# taz.de -- Ebola-Patient in Berlin: So läuft die Behandlung in der Charité an
       
       > Auf der Sonderisolierstation haben medizinische Fachkräfte einen
       > US-amerikanischen Arzt aufgenommen. Er hatte sich in der DR Kongo mit dem
       > Ebolavirus infiziert.
       
 (IMG) Bild: Im Bild eine Übung. Für den US-amerikanischen Arzt wurde es in der Nacht zu Mittwoch ernst: Aufnahme auf der Sonderisolierstation
       
       dpa afp | In der Berliner Charité läuft die Betreuung des in der Nacht
       aufgenommenen US-Amerikaners mit einer Ebola-Infektion an. Die Ärztinnen,
       Ärzte und Pflegekräfte kümmerten sich jetzt um die medizinische Diagnostik
       und Versorgung, hieß es vom Unternehmenssprecher der Universitätsklinik
       Markus Heggen auf Anfrage der taz. „Zum jetzigen Zeitpunkt äußern wir uns
       nicht zum Gesundheitszustand des Patienten.“
       
       Bei dem US-Patienten handelt es sich nach Angaben der christlichen
       US-Hilfsorganisation Serge um ihren Arzt, der mit seiner Ehefrau –
       ebenfalls eine Ärztin – und vier Kindern in der Demokratischen Republik
       Kongo lebte und arbeitete. Nach Informationen des
       Bundesgesundheitsministeriums werden derzeit auch seine Frau und seine vier
       Kinder auf die besonders geschützte Sonderisolierstation des
       Universitätsklinikums gebracht. Sonst befinden sich keine weiteren Patienen
       dort, die Station werde „anlassbezogen geöffnet“.
       
       Die Sonderisolierstation der Charité hat eine hochspezialisierte
       Infrastruktur für die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit
       hochansteckenden lebensbedrohlichen Infektionskrankheiten.
       
       Ein wesentlicher Vorteil dieser Struktur liege in ihrer operativen
       Unabhängigkeit und Flexibilität. Die Station verfüge über eigene
       Zugangswege, Schleusensysteme, Lüftungs- und Filteranlagen mit
       Unterdrucktechnik sowie eine geschlossene Abwasseraufbereitung, heißt es.
       Dadurch könne auch bei hochgefährlichen Erregern oder bei den genannten
       Kontaminationslagen eine sichere Versorgung gewährleistet werden. Laut
       Markus Heggen ist der Betrieb flexibel in unterschiedlichen Schutzstufen
       möglich: von Vorsichtsmaßnahmen bei unklaren Kontaktverläufen bis hin zur
       maximalen Isolation unter Verwendung von Gebläseschutzanzügen und
       erweiterten Dekontaminationsverfahren.
       
       Bei Bedarf sei auch eine intensivmedizinische Behandlung möglich,
       einschließlich künstlicher Beatmung, Organersatzverfahren oder Dialyse
       sowie chirurgischer Eingriff, so der Sprecher der Charité.
       
       Das medizinische Personal betrete die Isolationsbereiche ausschließlich in
       spezieller Schutzkleidung mit integriertem Luftfiltersystem. Das Anlegen
       dieser Schutzkleidung sei aufwändig und dauere etwa 20 Minuten, das Ablegen
       und anschließende Entsorgen nehme ebenfalls rund 20 Minuten in Anspruch, so
       Heggen. Das Arbeiten sei eine extreme Belastung und zeitlich streng
       begrenzt. Weitere Mitarbeitende würden außerhalb der Isolationsbereiche
       kontinuierlich über Monitore den Zustand des Patienten überwachen, heißt
       es.
       
       ## Wie gefährlich ist es für die Bevölkerung, wenn ein Ebolainfizierter
       nach Deutschland kommt?
       
       Weder für die Bevölkerung noch für Patientinnen und Patienten der Charité,
       wo der Mann behandelt werden soll, besteht Gefahr, wie das
       Bundesgesundheitsministerium betont.
       
       Auch im Umgang mit möglicherweise kontaminierten Materialien gelten höchste
       Sicherheitsstandards. Das Abwasser werde in speziellen Tanks gesammelt,
       aufbereitet und neutralisiert. Die gebrauchten Schutzanzüge und anderer
       Müll werden durch ein spezialisiertes Unternehmen entsorgt. Darüber hinaus
       werde die Abluft des Gebäudes durch zwei Filtersysteme gereinigt, bevor sie
       nach außen geleitet wird.
       
       ## Warum kommt der Patient auf die Sonderisolierstation der Charité?
       
       Die Sonderisolierstation der Charité ist laut Ministerium die größte
       Einrichtung dieser Art in Deutschland – und zudem die Einzige, die
       Infektiologie und Intensivmedizin miteinander verbindet. Das Personal
       trainiere zweimal im Monat Abläufe und Notfallszenarien. Die Station sei
       eine in sich geschlossene Einheit und ermögliche die Isolation von bis zu
       20 Personen gleichzeitig, ohne die Abläufe des restlichen Krankenhauses zu
       beeinträchtigen.
       
       ## Wie verläuft die Krankheit?
       
       Die Übertragung von Ebolaviren von Mensch zu Mensch erfolgt in aller Regel
       durch direkten Kontakt mit bereits erkrankten Personen oder deren
       Körperflüssigkeiten. Die Krankheit beginne dann oft ähnlich wie eine Grippe
       oder auch [1][eine Durchfallerkrankung], sagt Fabian Leendertz vom
       Helmholtz Institut. Dann werde der Verlauf allerdings schwerwiegender.
       Letztlich sei die Todesursache in den meisten Fällen Multiorganversagen.
       
       Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen schätzt den Ebolaausbruch in der
       Demokratischen Republik Kongo als dramatisch ein – hält eine kontrollierte
       Versorgung aber für möglich. „Ebolabehandlung ist kompliziert und auch
       nicht ungefährlich, aber es ist auch kein Grund, in Panik zu verfallen.
       
       Man kann in einem kontrollierten Setting gut damit umgehen“, sagte der
       Epidemiologe Maximilian Gertler von der Charité in Berlin dem
       RBB-Inforadio. Dieses kontrollierte Setting wolle man in der Region
       etablieren für die Patientenversorgung. „Das ist unser Fokus, da kennen wir
       uns aus, da kann man dann auch viel erreichen.“
       
       [2][„Das sind wirklich dramatische Zahlen,] gerade dafür, dass die Epidemie
       erst seit drei Tagen bekannt ist“, sagte der Epidemiologe. „Da muss man
       annehmen, dass es schon eine ganze Zeit schon sehr fortgeschritten ist,
       ohne dass das diagnostiziert werden konnte und die Epidemiebekämpfung
       starten konnte.“ Es handle sich im Allgemeinen um lokale Geschehen, „bei
       denen die Infektion gar nicht so ansteckend ist wie zum Beispiel ein
       atemwegsübertragenes Virus“. In einer Region mit schwacher Infrastruktur
       und politischer Instabilität gebe es aber keine vernünftige Versorgung.
       
       „Im Moment sind wir damit beschäftigt, Teams und Experten auf der ganzen
       Welt zusammenzutelefonieren, die wir in unseren Einsätzen bereits hatten
       oder die sich mit diesen Erkrankungen auskennen“, sagte der Facharzt. „Wir
       ziehen Personal aus Projekten in Afrika zusammen in die Region. Wir
       mobilisieren tonnenweise Material mit Schutzausrüstung und Gerät, um
       Isolierstationen zu improvisieren, zu bauen.“
       
       Im Kongo wurden nach Angaben der WHO bisher 51 Infektionsfälle bestätigt.
       Wie WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am Mittwoch in Genf sagte, gibt es
       zudem fast 600 Verdachtsfälle, darunter auch 139 Todesfälle. „Wir erwarten,
       dass die Zahlen weiter steigen werden“, sagte Tedros, der sich bereits am
       Dienstag „zutiefst besorgt“ über das „Ausmaß und die Geschwindigkeit“ der
       Ebola-Ausbreitung gezeigt hatte. (mit dpa/afp)
       
       20 May 2026
       
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