# taz.de -- Altersvorsorge in der Krise: Gewerkschaftsbund fordert Betriebsrente für alle
> Spielte in der Debatte um die Rentenreform bislang keine große Rolle: die
> Betriebsrente. Jetzt bringt der DGB eine Verpflichtung ins Gespräch.
(IMG) Bild: Die DGB-Vorsitzende Yasmin Fahimi fordert eine verpflichtende Betriebsrente
epd/dpa/taz | Angesichts der geplanten Rentenreform hat sich der Deutsche
Gewerkschaftsbund (DGB) für eine verpflichtende Betriebsrente als
zusätzliche Altersversorgung ausgesprochen. Rund 20 Millionen Beschäftigte
in Deutschland verfügten bislang über keine betriebliche Altersvorsorge,
sagte die Vorsitzende Yasmin Fahimi dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ am
Sonntag. Diese Alterssicherung müsse zusätzlich sein und von den
Arbeitgebern mindestens mitfinanziert werden.
Die Betriebsrente gilt neben der gesetzlichen und der [1][privaten
Altersvorsorge] als eine der drei Säulen der Absicherung fürs Alter. In den
vergangenen Jahren sollten Betriebsrentenstärkungsgesetze die Betriebsrente
attraktiver machen, das letzte trat erst Anfang dieses Jahres in Kraft.
In Betriebsrenten kann über unterschiedliche Wege eingezahlt werden –
häufig wird ein Teil des Bruttolohns direkt umgewandelt. Vorteilhaft sind
Betriebsrenten für Arbeitnehmer*innen vor allem, wenn der Arbeitgeber
einen relevanten Teil mitfinanziert. In der Ansparphase ist die Einzahlung
steuer- und abgabenfrei – mindert aber entsprechend auch das für die
Ansprüche aus der gesetzlichen Rente relevante Einkommen.
In der Rentenphase werden dann jenseits eines kleinen Freibetrags sowohl
Steuern als auch Kranken- und Pflegeversicherung von der Betriebsrente
abgezogen. Jobwechsel während der Ansparphase können bislang aufgrund
branchen- und arbeitgeberspezifischer Betriebsrentenvereinbarungen
problematisch sein. Häufig sind die Regelungen in Tarifverträgen
festgeschrieben.
Gerade Arbeitnehmer*innen ohne Tarifvertrag würden deshalb häufig
nicht von Betriebsrenten profitieren, so die DGB-Vorsitzende Fahimi. Die
Gewerkschaften seien bereit, die betriebliche Vorsorge kollektiv für alle
Beschäftigten auf Basis der Tarifverträge zu regeln, kündigte Fahimi an.
„Und bei jenen Unternehmen, die nicht tarifgebunden sind, wäre denkbar, die
Beschäftigten unter bestimmten Bedingungen niederschwellig in die
bestehenden Modelle aufzunehmen.“
## CDU-Arbeitnehmerflügel ist dafür
Unterstützung für die Idee kommt vom CDU-Arbeitnehmerflügel CDA. „Um ein
Rentenniveau zu sichern, von dem man im Alter in Würde leben und nicht nur
überleben kann, wird man die drei Säulen künftig noch vernetzter denken
müssen“, sagte der CDA-Vorsitzende Dennis Radtke den Zeitungen der Funke
Mediengruppe. „Die betriebliche Altersversorgung verpflichtend für alle zu
machen, ist daher ein richtiger Schritt.“
Radtke verwies auf aus seiner Sicht „hervorragend funktionierende“ Modelle
in der Chemieindustrie und anderen Tarifbereichen. Diese könnten sicher
auch für andere geöffnet werden, sagte der CDA-Chef.
## Rentenkommission soll Vorschläge liefern
[2][Eine Rentenkommission soll Ende Juni Vorschläge liefern], wie das
Rentensystem zukunftsfest gemacht werden kann. Das mit Abgeordneten und
Wissenschaftler*innen besetzte Gremium soll alle drei Säulen der
Alterssicherung in die Überlegungen einbeziehen.
Die betriebliche Altersvorsorge dürfe allerdings nicht einseitig zu Lasten
der Arbeitnehmer gehen, stellte Yasmin Fahimi klar. Deswegen würde es auch
nichts nützen, „die Beschäftigten dazu einseitig zu verpflichten und sie in
die Arme der Versicherungswirtschaft zu treiben“.
Angesichts der [3][angespannten Finanz- und Wirtschaftslage] rechnet die
DGB-Vorsitzende mit Widerspruch für ihren Vorschlag. „Ich kann mir
vorstellen, dass da der Aufschrei groß sein wird und die Kritik kommt, dass
noch mehr Beiträge fällig werden.“ Aber in den meisten Ländern Europas
liege der verpflichtende Beitragssatz für die Rente bei 20 Prozent oder
mehr und damit deutlich über den Sätzen in Deutschland. Oft sei der
Arbeitgeberanteil sogar höher als der für die Arbeitnehmer.
Konkrete Eckpunkte für die Vorschläge will der DGB bis Ende des Monats
bekannt geben.
7 Jun 2026
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