# taz.de -- Regionalbüro in Eisenach geplant: Hessens Grüne helfen im nahen Osten aus
       
       > Grünen-Chef Banaszak eröffnete letztes Jahr fern der Heimat ein
       > Wahlkreisbüro in Brandenburg. Andere West-Abgeordnete expandieren jetzt
       > nach Thüringen.
       
 (IMG) Bild: Bislang nur wenig grün: der Marktplatz von Eisenach
       
       Vor den Landtagswahlen im September zittern die Grünen: In den ostdeutschen
       Ländern Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern steht ihr Wiedereinzug in
       die Parlamente auf der Kippe. Fliegen sie raus, wirkt sich das nicht nur
       auf die Landeshauptstädte aus – sondern auch auf die politische Praxis der
       Partei in der Fläche.
       
       Im thüringischen Eisenach lässt sich das schon jetzt begutachten. Im
       Freistaat scheiterten die Grünen bereits [1][bei der Landtagswahl 2024] an
       der Fünfprozenthürde. Auch das Wahlkreisbüro, das ein Landtagsabgeordneter
       bis dahin in der 40.000-Einwohner-Stadt unterhielt, musste daraufhin
       schließen. Hauptamtliche Mitarbeiter haben die Grünen in Eisenach jetzt
       nicht mehr. Know-how, Ressourcen und Sichtbarkeit fehlen – zumal mit Katrin
       Göring-Eckardt nur eine einzige grüne Bundestagsabgeordnete aus Thüringen
       kommt
       
       „Hier in der Region wird zum Beispiel gerade über Standorte für neue
       Windräder entschieden. Wir können nicht mal fix einen Abgeordneten für eine
       Infoveranstaltung darüber einladen“, sagt Nele Bär, Co-Vorsitzende des
       grünen Regionalverbands. „Und wenn ich sagen würde, ich mache eine
       Sommertour durch den Landkreis, hätte das natürlich viel weniger Gewicht
       als bei einem Abgeordneten.“
       
       Jetzt bekommen die 24-Jährige und ihr Verband aber Unterstützung: Ende
       August werden die sieben grünen Bundestagsabgeordneten aus dem benachbarten
       Hessen nach Thüringen expandieren. Sie legen zusammen, schichten Mittel und
       Personal aus ihren Büros in Berlin und den Wahlkreisen um und mieten sich
       in die Eisenacher Grünen-Geschäftsstelle ein. Gemeinsam betreiben sie dort
       in Zukunft ein Regionalbüro.
       
       ## Nicht die Ersten
       
       Es ist schon die zweite Ost-Niederlassung, die West-Abgeordnete der Grünen
       eröffnen: Parteichef Felix Banaszak, über die Landesliste
       Nordrhein-Westfalen in den Bundestag eingezogen, unterhält seit letztem
       Herbst ein Büro in Brandenburg an der Havel. Nach Parteiangaben war er
       seitdem im Schnitt dreimal pro Quartal vor Ort, zum Beispiel für
       Bürgergespräche oder Treffen mit THW und DLRG.
       
       [2][Bei der Eröffnung] bezeichnete er sein Projekt als „Lernort“ und sein
       „Fenster in den Osten“ – und rief Fraktionskolleg*innen auf, seinem
       Beispiel zu folgen. Die Hess*innen sehen sich jetzt aber nicht als
       Nachahmer*innen. „Die Idee und die Kontakte hatten wir schon länger. Felix’
       Aktion in Brandenburg hat unsere Planung dann beschleunigt“, sagt der
       Kasseler Abgeordnete Boris Mijatović.
       
       Ein wesentlicher Unterschied zwischen beiden Projekten: Banaszak, Wahlkreis
       Duisburg, hatte zuvor wenig Berührungspunkte mit Brandenburg. Eisenach
       liegt dagegen nur wenige Kilometer von der hessischen Grenze entfernt. Man
       kennt sich und hat schon lange gemeinsame Themen: den Bau der A44 zwischen
       Kassel und Eisenach oder die [3][Versalzung des Grenzflusses Werra] durch
       den Kalibergbau.
       
       ## Respekt für den Korkenzieher
       
       Etwa ein Mal pro Monat soll in Zukunft eine*r der hessischen Abgeordneten
       für Gespräche oder Veranstaltungen nach Eisenach kommen. Dauerhaft wird
       eine Mitarbeiterin die Stellung halten. In der Ausschreibung setzten die
       Abgeordneten für den Job eine Wochenarbeitszeit von 10 bis 14 Stunden an.
       
       Was die ganze Aktion bringt? „Vor Ort zu sein, macht einen Unterschied“,
       sagt Boris Mijatović. „In die eine Richtung wollen wir die Entscheidungen
       vermitteln, die wir im Bundestag treffen. In die andere Richtung wollen wir
       Thüringer Perspektiven mit nach Berlin nehmen – zum Beispiel die Sorgen um
       das Opelwerk in Eisenach oder die Folgen der Landflucht.“ Gelegenheit, die
       Grünen zu kritisieren, werde man den Menschen natürlich auch geben.
       
       Ob nicht trotzdem die Gefahr besteht, dass die Hess*innen am Ende als
       „Besserwessis“ wahrgenommen werden, die dem Osten die Welt erklären? „Ich
       weiß, was Sie meinen“, meint darauf angesprochen die Eisenacher Grüne Nele
       Bär. Aber die Unterstützung ermögliche es ihrem Regionalverband, Strukturen
       vor Ort aufzubauen, und die neue Mitarbeiterin im Büro komme aus der
       Region.
       
       „Außerdem ist die AfD im Osten doch auch mit Politikern aus dem Westen
       erfolgreich. Warum soll das bei uns nicht funktionieren?“ Man müsse eben
       ehrlich auf die Menschen zugehen und ernsthaftes Interesse zeigen.
       
       Kenntnisse über Land, Leute und kulturelle Schätze beweist zumindest der
       Kasseler Abgeordnete Mijatović schon mal. „In Eisenach haben sie leckere
       Bratwurst“, sagt er. „Und sie haben den Korkenzieher erfunden.“
       
       11 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Gruenen-Niederlage-im-Osten/!6033626
 (DIR) [2] /Krise-der-Gruenen-in-Ostdeutschland/!6125870
 (DIR) [3] /Salzeinleitung-in-Weser-und-Werra/!5791497
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Tobias Schulze
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Bündnis 90/Die Grünen
 (DIR) Eisenach
 (DIR) Schwerpunkt Thüringen
 (DIR) Hessen
 (DIR) Social-Auswahl
 (DIR) Wahlen in Ostdeutschland 2026
 (DIR) Schwerpunkt Landtagswahl in Sachsen-Anhalt
 (DIR) Bündnis 90/Die Grünen
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Wahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern: Grüner Aufbau Ost
       
       Ob die Grünen in Mecklenburg-Vorpommern wieder in den Landtag einziehen,
       ist unsicher. Zwei westdeutsche Unternehmer wollen mit ihrem Geld helfen.
       
 (DIR) Lehre aus gescheiterten Wahlkämpfen: Grüne gegen Pferderennen (wenn es ihnen gerade hilft)
       
       Vor den Landtagswahlen im September werben die Grünen mit taktischen
       Argumenten. Eine neue Umfrage für Sachsen-Anhalt kommt ihnen dabei gelegen.
       
 (DIR) Krise der Grünen in Ostdeutschland: Grüne, hört die Signale
       
       Grünen-Chef Felix Banaszak will die Präsenz seiner Partei im Osten stärken.
       Jetzt hat der Duisburger ein Abgeordnetenbüro in Brandenburg eröffnet.