# taz.de -- Kongo nach Ebola-Ausbruch: Kliniken „haben keinen Platz mehr“
> Mehr als 130 Menschen sind in den vergangenen Wochen mutmaßlich an einer
> seltenen Variante des Ebola-Virus gestorben, Hunderte haben sich
> infiziert.
(IMG) Bild: Ein Mitarbeiter des Roten Kreuzes (l.) wird desinfiziert, nachdem er die Leichen von Menschen abtransportiert hat
afp | Im Krankenhaus in Rwampara, einem der Hotspots des Ebola-Ausbruchs in
der Demokratischen Republik Kongo, schirmt lediglich ein blaues Flatterband
die Isolierstation für Infizierte ab. Das Krankenhaus ist nur zwölf
Kilometer von Bunia, der Hauptstadt der Provinz Ituri, entfernt. Trotzdem
dauerte es Tage, bis Ausrüstung zur Isolierung und Behandlung der etwa 100
Erkrankten mit Verdacht auf eine Ebola-Infektion in der Klinik ankam.
Der Ebola-Ausbruch trifft eine Region im Norden des zentralafrikanischen
Landes, die von bewaffneten Konflikten, Vertreibung und unzureichender
Gesundheitsversorgung geprägt ist. Viele Kliniken und Gesundheitszentren in
der Region sind schlecht ausgestattet. Das Krankenhaus in Rwampara wurde
erst am vergangenen Montag beliefert – mehrere Tage nachdem der
Ebola-Ausbruch erkannt wurde. Das Virus, das durch Körperflüssigkeiten von
Infizierten übertragen wird, hatte sich nach Einschätzung der
Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich schon
seit Monaten unentdeckt ausgebreitet.
Vor dem Krankenhaus von Rwampara sitzt ein Wachmann mit OP-Maske. Vor den
Gebäuden, in denen die Ebola-Verdachtsfälle versorgt werden, wurden Becken
zum Händewaschen aufgestellt. Die Pflegekräfte mussten lange ohne spezielle
Schutzausrüstung arbeiten. Die Menschen aus der Umgebung sind sogar noch
schlechter dran. „Wir schaufeln Gräber und begraben Tote ohne Handschuhe
oder jeglichen Schutz“, sagt Salama Bamunoba, dessen Jugendorganisation
Bestattungen unterstützt.
[1][Die Epidemie wird von der seltenen Bundibugyo-Variante] des Ebola-Virus
verursacht, gegen die es keinen Impfstoff und keine gezielte Therapie gibt.
Um eine Ausbreitung zu verhindern, müssen Infizierte so schnell wie möglich
identifiziert und isoliert, das Gesundheitspersonal mit spezieller
Ausrüstung geschützt und strenge Hygieneregeln eingehalten werden.
Im Krankenhaus von Rwampara dauerte es aber Tage, „einen geeigneten Bereich
für Triage und Isolierung“ einzurichten, wie Bamunoba berichtet. [2][Von
der Regierung fühlen sich die Menschen deshalb im Stich gelassen]. Die
Behörden hätten sich „wirklich Zeit gelassen“, klagt Bamunoba.
Der kongolesische Gesundheitsminister Samuel Roger Kamaba versicherte
dagegen, die Behörden seien für den Ausbruch gut gerüstet. Auch ein
Regierungssprecher hob am Dienstag die langjährige Erfahrung des Landes im
Umgang mit Ebola-Ausbrüchen hervor. Die bislang verheerendste
Ebola-Epidemie im Kongo ereignete sich zwischen 2018 und 2020. Damals
starben fast 2.300 der insgesamt rund 3.500 Erkrankten.
Obwohl es auch jetzt schon Hunderte Verdachtsfälle gibt, hat sich das Leben
in Rwampara und anderen Dörfern in der Umgebung der Provinzhauptstadt
Bunia, in der mehr als eine Million Menschen, darunter Zehntausende
Vertriebene, leben, bisher kaum verändert. Motorräder knattern über die
staubigen Straßen, Menschen schlendern an Marktständen vorbei, auch die
Schulen sind geöffnet.
„Wir haben diese Epidemie wie einen Witz behandelt, aber jetzt wird die
Lage immer ernster“, sagt der Einwohner Gims Maniwa. „Hier im Kongo werden
viele Dinge nachlässig gemacht und das ist nicht gut.“
Am Flughafen von Bunia laden Beschäftigte in Warnwesten unterdessen Kisten
aus einem Frachtflugzeug der UNO aus. Die WHO hatte am Dienstag
angekündigt, zwölf Tonnen medizinische Hilfsgüter wie Schutzkleidung und
Zelte in die betroffenen Regionen zu liefern.
Auch in einem Lager der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen in Bunia
stehen schon Hilfsgüter bereit. Vor allem die Schutzausrüstung sei für die
betroffenen Gesundheitszentren eine „enorme Erleichterung“, sagt Trish
Newport, Leiterin des Nothilfeprogramms von Ärzte ohne Grenzen. Jede
Klinik, die ihre Teams bisher kontaktiert hätten, klage über Überfüllung:
„Wir sind voll mit Verdachtsfällen. Wir haben keinen Platz mehr.“
## Erster Infektionsfall in Provinz Süd-Kivu bestätigt
In der östlichen Provinz Süd-Kivu ist ein erster Infektionsfall bestätigt
worden. Wie ein Sprecher der M23-Miliz am Donnerstag sagte, wurde der
Infektionsfall in der Provinzhauptstadt Bukavu registriert, die seit
Februar vergangenen Jahres unter Kontrolle der bewaffneten Gruppe steht.
Der oder die Infizierte kommt den Angaben zufolge aus Kisangani, einer
Stadt in der östlichen Provinz Tshopo, in der bislang keine Ebola-Fälle
verzeichnet wurden, und ist bereits an den Folgen der Infektion gestorben.
Die kongolesischen Behörden äußerten sich zunächst nicht zu dem Fall.
Die von Ruanda unterstützte M23-Miliz hat seit 2021 große Gebiete im Osten
der Demokratischen Republik Kongo unter ihre Kontrolle gebracht. Sie hat in
den besetzten Gebieten seitdem eigene Behörden aufgebaut. Mit der
Eindämmung einer schlimmen Epidemie wie dem aktuellen Ebola-Ausbruch hat
sie bisher keine Erfahrung.
[3][Der Ausbruch war am Freitag] vergangener Woche zuerst in der von
ebenfalls von bewaffneten Konflikten betroffenen Provinz Ituri gemeldet
worden. Auch in der Provinz Nord-Kivu und im benachbarten Uganda wurden
seitdem Fälle registriert, in Süd-Kivu und Tshopo bisher aber nicht.
21 May 2026
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