# taz.de -- Kampf gegen Rechtsextreme im Osten: Wie man den Förster rockt
> Rechtsextreme in der Regierung, davor sorgen sich viele in
> Mecklenburg-Vorpommern. Unsere Autorin lebt mit welchen im gleichen Dorf.
> Und hält laut dagegen.
(IMG) Bild: Birgit und Horst Lohmeyer in ihrem Garten
Am 20. September wählt Mecklenburg-Vorpommern einen neuen Landtag. Dann
wird sich zeigen, ob sich die düsteren Deutungen, dass immer mehr
Ostdeutsche die Demokratie in Zweifel ziehen, bewahrheiten.
Je nach Umfrage wollen aktuell 36 bis 40 Prozent in meinem Bundesland der
verfassungswidrigen Rechts-außen-Partei AfD ihre Stimme geben. Autokratie
scheint hier nicht mehr verpönt, sondern denkbar und von vielen gewollt zu
sein. Unrealistische Erwartungen, persönliche Verletztheit, etwa durch
„nicht gewürdigte Lebensleistungen“, Zweifel an der eigenen
Selbstwirksamkeit, immer wieder ausgedrückt als „die da oben“, und Groll
auf politische Mandatsträger*innen prägen die politische Stimmung vor
Ort.
[1][Wer hier antifaschistisch unterwegs ist], wird, ganz im Sinne der
überholten Hufeisentheorie, als linksextrem gelabelt. Gleichzeitig bieten
die Einschüchterung durch Rechtsextreme, bürgerschaftliches Phlegma und
Sympathien für rechts allerorten Nährboden für Fremdenfeindlichkeit,
Politikverdrossenheit und Verurteilung von zivilgesellschaftlichem
Engagement.
Manch eine*r in Mecklenburg-Vorpommern glaubt dennoch, es werde schon
nicht so schlimm kommen, wenn die AfD die September-Wahl gewinnt und unser
Bundesland regiert. „Wir haben schließlich nicht 1933“, sagte gerade erst
eine politisch sehr links stehende Person meinem Mann und mir gegenüber.
Ich bin schockiert von dieser Naivität.
## Teil des Problems: die CDU Mecklenburg-Vorpommern
Denn es ist ja schon längst sehr schlimm – und das liegt beileibe nicht nur
an der blauen Partei, die mit 14 Sitzen die zweitstärkste Fraktion in
unserem Landesparlament ist, sondern auch an dem Klima, das sie und ihre
Mutterpartei in der gesamten Bundesrepublik erzeugen. Am Beispiel unseres
Festivals zeigt sich, dass Kräfte in der CDU Mecklenburg-Vorpommerns – die
offiziell die sogenannte Brandmauer gegen die AfD hochhält – längst dabei
sind, bei der rechten Wählerklientel zu fischen.
Sie drangsalieren und verunglimpfen vermeintlich und tatsächlich linke
Akteur*innen. Hiesige CDUler*innen halten alles für linksextrem, was
politisch links von ihnen steht. Seit Jahren haben wir etwa den Landrat
persönlich zu unserem Festival eingeladen – gekommen ist er nie.
Die „Blauen“ sind natürlich viel schärfer in der Bekämpfung
bürgerschaftlichen Engagements, das ihnen nicht genehm ist. Aber wie stark
der Wind auch schon von CDU-Seite gegen zivilgesellschaftliches Engagement
weht, haben wir voriges Jahr deutlich zu spüren bekommen: an den
Sabotagestrategien gegen unser ehrenamtlich organisiertes Festival „Jamel
rockt den Förster“.
2025 haben wir das Festival nach 18 Jahren erstmals als politische
Versammlung angemeldet. Denn nichts anderes ist der „Forstrock“ mit seinen
Informationsständen, Workshop- und Diskussionsangeboten von NGOs,
Gewerkschaften und Initiativen. Na klar, Musik gibt es auch.
Nun war also die Versammlungsbehörde des Landkreises zuständig für
Genehmigungen beziehungsweise Auflagen. Der CDU-Landrat, oberster
Dienstherr des Landkreises, ließ unsere Versammlung mit Auflagen belegen,
von denen selbst [2][das Verwaltungsgericht Schwerin] einen Großteil für
übertrieben erachtete.
Der Fraktionsvorsitzende der CDU im Landtag Mecklenburg-Vorpommern sprang
ihm bei und unterstellte medienwirksam dem gemeinnützigen
Festivalträgerverein und den Initiator*innen Horst und Birgit Lohmeyer,
also meinem Mann und mir, unlautere persönliche Gewinnerzielungsabsichten
mit dem „Forstrock“.
Wir wehrten uns mit Unterstützung unserer Anwält*innen teilweise
erfolgreich gegen die stark überzogenen Auflagen, die der
Festivalträgerverein von der Behörde bekam: etwa ein Alkoholverbot auf dem
gesamten Gelände, ein Glasverbot sogar für den Ausschank der Gastrostände,
88 (sic!) Ordner*innen und die Bekanntgabe derer persönlicher Daten.
Die Gerichte kassierten einige der überzogensten Auflagen ein. Nach einer
Niederlage vor dem Verwaltungsgericht Schwerin versuchte der Landrat dann
öffentlich den Eindruck zu erwecken, das Gericht setze Aufträge der
Landesregierung um; er zog also die Unabhängigkeit des Gerichts massiv in
Zweifel.
Um das Versammlungsrecht durchzusetzen, [3][mussten wir eine Vielzahl von
gerichtlichen Verfahren führen.] Und selbst am ersten Tag der Versammlung
„Forstrock“ versuchte die Versammlungsbehörde noch, für Rechtsunsicherheit
zu sorgen.
Insgesamt wirkte das Anmelde- und Beauflagungsverfahren zeitweise
schikanös. Im Verlauf der Auseinandersetzungen beauftragte der Landrat
sogar dieselbe Potsdamer Anwaltskanzlei, die auch für den Bundeskanzler
tätig ist und entsprechend saftige Honorare berechnet, mit der Vertretung
seiner Interessen in der Causa Forstrock. Das hat unseren Landkreis, ergo
die Steuerzahler*innen, eine hohe fünfstellige Summe gekostet. Und das,
obwohl in der Versammlungsbehörde des Landkreises knapp 10 Jurist*innen
arbeiten.
Mecklenburg-Vorpommerns Zivilgesellschaft, so scheint es, steht vor dem
Abgrund. Die Auseinandersetzungen um unser Festival lassen erahnen, was
überall im Land drohen dürfte, wenn die Schicksalswahl in wenigen Wochen zu
Ungunsten der Demokratie ausgeht.
Die politische Strategie von Rechts-außen-Akteur*innen, denen das Verhalten
der CDU in unserem Bundesland stark ähnelt, ist klar: aktive Bürger*innen,
zivilgesellschaftliche Einrichtungen und NGOs als Feindbilder aufbauen,
Zweifel an ihrer Arbeit säen, das Vertrauen in Engagement untergraben. Das
Ziel: Menschen einzuschüchtern und kritische Stimmen zum Schweigen zu
bringen.
Kulturelle Förderungen würden unter einer AfD-Regierung noch stärker
eingeschmolzen oder ganz gestrichen werden, wenn sie nicht volkstümlich und
deutsch genug sind. Das würde multikulturelle, queere, migrantische und
andere soziale Projekte treffen. Politische Bildung würde als überflüssig
abgeschafft werden.
Ich kann nur allen von staatlicher Förderung abhängigen Strukturen und
ehrenamtlich Tätigen raten, sich beizeiten juristischen Beistand zu
organisieren. Denn eine effektive Gegenwehr gelingt nur mit Hilfe von
Anwält*innen, [4][zum Beispiel dem Gegenrechtsschutz von FragDenStaat] und
der Gesellschaft für Freiheitsrechte.
Darüber hinaus sinnvoll: Sich austauschen mit anderen Aktiven,
kontinuierlich. Und gemeinsam Gegenstrategien entwickeln. Um Anfeindungen
von rechts gut begegnen zu können, braucht es zudem – neben persönlicher
Resilienz – die Unterstützung durch ein tragfähiges Netzwerk
unterschiedlicher Akteur*innen.
Dies zu schaffen bedeutet, Partner*innen aus Politik und Verwaltung,
Unternehmen, Gewerkschaften zu begeistern: für die Stärkung der offenen
Gesellschaft und gegen die rechten Menschenfeinde. „Nur gemeinsam sind wir
stark“ gilt auch in diesem Zusammenhang.
2 Aug 2026
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## AUTOREN
(DIR) Birgit Lohmeyer
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