# taz.de -- Drohnenalarm in den baltischen Staaten: Einschüchterungsversuche an der Nato-Ostflanke
       
       > Luftalarm in Litauen, in Lettland fallen Abi-Prüfungen aus, in Estland
       > wird eine Drohne abgeschossen. Die Nato wird auf die Probe gestellt.
       
 (IMG) Bild: Journalisten lokaler Medien begutachten am 19. Mai 2026 im Dorf Kablaküla, Estland, Drohnentrümmer
       
       Die baltischen Staaten müssen sich derzeit mit einer Reihe von
       [1][Drohnenvorfällen] beschäftigen. Estland, Litauen und Lettland zählen
       mit zu den wichtigsten Unterstützerstaaten der Ukraine. Russland hat den
       baltischen Staaten mehrfach vorgeworfen, dass sie den ukrainischen
       Streitkräften ihren Luftraum für Angriffe auf russisches Territorium zur
       Verfügung stellen. Sowohl die drei Staatschefs als auch der ukrainische
       Präsident Wolodymyr Selenskyj hatten diesen Vorwurf zurückgewiesen.
       
       Große Aufregung herrscht in Lettland, wo infolge einer in einem leeren
       Öllager abgestürzten Drohne [2][sogar die Regierung vor knapp einer Woche
       gestürzt ist.] In Rēzekne, im mehrheitlich russischsprachigen Südosten, hat
       eine mögliche Bedrohung des Luftraums durch Drohnen am Mittwoch sogar die
       Abiturprüfungen für viele Schülerinnen und Schüler ausfallen lassen. Sie
       und ihre Lehrkräfte wurden nach Auslösen des Luftalarms an sicherere Orte
       innerhalb der Schulgebäude gebracht.
       
       „Russland versucht, uns mit seiner Behauptung einzuschüchtern, dass
       Lettland der Ukraine angeblich erlaubt habe, sein Territorium oder seinen
       Luftraum für Angriffe zu nutzen. Das sind absolut eindeutige Lügen“, sagte
       Staatspräsident Edgars Rinkēvičs am Mittwoch in Riga.
       
       Er betonte, dass es sich um Lügen handele, um international Misstrauen
       gegenüber Lettland zu schüren, damit Russland seine militärischen
       Misserfolge in den Augen der eigenen Bevölkerung rechtfertigen könne. Der
       Präsident rief dazu auf, einen kühlen Kopf zu bewahren, und betonte, dass
       dies zwar keine Friedenszeit, aber auch keine Kriegszeit sei.
       
       ## Flughafen Vilnius wegen Drohnenalarm geschlossen
       
       In der russischsprachigen zweitgrößten Stadt Lettlands, Daugavpils, war am
       Morgen der Lärm von Abfangjägern zu hören. „Viele Menschen hier glauben
       nicht an den Einsatz russischer Drohnen, wie sie schon Corona für eine
       Erfindung gehalten haben“, berichtet Aleksejs Dunda vom
       öffentlich-rechtlichen lettischen Sender LSM. Das Vertrauen vieler Menschen
       im russischsprachigen Osten in die Regierung in Riga sei gering.
       
       Lidija Miglāne, Leiterin der Bildungsbehörde des Landkreises Krāslava,
       fordert einen „Regierungsbeschluss zumindest für die Grenzregionen“, wie im
       Falle von Luftalarm an Schulen mit Unterricht und Prüfungen umgegangen
       werden sollte. Das lettische Bildungsministerium wollte dazu noch am
       Mittwoch ein Online-Seminar für Schulleitungen organisieren.
       
       Auch in Litauen kam es zu Turbulenzen. Der Flughafen in der Hauptstadt
       Vilnius musste am Mittwoch erstmals wegen Drohnenalarm geschlossen werden,
       Flüge wurden laut Verteidigungsministerium abgesagt. Die Armee rief die
       Menschen in Vilnius auf, Sicherheitsräume aufzusuchen. Überall in der Stadt
       sind mit schwarz-gelben Aufklebern „Priedanga“ Schutzräume gekennzeichnet.
       
       Der litauische Präsident Gitanas Nausėda und Regierungschefin Inga
       Ruginienė wurden in Sicherheit gebracht. Das Flugobjekt hatte sich offenbar
       aus Richtung Belarus dem baltischen EU- und Nato-Land genähert. Kurze Zeit
       später wurde der Luftalarm wieder aufgehoben.
       
       ## Rumänischer Kampfjet schießt Drohnen über Estland ab
       
       Bereits am Dienstag kam es zu einem bisher einmaligen Vorfall in Estland.
       Über dem See Võrtsjärv im Süden des Landes schossen rumänische
       F16-Kampfjets eine Drohne ab. Laut Hanno Pevkur, estnischer
       Verteidigungsminister, stürzte das Kampfgerät in ein Sumpfgebiet in der
       Nähe des Dorfes Kablaküla, über Schäden gibt es derzeit keine Berichte.
       Pevkur geht davon aus, dass es sich um eine ukrainische Drohne handelt, die
       eigentlich Ziele auf russischem Territorium ansteuerte.
       
       [3][Außenminister Margus Tsahkna] wiederholte, dass Estland der Ukraine
       keine Erlaubnis erteilt hätte, den estnischen Luftraum für Angriffe auf
       Russland zu nutzen. Solche Drohnenvorfälle seien ein Zeichen dafür, dass
       Russland Drohnenflüge stören und entsprechend umlenken würde, erklärte
       Tsahkna.
       
       Und: „Die Ukraine hätte jedes Recht, militärische Ziele in Russland
       anzugreifen, um Russland in seinen kriegerischen Fähigkeiten zu schwächen.“
       Kampfjets der Nato seien auf dem estnischen Militärflughafen Ämari und im
       lettischen Šiauliai stationiert und rund um die Uhr einsatzbereit.
       
       Nato-Generalsekretär Mark Rutte bestätigte den Abschuss der Drohne am
       Mittwoch in Brüssel. „Die Luftabwehr der Nato hat funktioniert“, sagte
       Rutte. Ob allerdings ein sogenannter Jamming-Versuch oder eine Störattacke
       von russischer Seite zum Vorfall im estnischen Luftraum führte, dazu wollte
       sich Rutte nicht äußern.
       
       Am Donnerstag und Freitag treffen sich die Nato-Außenminister im
       schwedischen Helsingborg. Es soll um die weitere Unterstützung der Ukraine
       gehen und die Vorbereitung für den Nato-Gipfel Anfang Juli in Ankara.
       „Unsere Sicherheitsarchitektur hat sich verändert“, sagte Rutte. Russland
       bleibe derzeit die größte Bedrohung für die Nato-Staaten.
       
       21 May 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Mathias Brüggmann
 (DIR) Tanja Tricarico
       
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