# taz.de -- Machtwechsel in Lettland: Kampfdrohnen stürzen Regierung in Riga
       
       > Die lettische Premierministerin Evika Siliņan tritt zurück, ihre
       > Koalition zerbricht. Was das mit Drohnen an der Grenze zu Russland zu tun
       > hat.
       
 (IMG) Bild: Zurückgetreten: Lettlands Ministerpräsidentin Evika Silina
       
       Weniger als sechs Monate vor den bevorstehenden Parlamentswahlen im Herbst
       ist die Regierung in Lettland gestürzt. Am Donnerstagmorgen gab die
       amtierende Regierungschefin Evika Siliņa von der liberalen Partei Neue
       Einheit ihren Rücktritt bekannt.
       
       Die bisherige Koalition, die sich aus drei Parteien – den Liberalen, den
       konservativen Grünen Bauern und den linken Progressiven – zusammensetzte,
       ist auseinandergebrochen. Zum Sturz beigetragen haben ausländische
       Kampfdrohnen. [1][Immer wieder wurden Drohnen in der Nähe des lettischen
       Hoheitsgebiets gesichtet], nahe der Grenze zu Russland.
       
       Aber vor einer Woche, am 7. Mai, drangen zwei Drohnen in den lettischen
       Luftraum ein, und dieses Mal wurden die Einschläge dieser beiden Drohnen in
       den leeren Tanks des Öldepots in der Stadt Rēzekne registriert.
       
       Nach dem Vorfall wurden die Einwohner der Stadt sowohl über das
       Mobilfunk-Rundfunksystem als auch über die lettischen Medien informiert.
       Die zuständigen Rettungsdienste eilten zum Einsatzort, während die
       Ministerpräsidentin eine Krisensitzung der Regierung einberief. Im
       Anschluss gab sie bekannt, dass die beschädigte Anlage nicht zu den
       strategischen Reserven des Landes gehöre.
       
       ## Warum nicht gleich abschießen?
       
       Unterdessen vermutete Verteidigungsminister Andris Sprūds, dass die Drohnen
       auf Ziele in Russland zusteuerten, aber nach dem Auftreffen auf
       elektronische Gegenmaßnahmen vom Kurs abgekommen und in lettisches
       Hoheitsgebiet eingedrungen seien. Der Vorfall werde untersucht.
       
       In der Öffentlichkeit wuchs jedoch schnell die Unzufriedenheit darüber,
       dass solche potenziell gefährlichen Drohnen nicht direkt an der Grenze
       abgeschossen wurden, sondern Warnungen erst eingingen, nachdem die Drohnen
       bereits eingeschlagen hatten.
       
       Verteidigungsminister Sprūds kündigte an, dass er die Verantwortung dafür
       übernehme, dass die Drohnen nicht abgeschossen wurden. Prompt forderte die
       Opposition seinen Rücktritt. Auch die Ministerpräsidentin kritisierte den
       Minister und kündigte an, am Montag, 11. Mai, ein Gespräch mit ihm zu
       führen.
       
       Letztendlich war es jedoch schon der Abend zuvor, der für die Koalition
       schicksalhaft wurde, als Sprūds plötzlich eine Pressekonferenz einberief,
       um von sich aus seinen Rücktritt anzukündigen.
       
       ## Ganz öffentliche Gedanken – auch übereinander
       
       In den folgenden Tagen verbrachten die Koalitionspartner ihre Zeit mit
       Gesprächen über die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit, während sie
       gleichzeitig ganz offen ihre Gedanken in der Öffentlichkeit teilten –
       sowohl übereinander als auch über den Prozess als Ganzes. Spätestens am
       Mittwoch war nach Äußerungen von Progressiven und Grünen Bauern klar, dass
       die Koalition zusammenbrechen würde.
       
       Mit dem Rücktritt von Premierministerin Evika Siliņa ist die Regierung
       gestürzt, noch bevor ein geplantes Misstrauensvotum in der Saeima zur
       Abstimmung gekommen wäre. „Politische Eifersucht und engstirnige
       Parteiinteressen haben Vorrang vor der Verantwortung gehabt“, sagte sie.
       
       ## Zwei Minister in Haft wegen Korruption
       
       Ebenfalls am Donnerstagmorgen wurden Landwirtschaftsminister Armands Krauze
       und der ehemalige Staatssekretär im Landwirtschaftsministerium und
       derzeitige Leiter der Staatskanzlei, Raivis Kronbergs, verhaftet und vom
       Dienst suspendiert.
       
       Beide Verhaftungen stehen im Zusammenhang mit dem Korruptionsverfahren im
       sogenannten Holzindustrie-Fall. Staatliche Beihilfen sollen unrechtmäßig an
       Akteure der Holzindustrie geflossen sein.
       
       Krauze wurde gegen Mittag freigelassen. Kurz darauf veröffentlichte er ein
       Video auf Facebook, in dem er erklärt, dass er mit den
       Strafverfolgungsbehörden kooperiere und die inzwischen zurückgetretene
       Ministerpräsidentin kritisiert: „Es ist traurig, dass die
       Ministerpräsidentin lieber auf Gerüchte von der Straße hört, anstatt sich
       mit den Fakten auseinanderzusetzen.“
       
       Lettlands Präsident kündigte an, dass er bereits am Freitag mit Vertretern
       aller Fraktionen der Saeima zusammentreffen und anschließend die Person
       benennen werde, die mit der Bildung der nächsten Regierung betraut wird.
       Die neue Regierung muss sich dann das Vertrauen einer Mehrheit in der
       Saeima sichern.
       
       14 May 2026
       
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