# taz.de -- Bericht des Paritätischen Verbands: Alarm: Armut!
> Laut Bericht des Paritätischen sind 13,3 Millionen Menschen
> einkommensarm. Betroffen sind Alleinerziehende, Alleinlebende, junge und
> alte Personen.
(IMG) Bild: Die Armutsquote für Menschen ab 65 Jahren liegt bei 19,5 Prozent
Es sei „kein Drama, wenn Studierende neben dem Studium jobben“, sagte
Dorothee Bär, als sie die [1][versprochene Bafög-Reform] mit Verweis auf
den allgemeinen Sparzwang abblies. Die Situation für Studierende
hierzulande befand die Bundesforschungsministerin für sehr privilegiert.
Wie falsch sie damit liegt, zeigt unter anderem der neue Armutsbericht des
Paritätischen Wohlfahrtsverbands, der an diesem Dienstag veröffentlicht
wird. Der Bericht stützt sich auf Zahlen des Statistischen Bundesamts und
ordnet sie wissenschaftlich ein.
Demnach waren 13,3 Millionen Menschen im Jahr 2025 von Armut betroffen, das
entspricht 16,1 Prozent der Bevölkerung. Als arm gilt eine Person, wenn ihr
Einkommen unter 60 Prozent des mittleren Einkommens liegt. Im Vergleich zum
Vorjahr stieg die Armutsquote in Deutschland um 0,6 Prozentpunkte. Da für
die Berechnung von Armutsquoten nur private Haushalte berücksichtigt
werden, tauchen wohnungslose Menschen oder solche, die in
Pflegeeinrichtungen, Gefängnissen oder Gemeinschaftsunterkünften leben,
nicht in der Statistik auf.
## Betroffene Gruppen
„Mit einer Armutsquote von 30,3 Prozent bei Alleinlebenden und 28,9 Prozent
bei Alleinerziehenden ist jeweils rund jede dritte Person in diesen
Lebenslagen betroffen“, heißt es in dem Bericht. Anders als es die
Forschungsministerin suggeriert, gehören junge Erwachsene zwischen 18 und
unter 25 Jahren auch zu den Altersgruppen, die überdurchschnittlich oft von
Armut betroffen sind.
Mit einem Anteil von 24,8 Prozent gilt nahezu jede vierte Person in dieser
Lebensphase als arm. In der Wissenschaft ist das schon länger bekannt. Denn
junge Menschen, die eine Ausbildung oder ein Studium beginnen, sind oft
[2][mit hohen Wohnkosten konfrontiert], vor allem, wenn sie in eine neue
Stadt ziehen und das Elternhaus verlassen müssen. Schwierig ist es auch für
ältere Menschen ab 65 Jahren, dort liegt die Armutsquote bei 19,5 Prozent,
betroffen ist also etwa jede fünfte Person. „Der Lebensabend droht zur
Armutsfalle zu werden“, heißt es im Bericht.
Insgesamt habe sich das soziodemografische Profil aber „gegenüber den
Vorjahren kaum verändert.“ Erwerbsstatus und Armut hängen eng miteinander
zusammen. Menschen, die arbeitslos sind oder als nicht erwerbstätig gelten,
etwa weil sie im Ruhestand sind, Angehörige pflegen, sich um kleine Kinder
kümmern oder noch in Ausbildung sind, haben ein besonders hohes
Armutsrisiko. Langfristig betrachtet, senkt ein höherer Bildungsabschluss
das Armutsrisiko. Menschen mit niedrigen Bildungsabschlüssen sowie Personen
ohne deutsche Staatsbürgerschaft sind stärker armutsgefährdet.
Insgesamt lassen sich auch geschlechtsspezifische Unterschiede feststellen.
Frauen sind mit 16,7 Prozent etwas häufiger von Armut betroffen als Männer
mit 15,6. Das lässt sich vor allem [3][auf unterschiedliche
Erwerbsbiografien zurückführen].
In europäischen Statistiken werden neben dem Einkommen auch weitere Aspekte
berücksichtigt, zum Beispiel „materielle und soziale Entbehrung“ – das ist
der Fall, wenn sich Personen bestimmte Güter oder Aktivitäten nicht leisten
können, „die als minimaler Lebensstandard gelten“. Dazu gehört zum Beispiel
ein einwöchiger Urlaub im Jahr, aber auch, ob die Möglichkeit besteht,
kaputte Möbel oder Kleidung zu ersetzen. Laut Bericht leben demnach 4,6
Millionen Menschen in Deutschland in erheblicher materieller Entbehrung.
Davon sind etwa 1 Million minderjährige Kinder und Jugendliche, sowie
650.000 Altersrentner*innen.
Der Paritätische Wohlfahrtsverband kritisiert, dass derzeit viele Kürzungen
debattiert werden, die die Situation verschärfen würden. Dazu gehört zum
Beispiel die [4][Idee, das Wohngeld zu kürzen], das viele Rentner*innen
in Anspruch nehmen, oder [5][den Unterhaltsvorschuss für Alleinerziehende
einzuschränken.] Der Verband schlägt stattdessen vor, in einen höheren
Mindestlohn, mehr Tariftreue, in die gesetzliche Rente und eine
solidarische Pflegevollversicherung zu investieren. Zudem ließe sich Armut
durch bezahlbares Wohnen vermeiden.
2 Jun 2026
## LINKS
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## AUTOREN
(DIR) Jasmin Kalarickal
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