umso wichtiger sei es jetzt, alle Kräfte für den Wahlkampf zu mobilisieren,
       sagt auch Martin Bauer, ein Grünen-Mitglied und Unternehmer aus dem fernen
       Schwäbisch-Hall. Der Biofleisch-Händler schloss sich Mitte Juli einer
       Spendenkampagne an, die der Hamburger Start-up-Unternehmer Gunnar Froh kurz
       zuvor für die Grünen im Nordosten gestartet hatte. Der Name der Initiative:
       „[2][einpunktmehr]“.
       
       In weniger als drei Wochen sind so fast 230.000 Euro zusammengekommen. Die
       Spenden gehen direkt an den Landesverband, jeder Euro wurde zunächst von
       Froh und Bauer verdoppelt, Froh schoss 50.000 Euro dazu, Bauer die nächsten
       25.000. Längst sei das Projekt ein Selbstläufer. „Die Resonanz ist der
       Wahnsinn“, sagt Bauer zur taz. Es reiche schon, wenn jemand wenige Euro
       spendet. Die Masse macht's.
       
       Der 60-jährige Baden-Württemberger hatte nach eigenen Angaben bislang kaum
       bis keine Berührungspunkte zu Mecklenburg-Vorpommern und eher durch Zufall
       von der Hamburger Initiative gehört. „Da dachte ich mir: Hier kannst du
       wirklich wirksam werden, für die Grünen, klar, aber auch gegen die AfD und
       damit für unsere Demokratie insgesamt.“
       
       ## Schwache Strukturen
       
       Die Eigenmittel des Grünen-Landesverbands für den Wahlkampf sind für ein
       Bundesland mit dieser Fläche überschaubar. 350.000 Euro sind zwar nicht
       nichts. SPD und CDU hatten aber von Beginn an je gut dreimal so viel in der
       Kasse, AfD und Linke rund das Doppelte. Ein Grund für das knappe
       Grünen-Budget sind die [3][schwachen Strukturen]. Die Partei kommt in ganz
       Mecklenburg-Vorpommern auf gerade mal 1.700 Mitglieder – weniger, als der
       Kreisverband von Berlin-Pankow oder Bonn zählt.
       
       Immerhin: Mittlerweile sind 800.000 Euro im grünen Wahlkampf-Topf. Zum
       einen, weil der Bundesverband noch ordentlich draufgelegt hat, zum anderen
       aber auch aufgrund der Spenden. Natürlich schauten viele aus ganz
       Deutschland nun auf Mecklenburg-Vorpommern, sagt Landeschefin Katharina
       Horn zur taz. „Die daraus resultierende Spendenbereitschaft ist trotzdem
       sehr viel größer, als wir je zu hoffen gewagt hatten.“
       
       Das Geld von „einpunktmehr“ soll in Anzeigen, Plakate, den Straßenwahlkampf
       und die Mobilisierung in den letzten Wochen vor der Wahl am 20. September
       fließen. Der Landesverband selbst will die Mittel strategisch einsetzen.
       „Auch wenn wir jetzt viele Spenden bekommen, machen wir keinen Wahlkampf
       mit der Gießkanne“, so die Landesvorsitzende.
       
       Martin Bauer ist es recht. „Es geht um Sichtbarkeit.“ Wo das angebracht
       ist, wüssten die Grünen vor Ort am besten. „Wir wollen da auch gar keinen
       Einfluss drauf nehmen.“ Worauf er Einfluss nehmen will – und sei es nur mit
       seinem Geld und Engagement –, ist das Wahlergebnis. Er ist überzeugt:
       „Letztlich werden bei der Wahl vielleicht ein paar Tausend Stimmen darüber
       entscheiden, ob die Grünen den [4][Wiedereinzug in den Schweriner Landtag]
       schaffen und es eine stabile demokratische Mehrheit gegen die AfD gibt.“
       
       Und Sachsen-Anhalt? Auch hier wird im September gewählt, wobei die AfD
       vermutlich weitaus näher an einer eigenen Mehrheit ist als in
       Mecklenburg-Vorpommern. „Wir haben darüber diskutiert“, sagt Bauer. Eine
       weitere Kampagne in Sachsen-Anhalt sei angedacht.
       
       31 Jul 2026
       
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