# taz.de -- Ebola-Ausbruch im Kongo: Die Suche nach Patient 0
       
       > Im Kongo haben sich mutmaßlich 750 Menschen mit Ebola infiziert, die
       > Suche nach dem ersten Patienten läuft. Auch das Nachbarland Uganda meldet
       > drei Fälle.
       
 (IMG) Bild: Das erinnert an die Anfänge der Covid-Pandemie in Deutschland: Menschen nähen Mund-Nasenschutz, um das Virus fernzuhalten
       
       An Flughäfen, Grenzübergängen, Schulen, Kirchen und staatlichen Gebäuden in
       Uganda werden jetzt die Ebola-Warnschilder, Hand-Desinfektionssprays und
       Temperatur-Messgeräte wieder angebracht, um den jüngsten Ausbruch der
       tödlichen Viruskrankheit in der Region zügig einzudämmen. Der Großteil
       dieser Ausrüstung war nicht einmal ein Jahr eingelagert: Der letzte
       Ausbruch in Uganda war erst im Januar 2025 eingedämmt worden. Der letzte
       Ebola-Ausbruch in der benachbarten Demokratischen Republik Kongo wurde im
       Dezember 2025 für beendet erklärt.
       
       Die Regierungen von Uganda und der Demokratischen Republik Kongo haben mit
       Ebola demnach viel Erfahrung. Für Kongo ist es bereits der 17. Ausbruch in
       der jüngeren Geschichte. Dennoch sei die Lage im Kongo „zutiefst
       besorgniserregend“, betont Tedros Ghebreyesus, Direktor der
       Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Freitag: Mittlerweile seien 82 Fälle
       positiv getestet worden, 750 Menschen seien möglicherweise infiziert, deren
       Testergebnisse stehen jedoch noch aus. Bereits 177 Menschen seien
       mutmaßlich an der tödlichen Viruskrankheit verstorben. Mittlerweile sind
       drei Provinzen in dem riesigen Land betroffen, alle inmitten des
       Kriegsgebietes im Osten entlang der Grenzen zu Uganda und Ruanda. „Diese
       Zahlen verändern sich“, [1][erklärt der WHO-Chef], „da sich die
       Überwachungsmaßnahmen und Labortests verbessern; Gewalt und Unsicherheit
       behindern jedoch die Reaktion.“
       
       Aus allen Teilen der Welt kommen nun Ärzteteams eingeflogen, selbst aus
       Russland. Am Flughafen in der kongolesischen Stadt Bunia, Hauptstadt der
       Provinz Ituri, wo sich das Epizentrum befindet, werden Container voller
       Schutzkleidung, mobile Testgeräte, Kühltruhen, riesige Isolierzelte, Betten
       und anderes Gerät für die Versorgung von schwerkranken Patienten
       ausgeladen. WHO-Teams und Mediziner internationaler Hilfsorganisationen
       errichten Behandlungs- und Quarantänezentren.
       
       Die Vereinten Nationen (UN) werden 60 Millionen Dollar für Hilfsmaßnahmen
       in der Demokratischen Republik Kongo bereitstellen, verkündete Tom
       Fletcher, [2][der Leiter des UN-Büros für die Koordinierung humanitärer
       Angelegenheiten, am Freitag].
       
       Die WHO hat die Risikostufe für Kongo am Freitag auf „sehr hoch“
       eingestuft, denn es kam bereits – ähnlich wie während der vergangenen
       Ausbrüche von 2018 bis 2020 – zu gewaltsamen Attacken auf die
       Ebola-Kliniken. Am Donnerstag stürmte die Familie eines Verstorbenen das
       Krankenhaus in der Stadt Rwampara, die derzeit am meisten von Ebola
       betroffen ist, und wollte die Leiche mitnehmen, um ihn zu beerdigen. Sie
       behaupteten, Ebola sei eine Lüge, und zündeten die Zelte an, in welchen die
       Patienten behandelt werden. Die Polizei musste einschreiten. Am Freitag
       untersagte die Regierung nun alle Beerdigungen landesweit. Kongos
       Regierungssprecher Patrick Muyaya verurteilte die Tat: „Die Leute tun genau
       das, was sie nicht tun sollten.“ Kongos Gesundheitsbehörden entsenden in
       Ituri Expertenteams von Haus zu Haus, um die Menschen aufzuklären.
       
       Erster positiv getesteter Fall : ein kongolesischer Krankenpfleger 
       
       Doch das Problem, so die Ebola-Experten der WHO: Der Ursprung der
       Übertragungskette – der sogenannte „Patient 0“ oder „Patient X“ – wurde
       noch nicht ausfindig gemacht. Was bislang bekannt ist: Der erste positiv
       getestete Fall war ein kongolesischer Krankenpfleger, der am 24. April in
       einer Gesundheitsstation in Bunia positiv getestet wurde. Doch wo dieser
       sich angesteckt hat, ist bislang unbekannt. „Die Untersuchungen dauern an,
       um genau festzustellen, wann und wo dieser Ausbruch begonnen hat“, so Anais
       Legand, WHO-Referentin für virale Bedrohungen. „Angesichts des Ausmaßes
       gehen wir davon aus, dass er wahrscheinlich bereits vor einigen Monaten
       begonnen hat.“
       
       Doch [3][im Kriegsgebiet im Ostkongo] ist diese Suche gefährlich, gar
       schier unmöglich, da weite Teile der vom Krieg geplagten Provinz Ituri
       nicht zugänglich sind. Erst am Donnerstag griff die Miliz ADF (Vereinigte
       Demokratische Kräfte), die dem Islamischen Staat nahesteht, erneut Dörfer
       an, tötete 17 Zivilisten.
       
       Die rasche Ausbreitung ist auch dem Krieg geschuldet: Die ersten Fälle
       traten Ende April in den Städten Bunia, Rwampara und Mongbwalu auf. Dort
       leben abertausende Vertriebene aus den umliegenden Dörfern dicht gedrängt
       in Lagern. Die Gesundheitsstationen sind überlastet und schlecht
       ausgestattet. In vielen Kliniken gibt es nicht einmal Aspirin.
       
       Um die Suche voranzubringen, hat Ugandas Virusinstitut, das weltweit in der
       Ebola-Forschung führend ist, die Gensequenz der derzeitigen Virusvariante
       veröffentlicht. Dabei handelt es sich um die seltene
       [4][Bundibugyo-Variante, eine von sechs bekannten Ebola-Strängen.]
       Bundibugyo ist ein Bezirk in Uganda entlang der Grenze zum Kongo, wo diese
       Variante 2007 zuerst entdeckt wurde. Laut ugandischen Laborergebnissen ist
       die derzeitige Variante genetisch nicht mit einem der Genstränge verwandt,
       die im vergangenen Jahr grassierten. Insofern handele es sich um eine
       „mögliche, unabhängige, zoonotische Übertragung“, also eine frische
       Übertragung vom Tier auf den Menschen.
       
       Dies ist womöglich ebenso dem Krieg geschuldet. Da die vertriebenen
       Kongolesen ihre Äcker nicht bestellen können, um sich zu ernähren, gehen
       viele auf die Jagd in den Wäldern, verzehren mitunter auch Affen oder
       andere Tiere, die das Virus in sich tragen können.
       
       „Die Lage in Uganda ist stabil“
       
       Im Nachbarland Uganda sind bereits vor zehn Tagen zwei Personen positiv
       getestet worden: Kongolesen aus Ituri, die in Ugandas Hauptstadt Kampala
       mit Ebola-typischen Symptomen in Krankenhäuser eingeliefert wurden. Einer
       verstarb direkt, seine Leiche wurde in den Kongo zurückgebracht. Die andere
       Patientin – die Schwägerin – sei aber soweit stabil, so Ugandas Regierung.
       Geschulte Mitarbeiter der Gesundheitsbehörden suchen und testen nun alle
       Kontaktpersonen, hunderte Menschen befinden sich in Quarantänezentren.
       Zunächst waren alle Tests negativ. Am Samstag meldet Ugandas
       Gesundheitsministerium jedoch drei weitere positive Fälle, darunter der
       ugandische Fahrer und die Krankenpflegerin, die den ersten kongolesischen
       Patienten behandelt hat.
       
       [5][Ugandas Präsident Yoweri Museveni] warnt vor „Panikmache“. Ebola sei
       einfacher zu kontrollieren als Corona, sagt er. [6][WHO-Chef Ghebreyesus]
       bezeichnet die Lage in Uganda als „stabil“. Diese Aussagen sind Kalkül,
       denn Uganda generiert jährlich rund 1,5 Milliarden Dollar Einnahmen aus dem
       Safari-Tourismus. Aus Furcht sagen nun viele internationale Besucher ihre
       Reisen ab. Dies hat Folgen für die Wirtschaft.
       
       Als Vorsorgemaßnahme hat Ugandas Regierung eine Pilgerreise zum
       Märtyrerschrein nach Kampala nächste Woche abgesagt, zu welcher tausende
       Gläubige aus der ganzen Region zusammenkommen, auch aus dem Ostkongo.
       Ugandas und Kongos Regierungsvertreter treffen sich am Samstag, um die
       Anstrengungen zu koordinieren. Es wurden bereits mobile Labore und
       Testeinrichtungen entlang der Grenze eingerichtet. Ugandas Regierung hat
       den grenzüberschreitenden Personenverkehr eingestellt, nur Lastwagen dürfen
       die Grenzen passieren. Präsident Museveni hat zugesagt, dass Afrikas
       Zentrum für Seuchenkontrolle (CDC) in Kampala ihr Regionales
       Koordinierungszentrum einrichten könne.
       
       Touristen sollen nicht abgeschreckt werden 
       
       Auch Ruanda hat an der Grenze Vorkehrungen getroffen. Ausländer, die in den
       vergangenen 30 Tagen Kongo besucht haben, wird die Einreise verwehrt.
       Ruandische Staatsbürger müssen in Quarantäne, so die jüngste Verordnung.
       „Ruanda bleibt offen, sicher und vorbereitet“, [7][versichert das
       Gesundheitsministerium]. Auch hier sollen offenbar Touristen nicht
       abgeschreckt werden.
       
       Auf der anderen Seite der Grenze zu Ruanda wurden bereits in den Provinzen
       Nord- und Süd-Kivu die ersten Fälle positiv getestet. Doch dort hat nicht
       Kongos Regierung das Sagen, sondern die Rebellen der M23 (Bewegung des 23.
       März). In einer öffentlichen Ansprache versicherte Corneille Nangaa,
       politischer Anführer der Rebellenkoalition AFC (Allianz des Kongo-Flusses),
       in welcher die M23 die stärkste Kraft ist, dass die Rebellen im Kampf gegen
       Ebola mit internationalen [8][Organisationen zusammenarbeiten werden].
       
       Die AFC hat in ihren Kadern einen eigenen Ebola-Beauftragten und
       Koordinator mit der WHO ernannt: Freddy Kaniki, Professor für
       Epidemiologie. Er war während der Covidpandemie im Exil in den USA als
       Seuchenexperte Mitglied der Corona-Taskforce. Jetzt ist er Vizechef der AFC
       und hat einen eigenen Präventionsplan für die beiden Provinzen aufgesetzt,
       die unter Rebellenkontrolle stehen. Auch ein Behandlungs- und
       Quarantänezentrum wurde außerhalb der Millionenstadt Goma eingerichtet. Die
       M23 bestätigt gegenüber der taz, dass sie derzeit in Goma noch genügend
       Testkapazitäten hätten und in Kontakt mit der WHO stünden, um mehr
       Test-Kits zu erhalten. Der Internationale Flughafen in Goma bleibe aber
       geschlossen.
       
       23 May 2026
       
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