# taz.de -- Betriebliche Altersvorsorge: Sozialpolitische Good Vibes
       
       > Eine Betriebsrente klingt angesichts der zahlreichen Sozialkürzungen wie
       > ein beruhigendes Signal. Aber es kommt wie so oft auf die Details an.
       
 (IMG) Bild: Yasmin Fahimi ist begeistert von der Betriebsrente, die Arbeitgebenden werden's eher weniger sein
       
       Lars Klingbeil, der oberste Finanzhüter des Landes, hat sich für
       verpflichtende Betriebsrenten ausgesprochen – und folgt damit der Forderung
       des Deutschen Gewerkschaftsbunds. Die DGB-Vorsitzende Yasmin Fahimi hatte
       [1][am Wochenende eine solche Verpflichtung unter Beteiligung der
       Arbeitgeber*innen gefordert.]
       
       Das Timing von Klingbeil scheint perfekt. Am Mittwoch kommen die
       Koalitionsspitzen mit Vertreter*innen von Gewerkschaften und
       Arbeitgebern zusammen, um über Reformen zu diskutieren: Steuern, Rente,
       Arbeitsmarkt. Es ist gut nachvollziehbar, dass sich ein
       sozialdemokratischer Finanzminister im Vorfeld um sozialpolitische Good
       Vibes bemüht. Denn bisher hat sich Klingbeil vor allem als rigider
       Sparminister hervorgetan. Egal ob Rente, [2][Gesundheit] oder [3][Pflege] –
       was derzeit euphemistisch als Reformen präsentiert wird, ist ein
       knallhartes Kürzungsprogramm. Eine verpflichtende Betriebsrente klingt da
       wie ein versöhnliches Signal.
       
       Laut Arbeitsministerium hatten 2023 nur etwa 52 Prozent der
       sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Alter von 25 bis 67 eine
       betriebliche Altersversorgung – das ist ziemlich wenig angesichts der
       Tatsache, dass die Alterssicherung in Deutschland in der Theorie auf drei
       Säulen beruht. Neben der gesetzlichen Rente sollen Arbeitnehmer*innen
       auch privat vorsorgen und eine Betriebsrente abschließen. Nur hat das mit
       der Realität der Menschen wenig zu tun. Viele Menschen, insbesondere in den
       ostdeutschen Bundesländern, [4][haben im Ruhestand nichts anderes als die
       gesetzliche Rente] – und die reicht oft nicht zum Leben.
       
       Schon im Koalitionsvertrag hat sich Schwarz-Rot darauf geeinigt, die
       betriebliche Rente zu stärken und sie insbesondere bei kleinen und
       mittleren Unternehmen voranzutreiben. Ende des vergangenen Jahres wurde
       dafür das Zweite Betriebsrentenstärkungsgesetz beschlossen.
       
       Eine verpflichtende Betriebsrente, an der sich Arbeitgeber*innen mit
       einem Zuschuss beteiligen, klingt in diesem Zusammenhang vernünftig.
       Allerdings kommt es auf viele Details an. Grundsätzlich gilt: Je höher der
       Anteil der Arbeitgeber*innen, desto mehr lohnt es sich für die
       Arbeitnehmer*innen. Manche Verbraucherzentralen kommen zu dem Schluss, dass
       es sich erst rentiert, wenn sich Arbeitgeber*innen mit [5][mindestens
       30 Prozent, besser 50 Prozent am Bruttobeitrag der betrieblichen
       Altersvorsorge beteiligen.]
       
       DGB-Vorsitzende Yasmin Fahimi rechnet entsprechend mit Widerstand vonseiten
       der Arbeitgeber*innen. Die Bundesvorsitzende der Mittelstandsunion, Gitta
       Connemann, hat den Vorschlag bereits scharf angegriffen. Auch die
       Zustimmung der Union, die Arbeitgeber*innen entlasten will, dürfte mau
       ausfallen. Fraglich also, was nach dem Treffen am Mittwoch noch von den
       Good Vibes übrig bleibt.
       
       9 Jun 2026
       
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 (DIR) [4] https://www.google.com/search?client=firefox-b-e&channel=entpr&q=osten+nur+gesetzliche+rente
 (DIR) [5] https://www.vzhh.de/themen/finanzen/altersvorsorge-riester-ruerup-betriebsrente/vor-nachteile-der-betrieblichen-altersvorsorge
       
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