# taz.de -- Katastrophenschutz an der Ostflanke: Blaue Dreiecke und Verteidigungsunterricht
       
       > In den baltischen Staaten sind Vorbereitungen auf den Angriffsfall viel
       > extensiver als im Rest Europas. Auch aus Angst vor dem Nachbarn Russland.
       
 (IMG) Bild: 108. Jahrestag der Republik Estland: Militärparade der estnischen Streitkräfte in Tallinn, 2026
       
       An den Schächten zu den mittelalterlichen Kanonentürmen ist es zu sehen, am
       Bahnhof, am Eingang zu einem beliebten Markt nahe der Altstadt Tallinns:
       ein blaues Dreieck, das darauf hinweist, das sich hier der Zugang zu einem
       Bunker befindet. Katastrophenschutz gehört in Estland zum Alltag.
       Unaufgeregt und doch mit der Gewissheit, dass der Ernstfall möglich ist.
       Denn im Fall der Fälle, also vor allem eines russischen Angriffs, soll die
       Bevölkerung wissen, was zu tun ist und wo sie Schutz suchen kann.
       
       Rund 13 Millionen Euro hat die estnische Regierung allein 2025 in den
       Zivilschutz investiert. Diese Investitionen sollen unter anderem
       Rettungsmaßnahmen, Schutzräume, Warnsysteme oder Kampagnen für das
       öffentliche Bewusstsein abdecken, sagte Hedi Arukase, Leiterin der
       estnischen Zivilschutzbehörde der taz. Bei rund 1,3 Millionen Menschen, die
       in Estland leben, eine hohe Summe.
       
       Laut einer Erhebung der Universität Lettlands sehen rund 50 Prozent der
       Est:innen die größte Bedrohung in einer militärischen Attacke, [1][im
       litauischen Vilnius] sind es sogar fast 70 Prozent der Bevölkerung, im
       lettischen Riga rund 56 Prozent. Für die Erhebung wurden Befragungen in den
       Hauptstädten gemacht.
       
       Im Notfall ist Tempo entscheidend, heißt es beim estnischen
       Rettungsservice. Dabei wird kein Unterschied gemacht, ob es sich um einen
       Giftunfall handelt, um eine Explosion – oder um Drohnenvorfälle, [2][zu
       denen es im vergangenen Jahr öfters kam]. Gewarnt wird über die Warnapp
       EE-Alarm. Laut der Uni-Umfrage können zudem rund 60 Prozent der Befragten
       in Tallinn einen Sirenenalarm erkennen und sich entsprechend in Sicherheit
       bringen. In allen drei baltischen Ländern haben sich zwischen 60 und 70
       Prozent der Bevölkerung mit Lebensmitteln für die nächsten 72 Stunden
       eingedeckt.
       
       ## Militärische Verteidigung ist Priorität Nummer eins
       
       Auf der Prioritätenliste ganz oben steht die militärische Verteidigung im
       Angriffsfall. Bereits an weiterführenden Schulen gibt es in Estland das
       Fach „Nationale Verteidigung“. Teil des Unterrichts sind Erste Hilfe, der
       Umgang mit Waffen oder auch Einheiten zur Militärgeschichte Estlands. Das
       Ganze wird ergänzt durch ein Outdoor-Camp, bei dem die Jugendlichen dann
       auch schießen dürfen.
       
       Derzeit findet in Südestland das Manöver „Spring Storm“ statt.
       Nato-Einheiten aus 16 Ländern nehmen daran teil. Und auch etliche
       Est:innen, die sich als Reservisten gemeldet haben. Die estnische Armee
       verfügt laut Sicherheitsexperten über rund 100.000 Reservisten, die im
       Ernstfall in kurzer Zeit eingesetzt werden könnten. All diese Maßnahmen
       zusammen erklären vielleicht auch dieses Ergebnis: In allen drei baltischen
       Ländern fühlen sich bis zu 90 Prozent der Menschen sehr sicher und rechnen
       nicht mit einer größeren Katastrophe in den nächsten zehn Jahren.
       
       19 May 2026
       
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 (DIR) Tanja Tricarico
       
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