# taz.de -- Worum es geht beim Koalitionsausschuss: Ringen um Reformen im Kanzleramt
> Rente, Einkommensteuer, Gesundheit, Pflege, Arbeitszeit, Bürokratie –
> Union und SPD wollen am Mittwoch die großen Themen angehen. Ein
> Überblick.
(IMG) Bild: Treffen beim großen Fritz: Im Bundeskanzleramt tagt am Mittwoch der Koalitionsausschuss von Union und SPD
afp/dpa/taz | Die Spitzen der schwarz-roten Regierung treffen sich am
Mittwochnachmittag im Bundeskanzleramt, um eine Reihe großer Reformvorhaben
noch vor der Sommerpause festzuzurren. Zwar wird das Treffen seit Wochen
vorbereitet. Doch ob die Beratungen am Mittwoch, in der Nacht zu Donnerstag
oder sogar noch viel später beendet werden, ist unklar. Denn die
Themenliste ist lang und die Reformen sind unterschiedlich weit
fortgeschritten.
Ein Überblick:
Rentenreform
Beim Großthema Rente zeigen die Spitzen von Union und SPD noch die größte
Einigkeit und [1][betonen, die von der Rentenkommission vorgelegten
Vorschläge „zügig“ als Paket umsetzen zu wollen]. Das Gremium hatte [2][33
Reformvorschläge gemacht], unter anderem eine Anpassung des
Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung, die Abschaffung der
sogenannten Rente mit 63, einen größeren Kreis an Einzahlenden ins
Rentensystem sowie eine Kapitalrente.
[3][Streit könnte es bei den Minijobbern geben], die künftig in die
gesetzliche Rente einbezogen werden sollen. Außerdem ist der genaue
Zeitplan noch unklar. Ein Gesetz für eine umfassende Rentenreform soll
dieses Jahr stehen und kommendes Jahr in Kraft treten – angesichts der im
Parlament zu erwartenden heftigen Debatten ist das ambitioniert.
Gesundheit und Pflege
Auch die [4][von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) vorgelegte
Gesundheitsreform] ist weit fortgeschritten. Zwar wurde die Verabschiedung
wegen „Beratungsbedarfs“ und heftiger Kritik von Verbänden und
Bundesländern kürzlich verschoben. Denn die Reform sieht eine Reihe von
Einschnitten für Versicherte vor. Das endgültige Votum im Bundestag soll
aber trotzdem vor der Sommerpause stattfinden.
Bei der Pflege ist noch eine längere Wegstrecke zu absolvieren – aus der
SPD kommt hier heftiger Widerstand an Warkens Plänen, der zu Streit in der
Koalition führen dürfte. [5][Kritik gibt es insbesondere an den geplanten
Einschnitten] bei den Rentenansprüchen pflegender Angehöriger und den
Zuschüssen für die Pflege im Heim. Aus dem Gesundheitsministerium war
hingegen verbreitet worden, der Gesetzentwurf Warkens sei mit der
SPD-Spitze im Bund abgestimmt.
Steuern
Auch [6][die geplante Steuerreform] dürfte zum Streitthema werden. Im
Koalitionsvertrag einigten sich beide Seiten darauf, [7][die
Einkommensteuer für kleine und mittlere Einkommen] schon im kommenden Jahr
zu senken. Doch bei der Ausgestaltung ist ein Kompromiss nicht in Sicht.
Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) erwartet „mindestens um die 500 Euro im
Jahr“ an Entlastungen, Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) möchte zur
Finanzierung an die Besteuerung von Spitzenverdienern und möglicherweise
auch an die Erbschaftsteuer heran. Er hat zwei Modelle für eine
Steuerreform vorgelegt.
Linken SPD-Abgeordneten [8][geht das alles nicht weit genug]. Sie wollen
ein Zeichen gegen Kürzungen setzen.
Aus der Union kommen Äußerungen, die Kompromissbereitschaft bei der
Reichensteuer und auch bei der Grenze für den Spitzensteuersatz
signalisieren, etwa von CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann. Zugleich
wurde die Forderung laut, die geplante Steuerreform notfalls auf nächstes
Jahr zu verschieben. Widerstand droht in jedem Fall aus den Ländern, die
für geringere Steuereinnahmen entschädigt werden möchten.
Arbeitsmarkt
Zankapfel Arbeitszeit: Für „mehr Flexibilität“ wollen Union und SPD laut
Koalitionsvertrag [9][die Möglichkeit einer wöchentlichen statt einer
täglichen Höchstarbeitszeit schaffen]. Das SPD-geführte Arbeitsministerium
erarbeitete dazu einen Entwurf, der den Übergang zur Wochenarbeitszeit an
Tarifverträge knüpft und strengere Vorschriften für die
Arbeitszeiterfassung vorsieht – die Vorlage ist aber noch nicht mit den
Ressorts abgestimmt.
Der Union geht das nicht weit genug. Hessens früherer CDU-Ministerpräsident
Roland Koch etwa riet seiner Partei, auf einer Flexibilisierung des
Arbeitsmarkts zu bestehen – und dafür notfalls bei den Verhandlungen über
eine Steuerreform Kompromisse einzugehen. Mehrere SPD-Linke wiederum
erteilten „Reformen, die zu längeren Arbeitszeiten führen“ eine klare
Absage.
Bürokratie
Unternehmen, Behörden, Landwirtschaft: Die Liste derer, die zu viel
[10][Bürokratie in Deutschland] beklagen, ließe sich weiter fortsetzen.
Auch hier will die Koalition Lösungen präsentieren – etwa über
Vereinfachungen im Steuersystem und weniger Berichtspflichten im
Mittelstand.
1 Jul 2026
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