# taz.de -- Ebola-Erkrankter in der Charité: Die Seuchen-Selektion
       
       > Ein Sonderflug bringt einen an Ebola erkrankten US-Arzt aus der
       > Demokratischen Republik Kongo nach Berlin. Und die Kongolesen?
       
 (IMG) Bild: Mitarbeiter des Roten Kreuzes tragen einen Sarg – wie heute ohne Schutzkleidung. Beni, Demokratische Republik Kongo, 2019
       
       Dr. Peter Stafford ist in Sicherheit. Gemeinsam mit sechs weiteren
       US-Amerikanern ist der an Ebola erkrankte US-Chirurg erfolgreich aus der
       Demokratischen Republik Kongo evakuiert worden. Die USA entsandten am
       Dienstag aus Kreta zwei Gulfstream-Jets mit Spezialausrüstung, der Arzt
       wurde aus dem kongolesischen Nyankunde mit seiner Frau und seinen vier
       kleinen Kindern sowie zwei weiteren US-Medizinern nach Uganda gebracht und
       von dort nach Deutschland.
       
       Seit Mittwoch liegt Dr. Stafford [1][in der geschlossenen
       Sonderisolierstation der Berliner Charité], betreut von einem Spezialteam,
       sogar die Abluft wird gefiltert. Die anderen Personen sind in Quarantäne.
       Eine vorbildliche Aktion – und zugleich eine Manifestation dessen, was auf
       der Welt schiefläuft.
       
       Dr. Stafford steckte sich vermutlich am vergangenen Samstag an, als er im
       Krankenhaus Nyankunde ahnungslos einen infizierten Patienten operierte –
       Ebola wurde dort erst am Montag gemeldet. Er bekommt nun die bestmögliche
       Betreuung, aber die kongolesischen Ebola-Kranken in Nyankunde bleiben
       zurück, ebenso die kongolesischen Ärzte, mit denen er arbeitete.
       
       Die Weltgesundheitsorganisation WHO bewertet den neuen Ebola-Ausbruch in
       der DR Kongo [2][als „internationalen Gesundheitsnotstand“], aber die
       Bewältigung des Notstands bleibt rein national. Während die
       Evakuierungsmaschinen nach Berlin in der Luft waren, verhängten die USA für
       Kongolesen [3][ein Einreiseverbot] und setzten die Behandlung sämtlicher
       Visumanträge aus.
       
       Es ist Kongos 17. Ebola-Epidemie, aber gegen die jetzt in der Provinz Ituri
       grassierende Bundibugyo-Variante des Virus gibt es laut WHO anders als
       gegen andere Varianten keine Impfung und keine Behandlung. 139 Tote zählt
       die Regierung Stand Mittwoch, vier Tage nach Bestätigung der Epidemie,
       darunter vier Angehörige des Gesundheitspersonals.
       
       In Rwampara am Rande von Ituris Provinzhauptstadt Bunia ist das Krankenhaus
       voller Ebola-Patienten, aber zum Händewaschen gehen die Leute an den
       Wasserhahn im Garten und erst seit wenigen Tagen gibt es Schutzkleidung für
       das Personal. Für die Totengräber gibt es keine.
       
       [4][Das Krankenhaus von Nyankunde], wo Dr. Stafford arbeitete, war einst
       das beste der Region. Patienten aus Hunderten Kilometern Entfernung kamen
       in die Spezialabteilungen. Gebaut auf Initiative evangelischer US-Kirchen
       nach Kongos Unabhängigkeit, feierte es kürzlich seinen 60. Geburtstag. Ohne
       die ständige US-Präsenz, ermöglicht von christlichen Hilfswerken in
       Partnerschaft mit kongolesischen Kirchen und damit unabhängig von den
       Regierungen beider Länder, wäre es vermutlich längst untergegangen.
       
       Krankenhäuser sind in Kongos Kriegsgebieten nicht nur Behandlungsorte. Es
       sind Zufluchtsorte und Schutzräume. Als [5][die taz Nyankunde 2001
       besuchte], war das Krankenhausgelände voll mit Kriegsvertriebenen. Ein Jahr
       später, am 5. September 2002, überfielen Milizionäre des Ngiti-Volkes das
       Gelände mit Macheten, Gewehren und Messern. Sie suchten ihre Feinde von der
       Volksgruppe der Hema. Sie plünderten, zündeten die Räume an, töteten
       Patienten, massakrierten in der ganzen Stadt.
       
       [6][Offiziell gab es 1.200 Tote], tatsächlich wohl mehr. Eine Gruppe von
       Überlebenden floh in den Busch und lief eine Woche lang in die nächste
       Stadt. Internet und Mobilfunk gab es damals nicht – hätten nicht
       US-Amerikaner später über ihre Organisationen Alarm geschlagen, wäre das
       alles wohl nie publik geworden.
       
       ## Auferstanden aus Ruinen
       
       Das Krankenhaus erstand aus den Ruinen neu, aber bis heute macht
       Unsicherheit die Arbeit schwer. Wer nach Nyankunde geht, muss einiges
       aushalten, sicher auch Dr. Stafford, den [7][das christliche Hilfswerk
       Serge im Jahr 2023 entsandte]. Es herrscht Kriegsrecht in Ituri, ethnische
       Milizen kontrollieren weite Gebiete.
       
       Auch in der Hauptstadt Bunia, unter Regierungskontrolle, funktioniert
       wenig. Die neue Ebola-Epidemie, schätzen Experten, kursiert seit Wochen
       unerkannt. Aber erst in diesen Tagen landen UN-Flugzeuge mit medizinischen
       Hilfsgütern in der Millionenstadt.
       
       Warum braucht es UN-Sonderflüge, damit es in Ituri Seife und sauberes
       Wasser gibt? Und was wird aus den kongolesischen Ärzten von Nyankunde? Das
       Krankenhaus müsste eigentlich ein Mahnmal sein für den Horror der
       Kongokriege. Jetzt zeugt es von der Ungleichheit im globalen
       Gesundheitssystem.
       
       20 May 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Ebola-Patient-in-Berlin/!6180452
 (DIR) [2] https://www.who.int/news/item/17-05-2026-epidemic-of-ebola-disease-in-the-democratic-republic-of-the-congo-and-uganda-determined-a-public-health-emergency-of-international-concern
 (DIR) [3] https://www.cdc.gov/port-health/media/pdfs/2026-05-18-Title-42-Order.pdf
 (DIR) [4] https://www.healthservicecorps.org/hospitals/nyankunde-hospital/
 (DIR) [5] /Treibsand-auf-dem-Friedenspfad/!1147815/
 (DIR) [6] /Das-vergessene-Massaker/!769527/
 (DIR) [7] https://serge.org/blog/american-medical-missionary-tests-positive-for-ebola-in-democratic-republic-of-congo/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Dominic Johnson
       
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