# taz.de -- Nato-Außenministertreffen in Schweden: Verwirrung in Helsingborg
> In Schweden treffen sich die Nato-Außenminister, um den Gipfel in Ankara
> vorzubereiten. US-Präsident Trump irritiert mit Aussagen über
> Truppenverlegungen.
(IMG) Bild: Am Freitag, 22. Mai, treffen sich die Nato-Außenminister in Helsingborg
[1][Nato-Generalsekretär Mark Rutte] gibt sich sichtlich zufrieden mit dem
Nato-Außenministertreffen im schwedischen Helsingborg. „Wir sind in den
vergangenen zwei Jahren so weit gekommen, wir investieren mehr und sind
stärker denn je“, sagt er am Freitagnachmittag in der
Abschlusspressekonferenz. Doch die Diskussionen während der vergangenen
zwei Tage zeichnen ein etwas anderes Bild.
Ähnlich wie 2025 versuchen die europäischen Nato-Mitglieder auch vor dem
diesjährigen Gipfel in Ankara, die USA zu besänftigen. Eigentlich soll es
um die Vorbereitungen des Gipfeltreffens gehen, doch auch in diesem Jahr
bestimmt die US-Regierung die Agenda.
Überraschend verkündete Donald Trump bereits am Donnerstag über sein
soziales Netzwerk „Truth Social“, 5.000 „zusätzliche Soldaten“ nach Polen
zu entsenden. Er begründete dies mit seinem guten Verhältnis zu Polens
rechtsnationalem Präsidenten Karol Nawrocki. Nannte jedoch keine Details.
Der [2][polnische Außenminister Radosław Sikorski] nutzte die
Pressestatements vor der Sitzung am Freitagmittag, um sich bei
„US-Präsident Trump und Polens Unterstützern im Kongress“ zu bedanken. Erst
vergangene Woche wurde bekannt, dass hochrangige US-Militärvertreter
eigentlich planten, die Entsendung weiterer 4.000 Kräfte zu stoppen. Anfang
Mai kündigte das US-Verteidigungsministerium bereits an, 5.000 Soldatinnen
und Soldaten aus Deutschland abzuziehen.
## USA wollen sich von Europa abwenden
Präsident Donald Trump kritisiert seit dem Beginn des Irankrieges, dass
sich die anderen Nato-Länder nicht an der Sicherung der Straße von Hormus
beteiligten. Unter den europäischen Mitgliedern sah man die
Truppenverschiebungen als Druckmittel an.
US-Außenminister Marco Rubio hat dieser Auffassung nun widersprochen. „Das
ist keine Bestrafung, sondern einfach ein fortlaufender Prozess“, sagte
Rubio am Freitag. Die USA hätten „globale Verpflichtungen“, die
erforderten, „dass wir ständig neu prüfen, wo wir Truppen stationieren“,
fügte er hinzu.
Die USA planen schon seit Längerem, sich stärker in Richtung des
Indopazifiks zu orientieren. Die jüngsten Ankündigungen aus Washington zu
Truppenverlegungen widersprachen sich allerdings zum Teil und wurden von
Drohungen des US-Präsidenten Donald Trump gegenüber den Verbündeten
begleitet.
Unabhängig von Trumps Zusagen an einzelne Mitglieder machte
US-Außenminister Rubio in Helsingborg indes klar, dass es weitere Gespräche
über die fehlende Unterstützung im Irankrieg geben werde. „Das ist eine
Angelegenheit, die auf der Ebene der Staats- und Regierungschefs diskutiert
werden muss“, sagte er.
Nato-Generalsekretär Mark Rutte betonte in seinem Eingangsstatement am
Freitagmittag, dass man sich auch weiterhin darum bemühe, die Ukraine zu
unterstützen. „Sie müsse stark im [3][Kampf gegen Russland] bleiben“, so
Rutte.
## Rutte will mehr Ukraine-Hilfen
Bereits am Donnerstag sprach sich Rutte für mehr finanzielle Unterstützung
aus. Viele Länder unter den 32 Nato-Staaten gäben „nicht genug für die
Unterstützung der Ukraine aus“, sagte Rutte bei einem Besuch auf dem
Truppenübungsplatz Revinge im Süden Schwedens. Es gebe nur „eine begrenzte
Anzahl von Ländern“, die in dieser Hinsicht „wirklich über sich
hinauswachsen“, betonte er.
Rutte war besonders durch seine Anbiederung gegenüber Trump während des
vergangenen Gipfels aufgefallen. Auch am Freitag griff er die von Trump
kritisierte fehlende Unterstützung im Irankrieg auf und sicherte
Hilfsbereitschaft zu: „Wo immer wir helfen können, werden wir da sein“,
sagte der Niederländer und schließt damit eine Bündnisunterstützung des
geplanten Militäreinsatzes zur Sicherung der Schifffahrt durch die Straße
von Hormus nicht kategorisch aus. Wie die Unterstützung aussehen soll, ließ
er jedoch offen.
Der deutsche Außenminister Johann Wadephul äußerte sich indes zurückhaltend
zu einer möglichen Nato-Mission. Deutschland habe immer gesagt, dass man
bereit sei, für eine freie Passage zu sorgen, und bereite sich unter
Führung von Großbritannien und Frankreich auf diese Einsätze vor, sagte der
CDU-Politiker. „Aber ich sehe keine unmittelbare Nato-Mission im
klassischen Sinne in der Straße von Hormus.“
Die Spannungen im baltischen Luftraum spielten eine zweitrangige Rolle bei
dem Treffen. Finnlands Außenministerin Elina Valtonen kritisierte die
Luftraumverletzungen scharf. „Was Russland macht, ist völlig inakzeptabel
und bleibt eine Gefahr – nicht nur für den Frieden in der Ukraine, sondern
in der Welt.“ Daher unterstütze auch sie einen Nato-Beitritt der Ukraine.
Schweden ist zum ersten Mal Gastgeber
Wie sich die Unterstützung in diesem Jahr beim Gipfel in der
Abschlusserklärung niederschlagen wird, bleibt abzuwarten. Im vorherigen
Jahr wurde die Zusage, dass man die Ukraine auf einem „unumkehrbaren Weg“
zur Nato-Mitgliedschaft unterstütze, aus dem Statement gestrichen.
Zum ersten Mal findet ein Treffen auf Nato-Ebene in Schweden statt. Das
Land ist, wie auch Finnland, im Zuge des russischen Angriffskrieges in der
Ukraine der Nato beigetreten. Seit März 2024 sind die Schweden das 32.
Mitglied. Im vergangenen Jahr beschlossen die Nato-Mitglieder auf Druck der
USA hin, ihre Verteidigungsausgaben von 2 auf 5 Prozent zu erhöhen. Diese
beziehen sich zu 3,5 Prozent auf reine Verteidigungsausgaben und zu 1,5
Prozent auf infrastrukturelle Investitionen.
22 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Mark-Rutte-in-Washington/!6169492
(DIR) [2] /Regierungskonsulationen-in-Berlin/!6134185
(DIR) [3] /Russisch-belarussisches-Manoever/!6180882
## AUTOREN
(DIR) Anastasia Zejneli
## TAGS
(DIR) Nato
(DIR) EU und USA
(DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
(DIR) Verteidigung
(DIR) Mark Rutte
(DIR) Aufrüstung
(DIR) Litauen
(DIR) Nato
(DIR) Schwerpunkt Emmanuel Macron
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Greenpeace-Studie: Verteidigung in Europa besser als angenommen
Forscher von Greenpeace sehen die Verteidigung in Europa stärker
aufgestellt als gemeinhin gedacht. Sie verweisen auf den Zahlenvergleich
mit Russland.
(DIR) Drohnenalarm in den baltischen Staaten: Einschüchterungsversuche an der Nato-Ostflanke
Luftalarm in Litauen, in Lettland fallen Abi-Prüfungen aus, in Estland wird
eine Drohne abgeschossen. Die Nato wird auf die Probe gestellt.
(DIR) Deutsch-amerikanische Beziehungen: Trump droht wieder mit Abzug der US-Truppen aus Deutschland
Der US-Präsident spricht davon, die Armee der USA in Deutschland zu
reduzieren: ein Tritt gegen Merz. Davon wären Tausende Arbeitsplätze
betroffen.
(DIR) Paris-Gipfel zu Sicherheitsgarantien: Macron und Starmer bereit für Truppen in der Ukraine
Einen Waffenstillstand würden Frankreich und Großbritannien absichern. Merz
sprach zwar von deutschen Truppen – allerdings nicht in der Ukraine selbst.