# taz.de -- Finanzminister unterstützt DGB-Vorstoß: Klingbeil plädiert für Betriebsrente für alle
> Der DGB schlug eine verpflichtende Betriebsrente für
> Arbeitnehmer:innen vor. Nun sprach sich auch Vizekanzler Klingbeil
> dafür aus.
(IMG) Bild: Lars Klingbeil (SPD), Bundesminister der Finanzen: Derzeit verfügen 20 Millionen Arbeitnehmer:innen über keine betriebliche Altersvorsorge
Die gesetzliche Rente wird bei den meisten Menschen nicht ausreichen, um
die Lebenshaltungskosten nach dem Ende des Erwerbslebens zu decken.
Deswegen wollen Politiker:innen die anderen beiden Rentensäulen
stärken: die private, oft börsenfinanzierte Altersvorsorge – und die
Betriebsrente. Während die Union eher für eine Stärkung der Ersteren wirbt,
schlagen Sozialdemokrat:innen nun vor, die Betriebsrente auszubauen.
SPD-Chef und Bundesfinanzminister [1][Lars Klingbeil befürwortete am
Montagabend] in der ARD-Sendung „Arena“ den [2][Vorschlag der Vorsitzenden
des Deutschen Gewerkschaftsbunds, Yasmin Fahimi, über eine verpflichtende
Betriebsrente]. Das würde helfen, sagte der SPD-Chef, gemeinsam mit anderen
Änderungen „das Rentensystem wirklich zukunftsfähig zu machen“.
Fahimi hatte sich vergangenes Wochenende gegenüber dem Redaktionsnetzwerk
Deutschland für eine verpflichtende Betriebsrente ausgesprochen. Derzeit
verfügen 20 Millionen Arbeitnehmer:innen – mehr als die Hälfte aller
sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten – über keine betriebliche
Altersvorsorge.
Die DGB-Chefin sagte, die Gewerkschaften stünden „bereit, das kollektiv für
alle Beschäftigten zu regeln, und zwar auf der Basis von Tarifverträgen“.
Bei Unternehmen, die nicht tarifgebunden seien, sei es „denkbar, die
Beschäftigten unter bestimmten Bedingungen niederschwellig in die
bestehenden Modelle aufzunehmen“.
## „Nicht einseitig zulasten der Arbeitnehmer“
Konkreteres kündigte Fahimi für Ende des Monats an. Sie ließ offen, wer
genau für die Altersvorsorge bezahlen soll. Klar sei aber, dass die
Arbeitgeber sich beteiligten müssten. Die betriebliche Altersvorsorge dürfe
„nicht einseitig zulasten der Arbeitnehmer gehen“, so Fahimi.
Bei einer Betriebsrente wird der angelegte Beitrag vom Bruttogehalt des
Arbeitnehmers abgezogen; der Arbeitgeber schießt mindestens 15 Prozent zu.
Bis zu einer bestimmten Höhe müssen auf die Beiträge weder Steuern noch
Sozialabgaben gezahlt werden. Die später ausgezahlte Betriebsrente ist dann
aber einkommensteuerpflichtig. Gesetzlich Versicherte müssen zudem Kranken-
und Pflegeversicherungsbeiträge davon bezahlen. Da das Renteneinkommen in
der Regel geringer ist als während des Erwerbslebens, fallen insgesamt
dennoch weniger Steuern und Sozialabgaben an. Allerdings: Dadurch, dass für
die Gehaltsanteile, die für die Betriebsrente vorgesehen sind, keine
Rentenversicherungsbeiträge für die Gesetzliche gezahlt werden, sinkt
zugleich der gesetzliche Rentenanspruch.
Die Beiträge zur betrieblichen Altersvorsorge werden in der Regel auf dem
Kapitalmarkt angelegt und daher meist über Versicherungsanbieter
abgewickelt, mit denen das jeweilige Unternehmen einen Vertrag hat. Dadurch
sind Arbeitgeberwechsel häufig ein Problem, da Verträge nicht übertragen
werden können.
Auch der Arbeitnehmerflügel der CDU unterstützt Fahimis Vorstoß. „Die
betriebliche Altersversorgung verpflichtend für alle zu machen, ist ein
richtiger Schritt“, sagte der CDA-Vorsitzende Dennis Radtke den Zeitungen
der Funke Mediengruppe.
Der CDU-Wirtschaftsrat lehnt hingegen eine verpflichtende Betriebsrente
unter finanzieller Beteiligung der Arbeitgeber ab. „Dies würde nicht nur
die Wahlfreiheit von Beschäftigten bei der Altersvorsorge einschränken,
sondern den Faktor Arbeit noch teurer machen“, sagte der Generalsekretär
Wolfgang Steiger der Rheinischen Post.
Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) lässt derzeit von einer Kommission
einen Vorschlag für eine Reform des Rentensystems erarbeiten. Sicher ist,
dass neben der gesetzlichen Rente stärker als bisher auf Betriebsrenten und
[3][private Altersvorsorge] gesetzt werden soll. Die Reformvorschläge will
die Kommission am 28. Juni vorlegen. (mit Agenturmaterial)
9 Jun 2026
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## AUTOREN
(DIR) Eva Fischer
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