# taz.de -- Was die Koalition Studierenden anbietet: 380 Euro und Herablassung
> Die Bundesregierung bricht ihr Versprechen aus dem Koalitionsvertrag. Sie
> blockiert die dringend nötige Bafög-Reform. Das ist konsequent.
(IMG) Bild: Für die Erkenntnis, dass sich Investitionen in die Zukunft junger Menschen doppelt und dreifach bezahlt machen, fehlt ihr die Weitsicht
Diese Woche will die Bundesregierung beweisen, dass sie Reformen kann. Am
Mittwoch stecken die Parteispitzen von CDU, CSU und SPD ihre Köpfe
zusammen, um die ganz großen Pakete zu schnüren: [1][Steuern, Bürokratie,
Arbeitsmarkt]. Kurz durften die Studierenden hoffen, dass Schwarz-Rot auch
sie für wichtig hält – aber Fehlanzeige. Vergangene Woche hatte Kanzler
Friedrich Merz im Bundestag getönt, „in den nächsten Tagen“ werde sich das
Kabinett beim Bafög einigen.
Nun ist plötzlich von Ende Juli die Rede. Die Botschaft ist eindeutig: Erst
kommen die richtigen Probleme im Land, dann Schnickschnack wie
Chancengleichheit. Anders formuliert: Wirtschaft first, Bildung second.
Für die Betroffenen ist dies der nächste Schlag ins Gesicht. Denn mit dem
erneuten Aussitzen ist klar, dass die versprochene Wohngelderhöhung nicht
wie geplant zum 1. Oktober kommen wird. Damit bricht die für Bafög
zuständige Ministerin Dorothee Bär nicht nur ein Koalitionsversprechen. Sie
offenbart, wie wumpe ihr ist, dass man mit dem aktuellen Satz von 380 Euro
so gut wie nirgends ein WG-Zimmer bekommt.
Für eine Ministerin, [2][die für die finanziellen Nöte Studierender nur
herablassende Sprüche übrig hat], mag das konsequent sein. Falsch ist es
trotzdem. Gerade erst hat der Nationale Bildungsbericht daran erinnert, wie
sehr die Bildungschancen hierzulande vom Elternhaus abhängen. Ein gut
ausgestattetes Bafög, das mehr Studierende erreicht, könnte hier einiges
reißen. Genauso wie höhere Investitionen in Kinder- und Jugendhilfen oder
andere Sozialprogramme, die belasteten Familien zugutekommen.
Leider sieht die Bundesregierung hier Sparpotenziale. Für die Erkenntnis,
dass sich [3][Investitionen in die Zukunft junger Menschen] doppelt und
dreifach bezahlt machen, fehlt ihr die Weitsicht oder der Mumm. Oder
beides. Für die Bafög-Reform lässt das nichts Gutes ahnen. Jede Wette: Bis
Ende Juli [4][findet wieder irgendwer Einwände], um die Reform noch weiter
zu blockieren.
1 Jul 2026
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## AUTOREN
(DIR) Ralf Pauli
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