# taz.de -- Friedrich Merz und seine Partei: Nicht nur eine Frage des Stils
       
       > Beim Kabinettsumbau hat der Kanzler große Teile der CDU verprellt, und
       > sich selbst einen Autoritätsverlust beschert. Das muss man erstmal
       > hinkriegen.
       
 (IMG) Bild: Ist sein Stern im Sinken begriffen? Kanzler Merz nach dem Kabinetts-Chaos am 29. Juli
       
       Machtpolitisch sei der Rücktritt von Jens Spahn ein echter Glücksfall für
       Friedrich Merz, da waren sich viele vor Kurzem noch sicher. Ohne unwürdigen
       Machtkampf einen Konkurrenten loswerden zu können, das ist eine
       Steilvorlage zur Machtsicherung. Aber es kommt halt darauf an, was man dann
       daraus macht.
       
       Merz [1][hat große Teile seiner Partei verprellt und sich selbst einen
       gewaltigen Autoritätsverlust beschert]. In nur drei Tagen. Es war fast
       spektakulär wie Merz, der seinen Amtsvorgänger Olaf Scholz mal als
       „Klempner der Macht“ bezeichnet hatte, die Personalrochade anging: Lücke
       aufreißen, Lücke irgendwie stopfen, Lücke aufreißen …
       
       Dass Merz einen Hang zum Aktionismus hat, wissen wir. Aber so? Aktionismus
       kann helfen, Macht zu bekommen, aber um sie zu behalten, ist Talent zum
       Stoischen entscheidender. Das galt zumindest für machtstrategische
       Charaktere wie Helmut Kohl und Angela Merkel. Kohl wurde „Machtmensch“
       genannt, Merkel „Physikerin der Macht“, Merz’ medialer Spitzname lautet
       „CEO“. Ein mächtiger Posten, aber ein Wort ohne Machtattribut.
       
       Auch in der Wirtschaftswelt gilt Personalpolitik als heikles Terrain. Wird
       die Umbesetzung präsentiert, sollten Chef und Nachrücker:innen
       selbstgewisse Zuversicht zur Schau stellen. Auf der Pressekonferenz zum
       Kabinettsumbau hingegen sah der neue [2][Gesundheitsminister Carsten
       Linnemann] aus, als sei ihm wieder eingefallen, dass er vor 14 Monaten noch
       sagte: „Als Gesundheitsminister wäre ich wahrscheinlich nicht erfolgreich
       gewesen.“ Merz hatte bei dieser Pressekonferenz noch ein weiteres Problem:
       Er konnte keinen neuen Verkehrsminister hervorzaubern.
       
       ## Dafür muss man nicht mal die Serie „Borgen“ gucken
       
       Auch in der Wirtschaft sind Entlassungen unwürdig, aber oft diskreter. Und:
       Geschasste Topmanager können gesichtswahrend sagen, sie träumten schon
       lange von einer Alpakafarm. Spitzenpolitiker wie [3][Patrick Schnieder]
       eher nicht. Dafür ist die Demission zu öffentlich.
       
       Dass die Stimmung in der CDU wegen des Agierens von Merz in diesem Fall
       kippte, ist kein Zufall. Stilfragen sind in einer Partei, die sich das
       Adjektiv bürgerlich verpasst hat, keine Petitesse. Das wurde spätestens auf
       der CDU-Vorstandsitzung klar, aus der vor allem harte Kritik nach außen
       drang. Fürsprecher des Kanzlers waren so rar, dass man nicht mal die Serie
       „Borgen“ geschaut haben muss, um zu wissen: Die Lage ist ernst. Wird es
       still und einsam um jemanden, geht es um die Machtfrage.
       
       Merz findet sich am Ende dieser Woche in einer Partei wieder, die ihn ab
       jetzt kritisch begleitet. Mit [4][Franziska Hoppermann hat er eine neue
       Generalsekretärin], deren Vorbild Heiner Geißler ist. Ein Korrektiv, das
       ein Glücksfall für Merz sein könnte. Aber es kommt eben darauf an, was er
       daraus macht.
       
       2 Aug 2026
       
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 (DIR) Martina Mescher
       
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